Peking/Berlin – Zwei Tage vor Beginn der Olympischen Spiele haben erstmals Demonstranten an einer Sportstätte in Peking protestiert. Vier Tibet-Aktivisten aus Großbritannien und den USA befestigten am Mittwoch vor dem Olympiastadion zwei Transparente, auf denen sie die Freiheit der 1950 von China besetzten Region forderten. Nach einer Stunde wurden die Demonstranten von der Polizei abgeführt, wie die Gruppe Students for a Free Tibet mitteilte. Ein Sprecher des Organisationskomitees in Peking kritisierte die Aktion.
„Wir hoffen, dass Ausländer die entsprechenden chinesischen Gesetze und Bestimmungen respektieren“, sagte Sprecher Sun Weide. Die Demonstranten seien von der Polizei überredet worden abzuziehen und weder festgenommen noch auf eine Polizeiwache gebracht worden.
Der Direktor der Gruppierung Students for a Free Tibet erklärte, zwei Männer hätten Laternenmasten erklommen und die Transparente im Morgengrauen aufgehängt. Zwei weitere Aktivisten hätten sie dabei unterstützt. Die Sprecherin des Internationalen Olympischen Komitees IOC, Emmanuelle Moreau, sagte, die Organisatoren müssten damit rechnen, dass Menschen die Plattform der Olympischen Spiele dazu nutzten, um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen.
Der Dalai Lama, das geistliche Oberhaupt der Tibeter, wünschte China am Mittwoch alles Gute für die Olympischen Spiele. Die Ausrichtung der Sportveranstaltung sei „ein Moment großen Stolzes für die 1,3 Milliarden Chinesen“, heißt es in einer von seinem Büro in Dharamsala veröffentlichten Erklärung. Die Spiele sollten zum Olympischen Geist von Freundschaft, Offenheit und Frieden beitragen.
Der Olympische Fackellauf trat unterdessen seine letzte Etappe vor dem Beginn der Spiele an. Das Feuer wurde im Pekinger Kaiserpalast, der sogenannten Verbotenen Stadt, von Astronaut Yang Liwei in Empfang genommen. Er trug die Flamme an einem riesigen Porträt von Mao Tse-tung vorbei durch das historische Tiananmen-Tor. Sie soll am Freitag das Olympische Feuer entzünden.
Bei der Eröffnungsfeier wird Basketballstar Dirk Nowitzki die deutsche Fahne tragen und die Mannschaft ins Stadion führen. Dies gab der Deutsche Olympische Sportbund am Mittwoch bekannt. Der 2,13 Meter große Profi der US-Liga NBA, der sich inzwischen die olympischen Ringe ins Haar rasiert hat, zeigte sich begeistert. Er sprach von einer großen Ehre. „Es wird mir am Freitag kalt den Rücken runterlaufen.“ Michael Vesper, Chef de Mission des deutschen Teams, sagte, Nowitzki verkörpere „wie kaum ein anderer die olympische Idee“. Der 30-Jährige gebürtige Würzburger spielt seit 1998 bei den Dallas Mavericks und gilt als einer der besten Basketballspieler der Welt.
Die Bundesminister der Verteidigung und des Inneren, Franz Josef Jung und Wolfgang Schäuble, fahren zu den Olympischen Spielen in Peking, wie die Sprecher der beiden CDU-geführten Häuser am Mittwoch in Berlin bekanntgaben. Jung fliegt demnach kommende Woche, der auch für den Sport zuständige Schäuble in der zweiten Wettkampfwoche nach China. (AP)