Fahren auf Blitzeis – drei Tage im Porsche Ice-Force-Trainingscamp

  Porsche lässt auf einem zugefrorener See im finnischen Ivalo seine PS-stärksten Modelle kreuz und quer übers Eis driften. Damit sollen Kunden ihr Fahrzeug mit all seinen Charakterzügen kennenlernen. Wir …

 

Porsche lässt auf einem zugefrorener See im finnischen Ivalo seine PS-stärksten Modelle kreuz und quer übers Eis driften. Damit sollen Kunden ihr Fahrzeug mit all seinen Charakterzügen kennenlernen. Wir haben den zweithärtesten Kurs im Ice-Force-Trainingscamp der Porsche Sport Driving School mitgemacht. Natürlich ohne elektronische Stabilisierungshilfe, die mussten wir ausschalten.
Am Anfang der vorletzten Januarwoche, als sich in Deutschland fast bundesweit Blitzeis auf die Straßen legte, fiel innerhalb weniger Minuten die Haftzahl der Reifen auf dem vereisten Asphalt um ein Fünftel. Wer bremst, verliert und rutscht unkontrolliert davon. In solch einer Situation ist das Fahrzeug nicht mehr zu beherrschen. Wer Glück hat, streift eine Schneewehe. Wer klug ist, der meidet das Fahren auf einer spiegelglatten Straße. Diesen Tipp gebe ich jedes Jahr. Umso mehr wundern sich meine Bekannten, als ich ihnen erzähle, dass ich für drei Tage ins finnische Ivalo fahre, dorthin, wo ein zugefrorener See gewissenhaft präpariert wurde, um möglichst glatt zu sein. So glatt, dass schon das Laufen darauf kaum möglich ist.

Und dort werde ich für drei Tage die PS-stärksten Modelle von Porsche übers Eis heizen. Nicht nur, weil es ein unbeschreibliches Erlebnis ist, bei mehr als 70 Kilometer pro Stunde die Kontrolle über den Wagen zu verlieren, sich wie im Twister unzählbar oft um die eigene Achse zu drehen, um dann nach mehreren Metern vom Schnee gestoppt zu werden. Vor allem will ich lernen, wie ich in kritischen Situationen das Fahrzeug sicher manövriere. Und vielleicht gelingt es gar, auf gefrorenem Eis fahrstabil heikle Situationen zu meistern, ohne sich auf die serienmäßig eingebauten Regelsysteme wie PSM und Traktionskontrolle zu verlassen. Die müssen ausgeschaltet werden, fordert Patrick Hünninger. Der Mittdreißiger ist für Porsche als Chefinstrukteur vor Ort und wird uns in den kommenden zwei Tagen über die Piste scheuchen. Aus einem etwa 20-köpfigen Team, die sich um alle Belange der Teilnehmer kümmern, hat er uns zwei erfahrene Rennfahrer zur Seite gestellt.
Das perfekte Driften
So lerne ich in der Einöde, die den rund zehn Kilometer langen See umgibt, den sensiblen Umgang mit Gas und Bremse. Die unterschiedlich langen präparierten Rundkurse bieten dazu genügend Gemeinheiten, die Wirkung der elektronischen Kraftverteilung auf Vorder- und Hinterachse zu erleben. Fehler, die jeder unweigerlich während des Fahrtrainings macht, analysiert Hünninger messerscharf, teilt sie mit und schickt einen dann gleich wieder auf den See. Darauf hat in diesem Jahr übrigens Herman Thielke einige der bekanntesten Rennstrecken in kleinerem Maßstab in den Schnee modelliert – inklusive mehrerer Kreisbahnen, die ideal für das Driften geeignet sind. Und dies üben wir an allen Tagen bis zum Limit.
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Das Driften, das bewusste übersteuern des Fahrzeugs, wird deshalb in allen Variationen gelehrt, weil erst dadurch das Gefühl geschult wird, welche Maßnahmen helfen, um das unkontrollierte Ausbrechen zu verhindern. Wem es also gelingt, nach den fünf Tagen Intensivtraining im Ice-Camp, die heckangetriebenen Sportwagen gezielt durch den Parcours driften zu lassen, beherrscht auch im Straßenverkehr heikle Situationen. Vor allem wenn es sich um Fahrzeuge mit Heckantrieb oder Mittelmotor handelt. Die brechen ohne elektronische Stabilisierungshilfe (PSM) schnell aus. Porsche Driving Experience hat deshalb per Transporter mehrere Boxter S, Cayenne, Carrera S4, Cayman und den Panamera GTS, der in dieser Saison erstmals für die Schulung eingesetzt wird, ins finnische Ivalo geholt.
Frauen driften eleganter
Bereits ab knapp über 3.500 Euro dürfen diese Sportfahrzeuge übers Eis gedriftet werden. Das nutzen seit 2009 jede Saison rund 400 Sportwagenfans aus aller Welt. Auch wer aus Dubai kommt, möchte das sichere Fahren auf glatter Fahrbahn lernen. Wer sich dann mehr zutraut, kann noch weitere vier Aufbaukurse absolvieren, mit leistungsstärkeren Modellen, Spikes an den Reifen und schwierigeren Strecken. Mit dem anspruchsvollsten Kurs, dem Ice-Force-S-Training, zu dem nur geübte Fahrer zugelassen werden, und für den jeder Teilnehmer etwa 6.500 Euro bezahlen muss, endet das Lehrgangsprogramm, sozusagen als Kür auf dem Eis.
Damit die Reifen mit den bis zu fünf Millimeter langen Spikes auch ihren Sinn erfüllen, präpariert Vasant Mäkinen, der Finne, gewissenhaft jeden Morgen und mehrmals am Tag die Pisten mit Traktor, Schneemobil und Stahlschippe. Was bleibt, ist blankes Eis. Mäkinen, der im Sommer am Rande des Sees nach Gold schürft, ist so etwas wie der Greenkeeper einer bis zu 70 Zentimeter dicken Eisschicht. Ohne ihn würden frischer Schnee, die Windverwehungen oder das Abfliegen der Teilnehmer in die Begrenzung die Pisten zerstören. An den Tagen, die wir in Ivalo waren, passierte es vor allem den Männern. Zu hoch das Tempo, inklusive falschem Einlenken: Schon steht der 400-PS-starke Wagen außerhalb der Piste.
Und auch wenn es Trainings für Woman Only gibt. In einer gemischten Gruppe driften die Damen in der Regel eleganter, erzählt uns Hünniger. Dann zeigt er aber, wie er die Schikanen meistert. Als Beifahrer staunen wir nur und fragen ihn, ob er auch bei Eisregen, wie er soeben über weite Teile Deutschlands runterkam, den Wagen unter Kontrolle bringt. Ja, sagt er. Er lässt ihn in der Garage stehen.
Mit freundlicher Genehmigung von www.drive-and-style.de/