Fretzdorf – Mehrere tausend Menschen haben wie an jedem Ostersonntag auch dieses Jahr gegen die militärische Nutzung des Truppenübungsplatzes in der Wittstocker Heide in Brandenburg protestiert. Auf Plakaten und in Reden forderten sie bei dem traditionell größten deutschen Ostermarsch in Fretzdorf von Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU), auf die Nutzung des „Bombodroms“ auf dem ehemals sowjetischen Truppenübungsplatz etwa 100 Kilometer nördlich von Berlin zu verzichten.
Auch der Brandenburger Umweltminister Dietmar Woidke (SPD) und der mecklenburgische Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) nahmen teil. Beide Landesregierungen lehnen die Pläne der Bundeswehr ab, weil sie eine Schädigung der Tourismuswirtschaft in der Region fürchten. Die Brandenburger Grünen-Bundestagsabgeordnete Cornelia Behm verlangte ein Machtwort von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Kanzlerin müsse den Verteidigungsminister auf die Ebene der Tatsachen zurückholen und die Aufgabe der Pläne für einen Schießplatz in der Kyritz-Ruppiner Heide erwirken, erklärte sie.
Auf Plakaten des Ostermarsches hieß es „No bomb“ und „Wer den Angriff übt, will den Angriffskrieg“. Mehrere Redner nannten die Bundeswehrpläne zum Abwurf von Übungsmunition aus Düsenjägern unnötig. Nach einer Kundgebung in Fretzdorf zogen die Teilnehmer an den Rand des nahen Übungsplatzes und trommelten im Sambarhythmus symbolisch gegen die „Bombodrom“-Pläne an.
Gegen die Einrichtung des „Bombodroms“ sind zahlreiche Klagen umliegender Gemeinden, Verbände, Hoteliers und Anwohner anhängig. In mehreren Entscheidungen unterlag das Verteidigungsministerium bereits. Das Potsdamer Verwaltungsgericht untersagte bis zur endgültigen juristischen Klärung die militärische Nutzung. Im vergangenen Jahr hatte auch der Bundesrechnungshof die Pläne als überteuert kritisiert.
Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen 1992 hatte die Bundeswehrführung zunächst angekündigt, auf den Platz zu verzichten, diese Entscheidung später jedoch zurückgenommen. Das Verteidigungsministerium will pro Jahr 1.700 Einsätze fliegen. Auch NATO-Partner sollen in der Heide üben. Kritiker befürchten mehr als 10.000 Flüge jährlich – auch nachts und unter 300 Metern Höhe. Die Bürgerinitiative „Freie Heide“ ruft seit 1993 zum Ostermarsch gegen die Pläne auf.
(AP)