Aktuelle Nachrichten – China - Gesellschaft
07.11.2011
Foto: AP Photo/Ng Han Guan
Peking – Tausende spenden für Ai Weiwei: Der chinesische Künstler und Dissident erhielt nach eigenen Angaben von mehr als 16.000 Sympathisanten Geld zur Begleichung einer hohen Steuernachforderung. Bisher seien 3,5 Millionen Yuan (370.000 Euro) eingegangen, sagte Ai am Montag der Nachrichtenagentur AP in Peking. Ein freiwilliger Helfer in seinem Studio, Liu Yanping, erklärte, Anhänger hätten Geld auf ein Konto überwiesen oder in Umschlägen über das Tor des Anwesens geworfen – einige in Form von Papierflugzeugen.
"Das zeigt, dass eine Gruppe von Leuten ihre Meinung ausdrücken will, indem sie mit Geld abstimmt", sagte er. "Es zeigt, dass im Zeitalter des Internets die Gesellschaft ihr eigenes Urteilsvermögen und ihre eigenen Werte hat. Die Leute nutzen diese Methoden, um den Vorwurf zu überprüfen, ich hätte Steuern hinterzogen." Ai, der in diesem Jahr 81 Tage ohne Beschuldigung inhaftiert war, sagte am Montag, er betrachte das Geld als Darlehen, das er zurückzahlen werde.
Die chinesischen Behörden verlangen von Ai Weiwei nach dessen Angaben eine Steuernachzahlung in Höhe von 15 Millionen Yuan (1,7 Millionen Euro). Das Finanzamt in Peking habe ihm am vergangenen Dienstag einen entsprechenden Bescheid zugestellt. Ihm seien zehn Tage Zeit gegeben worden zu zahlen.
Einige Spenden waren begleitet von Botschaften, in denen die Spender dem Künstler ihre Unterstützung versicherten. Eine Spenderin, die Feministin Ai Xiaoming, beschrieb ihre Spende als "Art der Unterstützung und als einen Einspruch". Zur genauen Summe wollte sie sich nicht äußern.
In einem Kommentar zitierte die amtliche Zeitung "Global Times" unterdessen am Montag nicht genannte Experten mit der Einschätzung, die Spenden könnten als "illegale Mittelbeschaffung" betrachtet werden. Es wurde aber auch betont, dass nur ein kleiner Teil der Gesamtbevölkerung Ai unterstütze. "Die politische Einstellung Ais und seiner Unterstützer kann nicht für die politische Mitte stehen, die gegen radikale und konfrontierende politische Haltungen ist", hieß es.
Ais hat seine Kunst in London, New York und Berlin ausgestellt und große Einnahmen mit dem Verkauf seiner Arbeiten erzielt. (dapd)
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