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Tierfilmer Heinz Sielmann mit 89 Jahren gestorben

Vera Hella Fröhlich

08.10.2006

Heinz Sielmann, aufgenommen im Jahre 1987. (AP Foto/Claus Hampel)
Heinz Sielmann, aufgenommen im Jahre 1987. (AP Foto/Claus Hampel)

Berlin - Der erfolgreiche Tierfilmer und engagierte Naturschützer Heinz Sielmann ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Er sei bereits am Freitag im Kreise seiner Familie und Freunde in München ruhig entschlafen, teilte die Heinz Sielmann Stiftung am Sonntag in Berlin mit. In Ostpreußen aufgewachsen, hatte Sielmann als erster Tierdokumentationen ins Fernsehen gebracht. Mit seinen über drei Jahrzehnten ausgestrahlten «Expeditionen ins Tierreich» schrieb er TV-Geschichte.

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast würdigte ihn als großen Tierschützer. «Mit seinen Filmen hat er es verstanden, die Menschen für ihre Mitgeschöpfe, die Tiere, zu interessieren» - für exotische Tiere ebenso wie für alltägliche Nutztiere.

Der Entschluss, Tierfilmer zu werden, stand bereits für den Abiturienten Sielmann fest. Sein erstes Werk «Vögel über Haff und Wiesen» erschien schon 1938 als Film und 1943 als Buch. Von Anfang der 50er bis in die 90er Jahre gelangen ihm sensationelle Aufnahmen von heimischen und exotischen Tierwelten. Seine Kinofilme wurden weltweit in 25 Sprachen gezeigt. Mit seinen «Expeditionen ins Tierreich» kam er mehr als 170 Mal via NDR in deutsche Wohnzimmer.

Nach den ersten Kinoerfolgen mit «Lied der Wildbahn» und «Quick, das Eichhörnchen» gewann Sielmann Anfang der 50er Jahre neue Impulse aus der Zusammenarbeit mit Verhaltensforschern wie Konrad Lorenz und Irenäus Eibl-Eibesfeld. In Anschluss an «Herrscher des Urwalds» über die Gorillas im Kongo filmte er dann in den 60er Jahren auf dem ganzen Globus. Attacken eines Elefantenbullen und eines Flusspferds entging der Tierfilmer nur knapp.

Mit vielen Preisen ausgezeichnet

Als seine liebste Expedition bezeichnete Sielmann stets die Forschungsreise 1988 zu den Königspinguinen, See-Elefanten und Blauwalen in der Südpolarregion. Zu seinen zahlreichen Ehrungen gehören der «Deutsche Filmpreis», die «Goldene Kamera», der «Goldene Bär» und der «Silberne Bär» der Filmfestspiele Berlin sowie der «Bambi».

Seit den 70er Jahren nahmen Fragen des Naturschutzes eine immer wichtigere Stellung in Sielmanns Arbeit ein. 1981 schloss er als Herausgeber die Buchreihe «Knaurs Tierleben» ab. Ab 1982 arbeitete er neben Bernhard Grizmek als Herausgeber der Zeitschrift «Das Tier». In seinen späteren Sendungen im Privatfernsehen wandte er sich immer wieder gegen die Maßlosigkeit der Menschen und ihren Raubbau an der Natur.

Sielmanns Sohn Stephan kam 1978 im Alter von 24 Jahren bei einem Unfall während einer Expedition in Kenia ums Leben. Dieses Ereignis trug 1994 dann zu der Entscheidung des Ehepaars Heinz und Inge Sielmann bei, ihr Lebenswerk im Rahmen einer Stiftung in die Zukunft zu tragen. Sie wollten besonders die junge Generation für die Bewahrung der Natur begeistern.

Seit 2000 erwarb die Stiftung unter anderem das ehemalige Braunkohle-Tagebaugebiet Wanninchen in der Niederlausitz in Brandenburg. Auf inzwischen 3.100 Hektar der wüstenähnlichen Bergbaufolgefläche entwickelt sich seither eine neue Artenvielfalt. Und am Stadtrand von Berlin liegt das bislang größte Stiftungsprojekt, die Döberitzer Heide, die über 100 Jahre lang als Truppenübungsplatz genutzt worden war.

Sielmann wird nach Angaben der Stiftung nahe ihrer Zentrale bei Duderstadt in Südniedersachsen beigesetzt. Inge Sielmann will mit der Stiftung die Arbeit für den Natur- und Artenschutz sowie in der Umweltbildung im Geist ihres verstorbenen Mannes fortsetzen.

http://www.sielmann-stiftung.de/

(AP)

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