Glücksspiel in Deutschland – Ein Überblick

Glücksspiele wie Blackjack, Poker, Sportwetten und Spielautomaten erfreuen sich in Deutschland einer immer größer werdenden Beliebtheit.

Glücksspiele wie Blackjack, Poker, Sportwetten und Spielautomaten erfreuen sich in Deutschland einer immer größer werdenden Beliebtheit. Vor allem das Internet hat maßgeblich zu dieser Entwicklung beigetragen, aber auch immer mehr Menschen reisen heutzutage in die Casino-Hochburgen wie Las Vegas und Macau, da immer wieder günstige Flüge dorthin angeboten werden.

Doch in Deutschland gibt es bezüglich der Glücksspielregulierung immer noch sehr viele rechtliche Grauzonen. Was ist legal und was illegal? Einen kurzen Überblick über die Wirren des deutschen Glückspielrechts bieten wir Ihnen hier.

Die Grauzonen

Im Sektor Glücksspiel treffen immer wieder widersprüchliche Gesetze aufeinander, vor allem bei Online-Casinos. Gelten die Rechte des souveränen Nationalstaates oder aber die supranationalen Richtlinien der EU? Grund für diese Grauzonen ist die Tatsache, dass laut EU-Regulierungen jeder Anbieter seinen Standort selbst auswählen darf und somit die Richtlinien des deutschen Glücksspielstaatsvertrags umgehen kann.

Zu welchen Problemen diese Diskrepanz führen kann, zeigt ein Fall aus dem Jahre 2015 besonders gut. Damals wurde ein 26 Jahre alter Mann aus München zu einer hohen Geldstrafe verurteilt und sein Gewinn einbehalten, weil er bei einem in Gibraltar ansässigen Glücksspielanbieter Blackjack gespielt hat. Das Landesgericht hob diese Entscheidung jedoch wieder auf und begründete die Entscheidung damit, dass das deutsche Strafrecht in diesem Fall nicht anwendbar sei. Mit dieser Entscheidung umging das Gericht eine umfangreiche Urteilsbegründung über das EU-Recht.

Kein einheitliches Gesetz in Deutschland

Doch selbst in Deutschland gibt es kein einheitliches Gesetz. Der Glücksspielstaatsvertrag von 2012, der das legale Glücksspiel reguliert, wurde nur von 15 der 16 Bundesländer unterschrieben. Schleswig-Holstein jedoch erkannte diesen Vertrag nicht an, sodass zahlreiche Glücksspielanbieter auch in Deutschland Fuß fassen konnten.

Leiter der Forschungsstelle Glücksspiel an der Universität Hohenheim, Prof. Dr. Tilman Becker, klagt, dass derzeit sowohl Verbraucher als auch legale Anbieter nicht richtig durch gesetzliche Vorgaben geschützt sind.

Ein Blick in die Zukunft: ein neuer Glücksspielvertrag

Um endliche etwas mehr Klarheit in die verworrene Rechtslage des Online-Glücksspiels zu bringen, soll in Deutschland ab 2018 ein neuer Glücksspielvertrag in Kraft treten. Die Forschungsstelle Glücksspiel hat bereits einige Empfehlungen für die Überarbeitung des Rechts vorgestellt. So soll zum Beispiel eine Glücksspielkommission entwickelt werden, die länderübergreifend als Aufsichtsbehörde dient. Außerdem sollte der gleiche Jugend‐ und Spielerschutz gelten, wie es auch beim Lotto der Fall ist. Dazu gehören einstellbare Einsatz- und Verlustlimits, eine Pflicht zur Identitätsüberprüfung und eine Bereitstellung von Informationen zum Thema Spielsucht.

Von einer Vereinfachung und Liberalisierung des Glückspielrechts profitieren nicht nur die Staaten, sondern auch die Spieler. Durch einheitliche Gesetze wäre es möglich, die Kontrolle über den sehr lukrativen Markt zu behalten. Gleichzeitig würde sich auch die Sicherheit für die Spieler erhöhen, da es sowohl eine bessere rechtliche Absicherung gegen Betrug, sowie auch eine verbesserte technische Absicherung geben würde.

Eine Liberalisierung des Glücksspiels ist unbedingt notwendig, damit der Markt an Seriosität und Sicherheit gewinnen kann. (mz)