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Seele und Körper Trauer kann lebensgefährliche Entzündungen auslösen

DAPD

30.06.2012

Der Einfluss von Trauer kann sich körperlich auswirken, in Form von Entzündungen und Herzinfarkt. Foto: Cigdem Büyüktokatli  / pixelio.de
Der Einfluss von Trauer kann sich körperlich auswirken, in Form von Entzündungen und Herzinfarkt.

Foto: Cigdem Büyüktokatli / Pixelio

Hannover – Trauer kann lebensbedrohliche Entzündungen bei Hinterbliebenen hervorrufen. Viele Witwen und Witwer bleiben davon verschont. Dies könnte mit einer schützenden Genmutation zusammenhängen, die ein Forscherteam um Christian Schultze-Florey, Student an der Medizinischen Hochschule Hannover, entdeckt hat. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Online-Ausgabe des Fachjournals "Brain, Behavior and Immunity" veröffentlicht.

Psychischer Stress, wie er zum Beispiel bei Reden vor großem Publikum auftreten kann, führt kurzzeitig zu erhöhten Markern im Blut. Sie zeigen Entzündungen im Körper an. Dauerhafter Stress führt häufig zur anhaltenden Häufung dieser Entzündungsmarker. Dies kann in der Folge zu Arteriosklerose, Herzinfarkt oder Schlaganfall führen. Die Forscher um Schultze-Florey haben diese Reaktion des Immunsystems auf Dauerstress nun erstmals auch bei Trauernden entdeckt.

Nach dem Tod des Partners erkranken Hinterbliebene häufig, manche sterben sogar wenig später. In der Medizin wird dies als "Widow Hood Effekt" bezeichnet. Das internationale Team aus Deutschland und den USA beobachtete und untersuchte 64 Menschen, die durchschnittlich 73 Jahre alt waren. 36 von ihnen hatten ihren Partner in den vergangenen beiden Jahren verloren. Bei ihnen konnte vermehrt IL-6 im Blut nachgewiesen werden – ein Stoff, der Entzündungen fördert. Bei genauerer Analyse fanden die Forscher jedoch bei der Hälfte der betroffenen Probanden eine offensichtlich schützende Variante des Gens. Die Trauernden ohne diesen vom Körper entwickelten Schutz zeigten deutlich erhöhte Entzündungswerte. Bei ihnen sieht Schultze-Florey großen Handlungsbedarf: "Insbesondere bei Trauernden mit einem Genotyp, der nicht vor den Folgen des Trauerstress auf das Immunsystem schützt, sollte das kardiovaskuläre Risiko regelmäßig kontrolliert werden." Er empfiehlt die Teilnahme an Selbsthilfegruppen zur Trauerverarbeitung oder die Betreuung durch Seelsorger, Psychologen oder Psychotherapeuten. (dapd)

 

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