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„Die Vermessung der Welt“ Thomas-Mann-Preis an Daniel Kehlmann verliehen

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19.10.2008

Lübeck – Der erst 33 Jahre alte Schriftsteller Daniel Kehrmann (“Die Vermessung der Welt“) ist mit dem Thomas-Mann-Preis der Hansestadt Lübeck ausgezeichnet worden. In der Begründung lobte die Jury den gebürtigen Münchner als „scharfsinnigen Essayisten und klugen Geschichtenerzähler, dessen Romane und Novellen mit artistischer Verve und in leichtfüßiger Nachfolge Thomas Manns mit Humor, Ironie und tieferer Bedeutung ihre sehr ernsten Scherze treiben“.

Der Österreicher Kehlmann wurde früh als „Wunderkind“ gefeiert. Schon als 22-Jähriger veröffentlichte er seinen ersten Roman (“Beerholms Vorstellung“, 1997). Der Durchbruch gelang ihm 2005 im Alter von 30 Jahren mit seinem in den Feuilletons hochgelobten fünften Roman „Die Vermessung der Welt“. Geschickt und nicht ganz der historischen Wahrheit verpflichtet verstrickt er darin die Lebensläufe des Naturforschers Alexander von Humboldt und des Mathematikers Carl Friedrich Gauß miteinander.

Das Buch belegte Spitzenplätze auf den Bestsellerlisten, und eine Lesereise durch ganz Deutschland bescherte dem Autor volle Säle und begeisterte Kritiken. 2006 erhielt er dafür den mit 20.000 Euro dotierten Heinrich-von-Kleist-Preis der Stadt Köln, und 2007 den „Welt“-Literaturpreis.

Kehlmann wurde am 13. Januar 1975 in München als Sohn eines Regisseurs und einer Schauspielerin geboren. 1981 zog die Familie nach Wien, woher die väterliche Verwandtschaft stammte, die durch den Holocaust nahezu ausgelöscht wurde. Kehlmann studierte an der Universität Wien Philosophie und Germanistik. Eine geplante Doktorarbeit über den Philosophen Kant gab zugunsten seiner schriftstellerischen Tätigkeit auf.

„Lübecker Preis schäbig dotiert“

Der mit 10.000 Euro dotierte Thomas-Mann-Preis, der 1975 anlässlich des 100. Geburtstags des Schriftstellers von der Hansestadt Lübeck gestiftet wurde, wird alle drei Jahre an Persönlichkeiten verliehen, „die sich durch ihr literarisches oder literaturwissenschaftliches Wirken ausgezeichnet haben im Geiste der Humanität, die das Werk von Thomas Mann prägte“. Bisherige Preisträger waren unter anderen Uwe Johnson, Siegfried Lenz, Marcel Reich-Ranicki, Günter Grass und – als letzter Preisträger im Jahr 2005 – Walter Kempowski.

Wenige Tage vor der Verleihung war ein Streit zwischen Lübeck und München um den Namen des Preises bekanntgeworden. Die Bayerische Akademie der Schönen Künste benannte ihren „Großen Literaturpreis“ um und verlieh ihn in der vergangenen Woche erstmals als „Thomas Mann-Literaturpreis“ an Peter Handke. Nun fordert Lübeck eine erneute Umbenennung und kritisiert: Zwei Auszeichnungen mit dem gleichen Namen verwirrten die Menschen und könnten Manns Ansehen schaden.

München zeigte sich unnachgiebig und konterte: „Warum soll es nicht zwei Thomas-Mann-Preise geben?“ Der Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, Dieter Borchmeyer, erklärte zudem, der Thomas-Mann-Preis der Stadt Lübeck sei „schäbig dotiert“. Der Münchner Preis soll seinen Angaben zufolge jährlich verliehen werden und ist mit 15.000 Euro dotiert. (AP)

 

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