Aktuelle Nachrichten – Unternehmen
14.02.2012
Foto: Volker Hartmann/dapd
Essen – ThyssenKrupp kommt nicht aus den roten Zahlen. Anhaltende Verluste im US-Stahlgeschäft und die Kosten der Aufräumarbeiten des neuen Konzernchefs Heinrich Hiesinger bescherten Deutschlands größtem Stahlkonzern auch im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2011/2012 unter dem Strich einen Verlust von 480 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte.
Bereits im Geschäftsjahr 2010/2011 hatte der Konzern aufgrund von Abschreibungen für das US-Stahlgeschäft und die Edelstahlsparte einen Verlust von 1,8 Milliarden Euro ausweisen müssen.
Vor allem die neuen Stahlwerke in den USA erwiesen sich weiterhin als Bremsklotz für den Essener Stahlriesen. Technische Probleme beim Hochlauf und ein schwaches Marktumfeld sorgten hier erneut für einen Verlust von 288 Millionen Euro (Vorjahr: minus 378 Millionen Euro).
Doch auch die von Hiesinger vorangetriebene Umstrukturierung des Konzerns hinterließ tiefe Spuren in der Bilanz. So musste ThyssenKrupp für die Edelstahlsparte Inoxum vor dem Verkauf an den finnischen Outokumpu-Konzern weitere Abschreibungen von 265 Millionen Euro vornehmen. Und die Abgabe der zivilen Schiffsbauaktivitäten führte zu zusätzlichen Wertberichtigungen von 155 Millionen Euro.
Ansonsten verlief die Entwicklung im Konzern zweigeteilt. Während die Stahlsparte unter der konjunkturellen Abschwächung litt, entwickelte sich die Nachfrage im Technologiegeschäft überwiegend freundlich. Unter dem Strich hoben sich die Effekte weitgehend auf. Der Auftragseingang der fortgeführten Aktivitäten stieg um ein Prozent auf 10,1 Milliarden Euro, während der Umsatz um ein Prozent auf 9,9 Milliarden Euro zurückging.
Eine Prognose für das gesamt Geschäftsjahr 2011/12 wagte Hiesinger nicht. Die unsichere gesamtwirtschaftliche Situation lasse dies nicht zu, sagte der Manager. Doch sei davon auszugehen, dass die Belastungen durch die neuen amerikanischen Stahlwerke im zweiten Halbjahr geringer ausfallen würden.
Vor allem das Stahlgeschäft des Konzerns bekam in den vergangenen Monaten die Verunsicherung der Wirtschaft durch die Eurokrise zu spüren. In Europa brach der Umsatz um fast 15 Prozent ein, der Gewinn der Sparte wurde mehr als halbiert. Die Kunden disponierten bei ihren Bestellungen wegen der allgemeinen Verunsicherung spürbar vorsichtiger, berichtete das Unternehmen.
Dagegen entwickelte sich die Nachfrage in der Technologiesparte überwiegend freundlich. Auftragseingang und Umsatz legten im Geschäft mit Aufzügen und mit Komponenten für die Automobilindustrie kräftig zu.
Hiesinger wertete die stabilen Ergebnisbeiträge der Technologiebereiche als Beweis für die Richtigkeit seiner Strategie, "diese Geschäfte in Zukunft noch stärker zu fördern" und die Abhängigkeit vom Stahlgeschäft zu reduzieren.
An der Börse sorgten die Zahlen dennoch für einen deutlichen Kurseinbruch bei den ThyssenKrupp-Aktien, bis zum Dienstagmittag verloren die Papiere des Stahlriesen rund drei Prozent an Wert.
(dapd)
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