Schneelast auf Dächern – Was ist bei Glasbedachungen zu beachten?

Was gibt es Schöneres, als in der wohligen Wärme eines Wintergartens zu sitzen und die weiße Winterlandschaft zu genießen? Nichts? - Einverstanden. Doch um nicht plötzlich von dem unter der Schneelast splitterndem Glas überrascht zu werden, gibt es einiges zu beachten.

Damit ein Wintergarten auch im Winter sicher ist, kann nicht jede Art von Glas verwendet werden. Vor allem, wenn auch das Dach aus Glas besteht.

Glas gibt es schon lange, es entsteht, wenn Quarzsand bei großer Hitze geschmolzen wird. Allerdings kristallisiert Glas nicht, wenn es kalt wird – es ist und bleibt eine Flüssigkeit, jedoch eine erstarrte. Von den ersten Zufallsergebnissen beim Brennen von Töpferwaren bis zum modernen Glasdach war es ein weiter Weg.

Steinzeitmenschen nutzten bereits glasige Gesteine als Werkzeug zum Schneiden. Erstmals wurde Glas wohl vor 3.500 v. Ch. im Vorderen Orient genutzt – zumindest gibt es davon Funde. Später hinterließ der König Ashurbanipal von Assyrien ein Rezept auf einer Tontafelbibliothek um 650 vor Christus: „Nimm 60 Teile Sand, 180 Teile Asche aus Meerespflanzen, 5 Teile Kreide – und Du erhältst Glas.“ In moderner Sprache übersetzt: Sand, Kalk, Soda und Pottasche.

Im Prinzip ist das immer noch so

Prinzipiell sind die Zutaten gleich geblieben. Doch das wäre als Dach nicht stabil genug, für ein Glasdach benutzt man Verbundstoffe: Folien. So ein Glas heißt dann ganz unpoetisch beispielsweise VSG 88.2. Übersetzt bedeutet das: ein Verbundsicherheitsglas, bestehend aus zwei einzelnen Scheiben mit 8 mm Stärke, die mit einer doppelten Folie von 0,76 mm verbunden sind. Diese Scheibe wäre also rund 16 mm dick.

Für ein Glasdach werden normalerweise Glasstärken von 8, 12 und 16 mm verwendet, die Folien dazwischen verbinden die Scheiben und sind stets 0,38 mm (oder ein Vielfaches) dick. Der Vorteil ist, dass diese nicht splittern. Solches Glas wird auch in Autoscheiben verbaut.

Und die Schneelast? Ab 30 cm wird es kritisch?

Wer rein nach der Schneehöhe auf seinem Dach urteilt, kann schnell enttäuscht werden, denn Schnee ist nicht gleich Schnee. Selbst in Deutschland werden offiziell 17 verschiedene Schneearten unterschieden und dass die Inuit besonders viele Wörter für Schnee haben sollen, ist übrigens ein Irrtum.

Unterschieden wird Schnee zum einen nach Alter, Feuchtigkeitsgehalt und Dichte, aber auch nach Farbe. Interessant für die Berechnung der Schneelast, ist die Unterteilung nach Feuchtigkeitsgehalt und Dichte.

20 cm Pulverschnee wiegen selten mehr als 10 Kilogramm pro Quadratmeter. Doch 5 cm Nassschnee wiegen genauso viel, ebenso wie 2 cm Eis. Scheint im Winter die Sonne, schmilzt die oberste Schicht Schnee, das Wasser sickert in die darunterliegenden Schichten und friert wieder. Wenn dann am nächsten Tag neuer Schnee fällt, werden alle Spuren verwischt und die Schichtung von Eis und Schnee ist nicht mehr zu erkennen.

Wiederholt sich dieser Vorgang mehrmals, wird das Eis auf dem Dach immer dicker und gerade die unterschiedlichen Dichten der Schichten machen es sehr schwer, die tatsächliche Schneelast zu schätzen.

Das Gleiche passiert übrigens, wenn beispielsweise im Wintergarten geheizt wird und die Dachscheiben warm werden. Dann schmilzt der Schnee von unten nach oben und sobald es nachts wieder kälter wird, bildet sich eine Eisschicht, die von Tag zu Tag wächst.

Wann sollte aktiv das Dach beräumt werden?

Dafür gibt es keine Faustregel, denn jedes Dach ist für unterschiedliche Schneelasten ausgelegt. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz u. Katastrophenhilfe empfiehlt, die Dachkonstruktion im Winter genau zu beobachten. Egal ob Haus- oder Terrassendach – biegt sich die Unterkonstruktion oder werden Risse sichtbar, sollte umgehend gehandelt werden und professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.

Abgesehen davon kann ein Fachmann mithilfe einer Stichprobe, ähnlich eines Bohrkerns, die er vom Schnee auf dem Dach nimmt, die tatsächliche Schneelast errechnen und weitere Schritte vorschlagen. Das kann von „im Auge behalten“ oder „Schnee beräumen“ im Extremfall bis zur „Evakuierung“ reichen.

Wer in luftiger Höhe mit Kettensäge und Axt gegen Eiszapfen vorgeht oder sich auf einem, durch den Schnee bereits geschwächtem, Dach bewegt, sollte wissen, was er tut. Gerade bei Glasdächern ist dann zu beachten, dass der Einsatz von metallischen Werkzeugen die Scheiben weiter beschädigen kann und diese im schlimmsten Fall splittern – Dann ist es schlagartig aus mit dem gemütlichen Beisammensitzen im Wintergarten, während draußen das Schneetreiben herrscht.

Doch sollte es einmal zum Äußersten kommen und die Scheiben tatsächlich bersten, kommen die Eigenschaften des Sicherheitsglases zur Geltung. Wenn die Stärke der Scheiben ausreichend dimensioniert ist, bilden sich lediglich Risse, die Folie(n) im Inneren halten die Scheiben zusammen – und Sie könnten im Wintergarten immer noch im Warmen sitzen.

Die Empfehlung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz u. Katastrophenhilfe zu Schneelasten sehen Sie im Video:

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