Aktuelle Nachrichten – Welt
28.12.2009
Foto: AP Photo/Sakchai Lalit
Phetchabun/Thailand (APD) Trotz internationaler Proteste haben die thailändischen Streitkräfte am Montag fast 4.400 Flüchtlinge des Hmong-Volkes nach Laos abgeschoben. Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen wurden sie von einem Lager im Norden des Landes mit Militärtransportern und Bussen zur laotischen Grenze gebracht. An der Räumung waren rund 5.000 Beamte und Sicherheitskräfte beteiligt; die Soldaten trugen Schilder und Schlagstöcke, wie Einsatzleiter Oberst Thana Charuwat sagte. Alles sei friedlich verlaufen.
Menschenrechtsorganisationen und die USA befürchten, dass den Hmong in Laos politische Verfolgung droht. Noch nach Beginn der Räumung des Lagers in der nordthailändischen Provinz Phetchabun forderte das US-Außenministerium einen Stopp der Massenabschiebung. „Die Vereinigten Staaten fordern die thailändischen Behörden nachdrücklich auf, den Einsatz auszusetzen“, sagte Außenamtssprecher Ian Kelly in Washington. Die Vereinten Nationen und auch Thailand hätten die Hmong in der Vergangenheit als verfolgt eingestuft, sagte Kelly weiter.
Der thailändische Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva wies die Bedenken der USA zurück. Er habe von der laotischen Regierung die Zusicherung erhalten, dass „die Hmong ein besseres Leben haben werden“, sagte der Regierungschef. Die in New York ansässige Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) verurteilte die „fürchterliche“ Massenabschiebung. Damit habe die Missachtung des Völkerrechts und der Menschenrechte durch die Regierung einen neuen Tiefpunkt erreicht, sagte Sunai Phasuk von HRW-Thailand.
Journalisten durften sich dem Flüchtlingslager während der Räumung nicht nähern, sondern mussten in einem Pressezentrum in zwölf Kilometern Entfernung ausharren. Die 4.371 Flüchtlinge, unter ihnen laut Augenzeugen auch zahlreiche Kinder, wurden mit Bussen zur laotischen Grenze in Nong Khai gebracht. Von dort sollten sie in den Bezirk Paksane in der zentrallaotischen Provinz Bolikhamsai gebracht werden. Der Sprecher des Außenamtes in Vientiane, Khenthong Nuanthasing, sagte, die Hmong würden mittelfristig in zwei Dörfern untergebracht, wo jede Familie ein Haus und Land bekäme. Besuche internationaler Beobachter seien jederzeit willkommen.
Die Heimat der Hmong sind die bewaldeten Bergregionen in Südchina, Laos, Thailand und Vietnam. Im Vietnamkrieg wurden laotische Hmong von den USA für militärische Einsätze gegen Nordvietnam rekrutiert. Sie unterstützten auch die prowestliche Regierung von Laos bis zu deren Sturz im Jahr 1975 durch die Kommunisten. Seither sind mindestens 300.000 Laoten, zumeist Hmong, nach Thailand geflohen. Die Regierung in Bangkok betrachtet viele von ihnen jedoch nicht als politisch Verfolgte, sondern als Wirtschaftsflüchtlinge.
Laos ist eines der ärmsten Länder Südostasiens. Auf dem UN-Entwicklungsindex (HDI) belegt es von weltweit 182 erfassten Ländern Platz 133. (AP)