Berlin - Mit einem Gedenkgottesdienst haben die evangelische und die anglikanische Kirche am Sonntag den Theologen und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus Dietrich Bonhoeffer zu dessen 100. Geburtstag gewürdigt. Bundespräsident Horst Köhler hatte zuvor auf die Verpflichtung hingewiesen, die im Erbe eines der profiliertesten Vertreter der Bekennenden Kirche liege.
Dietrich Bonhoeffer wurde am 4. Februar 1906 geboren. Er war am Attentat gegen Hitler beteiligt. Er wurde mit anderen am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg ermordet.
Der Gottesdienst, bei dem der Erzbischof von Canterbury und Primas der anglikanischen Kirche, Rowan Williams, auf Deutsch die Predigt hielt, fand in der St. Matthäuskirche inmitten des Berliner Kulturforums statt. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Wolfgang Huber, gestaltete den Gottesdienst mit. Bonhoeffer war in dieser Kirche 1931 zum Priester geweiht worden.
Die Nähe zur anglikanischen Kirche wuchs 1933 bis 1935, als Bonhoeffer in London als Pfarrer wirkte. Er kehrte zurück, um der Bekennenden Kirche zu dienen. 1936 erhielt er wegen seines offenen Auftretens gegen die Rechtsbeugungen der Nationalsozialisten Lehrverbot. «Die damalige Berliner Fakultät hat diesen Beschluss willig ausgeführt,» heißt es in einer Würdigung der Humboldt-Universität.
Von einem Studienaufenthalt in New York kehrte er bewusst kurz vor Kriegsausbruch nach Deutschland zurück, weil er nach den Worten von Williams der Bekennenden Kirche nicht anders habe dienen können, als mit den Verschwörern zu arbeiten. «Dass man erst in der vollen Diesseitigkeit glauben lernt,» gelte als eines der theologischen Grundmotive Bonhoeffers, die er bereits 1924 formulierte. Als weiteres Motiv verwies der Erzbischof auf die Wache im Garten Getsemaneh: «Dort sein, wo Jesus ist.» Darin liege zugleich das Urteil über diejenigen, die sich mit ihrem Rassenhass und Machtwahn von diesem Ort ausgeschlossen hätten.
«Treue zur Menschlichkeit»
Köhler hatte zuvor in einem Beitrag für die «Frankfurter Rundschau geschrieben: «Sein Schicksal gehört zu dem Erbe, das uns verpflichtet. Deshalb sollten wir uns immer wieder anstecken lassen von Dietrich Bonhoeffers Treue zur Menschlichkeit.» Es sei eine Pflicht, einzugreifen, wenn die Missachtung der Menschenwürde drohe.
Bischof Huber sagte in einem Vortrag an der Humboldt-Universität am Samstag zum Vermächtnis Bonhoeffers, er habe sich auf die Verschwörung einlassen müssen, «weil er nur so dem Ruf in die Nachfolge treu bleiben konnte». Was Bonhoeffer als «Nachfolge» bezeichnet habe, habe sein Schwager und Mitverschwörer Hans von Dohnanyi als «Anstand» bezeichnet. Er zitierte Dohnanyi mit den Worten: «Dietrich und ich haben die Sache ja nicht als Politiker gemacht. Es war einfach der zwangsläufige Gang eines anständigen Menschen.»
Im Konzentrationslager Flossenbürg in der Oberpfalz, das die Nationalsozialisten im Mai 1938 als viertes KZ auf deutschem Boden eingerichtet hatten, wurden mindestens 30.000 Menschen umgebracht. Mit Bonhoeffer wurden am 9. April 1945 Mitverschwörer wie Admiral Wilhelm Canaris und General Hans Oster hingerichtet. Am 20. April wurden rund 15.000 überlebende Gefangene auf einem Todesmarsch evakuiert. Am 23. April erreichten US-Truppen das Lager.
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