Chatbots: Diese Software könnte (vielleicht) das Internet revolutionieren

Wird in Zukunft die Kommunikation im Internet noch schneller und direkter? Sogenannte "Chatbots" könnten die sozialen Medien revolutionieren. In China gibt es sie schon.

Die Essenz des Internets sind seit seiner Erfindung durch Tim Berners Lee vor ziemlich genau 25 Jahren seine Websites. Etwa eine Milliarde Domains sind weltweit registriert, davon ist ca. ein Drittel mit abrufbaren Inhalten gefüllt. Daran konnte auch der Siegeszug von Social Media, einst „Web 2.0“ genannt, nichts ändern. Allerdings zielt eine Neuentwicklung darauf ab, Websites (und Apps) überflüssig zu machen – das könnte das WWW nachhaltig verändern. Die Rede ist von sogenannten Chatbots. Wir schauen uns an, was diese Programme in Zukunft leisten sollen.

Eine Anwendung für Alles

Das Netz wird längst nicht mehr nur als Informations-, sondern vor allem als Kommunikationsmedium genutzt. Dienste wie Whatsapp, Twitter oder Snapchat sind fokussiert auf die Nachrichtenübermittlung und werden täglich milliardenfach genutzt – insbesondere junge Nutzer kommunizieren mittlerweile lieber per Chat als per Telefonat oder E-Mail.

Genau hier setzen Chatbots an: Die Kernidee ist, dass sich Nutzer im Netz künftig direkt über den Messenger die gewünschten Informationen besorgen können, ohne für jedes Anliegen auf eine andere Website oder App zugreifen zu müssen. Vielmehr sollen User im „Gespräch“ mit einem virtuellen Kommunikationspartner zum Ziel kommen. Mit einem Chatbot soll sich im Idealfall eine Unterhaltung führen lassen, die sich nicht von zwischenmenschlichen Interaktionen unterscheiden lässt. Im Prinzip lässt sich das Konzept damit vergleichen, was Apple und Microsoft mit ihren Sprachsteuerungssystemen Siri bzw. Cortana anstreben – nur eben in Textform.

Besonders für Unternehmen sind Chatbots interessant – sie sollen nicht weniger leisten, als das Online-Marketing zu revolutionieren: Von der Informationsbeschaffung über den Produkteinkauf oder die Hotelbuchung bis hin zum Kundenservice sollen sie in Zukunft alle Bereiche des E-Commerce durchdringen.

Sinnvoll oder nicht?

Bis es soweit ist, wird allerdings noch einiges an Zeit vergehen. Während es in China längst alltäglich ist, über die dortige Facebook-Alternative Weixin/Wechat Chatbots zu nutzen, gibt es bisher nur wenige Chatbots für Whatsapp oder Facebook. Wer neugierig und auf dem Oktoberfest unterwegs war, konnte das Ganze allerdings ausprobieren – es gab einen Chatbot, der bei der Platzsuche auf der Wiesn helfen sollte.

In manchen Branchen ist man sich noch nicht sicher, ob Chatbots tatsächlich einen Mehrwehrt gegenüber Websites oder Apps darstellen bzw. wie sie sinnvoll eingesetzt werden könnten. Etwa im sensiblen Bereich des Online-Banking gibt es gleichermaßen Argumente für wie gegen die Nutzung der automatisierten Kommunikationspartner. Chatbots sind ohne Frage eine spannende Erfindung – man darf gespannt sein, ob und wann sie sich durchsetzen werden. (pf / rf)

 

 

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