Aktuelle Nachrichten – Umwelt
07.01.2011
Foto: anschi/Pixelio
Berlin – Geschickt sich bewegende Kleiber, Äpfel pickende Amseln oder lärmende Spatzen – an den Vogelfutterstellen herrscht angesichts des Winterwetters Hochbetrieb. Doch welche Arten kommen hierzulande in Gärten und Parks zu dieser Jahreszeit besonders häufig vor, welche fehlen und gibt es regional Unterschiede? Entsprechende Trends will der Naturschutzbund (NABU) bei der größten Wintervogelzählung erforschen. Deshalb erfassen Tausende Naturschützer seit Donnerstag erstmals bundesweit die einheimischen Wintervögel.
Bei der vom NABU initiierten Aktion unter dem Motto "Stunde der Wintervögel" sind Umweltfreunde aufgerufen, bis Sonntag (9. Januar) jeweils eine Stunde lang die Vögel in Siedlungsgebieten zu zählen. "Gute Standpunkte sind etwa in Parknähe, am Stadtrand oder an einem Vogelhäuschen", sagte NABU-Experte Felix Grützmacher im dapd-Interview in Berlin. "Mit der Zählung werden vor allem die heimischen Vogelarten erfasst, um festzustellen, wo sie häufiger und wo seltener geworden sind", sagte er.
Die Resonanz auf den vor Wochen gestarteten Aufruf sei gut, sagte Grützmacher. Der NABU hofft, dass sich bundesweit Zehntausende Naturschützer an der Aktion beteiligen. In Bayern hatten im Januar vergangenen Jahres rund 17.500 Menschen teilgenommen. Der dortige Landesbund für Vogelschutz (LBV) führte diese Vogel-Bestandaufnahme als bislang einziges Bundesland seit 2009 durch. Dabei wurden im Vorjahr von mehr als 12.300 Orten im Freistaat rund 517.000 Vögel gemeldet. An der Spitze stand der Haussperling, der 76.500 Mal gesehen wurde, gefolgt von der Kohlmeise (62.500 Mal) und der Amsel (51.600 Mal). Auch der aus dem skandinavischen Raum eingewanderte Erlenzeisig (29.000 Mal) und der Bergfink (17.100 Mal) waren beobachtet worden.
Wie wichtig diese Zählung ist, belegt die seit 2005 bereits vom NABU organisierte "Stunde der Gartenvögel" jeweils im Mai. "Jährlich 40.000 bis 50.000 Naturfreunde haben sich jährlich daran beteiligt", sagte Grützmacher. Und die Ergebnisse sind zum Teil überraschend. So ging entgegen der subjektiven Wahrnehmung die Zahl der Spatzen vielerorts in Deutschland zurück. In Berlin wurden 2010 rund 16 Prozent weniger Haussperlinge verzeichnet als 2009, in Mecklenburg-Vorpommern waren es sogar ein Viertel weniger. Die Ursachen hierfür sollen nun untersucht werden.
Die gemeinsame Wintervogelerfassung durch wissenschaftliche Laien stammt übrigens nach NABU-Angaben aus den USA, wo bereits vor über einem Jahrhundert in "Side Hunts" bei Jagdgesellschaften miteinander gewetteifert wurde, wer die meisten Vögel und anderen Tiere erlegt. Im Jahr 1900 schlug der Vogelkundler Frank Chapman dann vor, statt mit der Flinte künftig mit Fernglas und Notizblock jagen zu gehen, und seine Idee setzte sich durch. Heute beteiligen sich an der Zählung in den USA mehr als 60.000 Vogelfreunde. Ähnlich beliebt ist die Aktion in Großbritannien, wo seit 30 Jahren die Vögel an Futterhäuschen erfasst und dabei für den Naturschutz Erkenntnisse über den Wandel der Vogelwelt gewonnen werden.
Alle Umweltfreunde können laut NABU ihre Ergebnisse am 8. und 9. Januar kostenlos unter 0800-1157115 in der Zeit von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr melden oder im Internet unter www.stundederwintervoegel.de weitergeben. Die Auswertung der Meldebogen soll bis 17. Januar abgeschlossen sein und wird dann auf der Internetseite veröffentlicht. www.nabu.de(dapd)
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