Kultur – Traumpaar der Oper im Abendrot – Claudia Kemmer
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Traumpaar der Oper im Abendrot

Claudia Kemmer

30.04.2007

Die Sänger Anna Netrebko als Manon Lescaut und Rolando Villazon als Le Chevalier Des Grieux agieren während einer Probe zur Oper Manon in der Staatsoper in Berlin am Dienstag, 24. April 2007. Die Oper feiert am 29. April 2007 ihre Premiere. (AP Photo/ Jan Bauer)
Die Sänger Anna Netrebko als Manon Lescaut und Rolando Villazon als Le Chevalier Des Grieux agieren während einer Probe zur Oper Manon in der Staatsoper in Berlin am Dienstag, 24. April 2007. Die Oper feiert am 29. April 2007 ihre Premiere. (AP Photo/ Jan Bauer)

Berlin – Eine Prise Kitsch muss sein: Zu den Schlussklängen der OperManon“ trägt Rolando Villazón alias Chevalier Des Grieux seine tote Geliebte, verkörpert von Anna Netrebko, ins Abendrot. Für ihre schauspielerische und musikalische Leistung feierte das Premierenpublikum in der Berliner Staatsoper die beiden Weltstars am Sonntagabend 15 Minuten lang mit stehenden Ovationen und Bravo-Rufen. Mit ebenso viel Applaus bedacht wurde Dirigent Daniel Barenboim.

Erleichtert über die gelungene Aufführung lagen sich Villazón, Netrebko und Barenboim auf der Bühne in den Armen. Schon während der Aufführung spendierte das Publikum für besonders gelungene Passagen der russischen Sopranistin und des mexikanischen Tenors freigebig Beifall. Auch die Inszenierung fand Anklang. Die Oper von Jules Massenet nach einem Roman von Abbé Prevost, die 1884 in Paris uraufgeführt wurde, war von Regisseur Vincent Paterson in ein modebewusstes Paris der 50er Jahre verlegt und im Stil eines Hollywood-Films inszeniert worden. In der Casino-Szene tritt Netrebko alias Manon als Marilyn-Monroe-Verschnitt auf.

Immer wieder wird Netrebko in der Rolle der Manon Lescaut von Filmkameras umringt, um deutlich zu machen: Das ist mehr als die tragische Wirklichkeit, das ist der Stoff, aus dem die Träume sind. Untermalt wird die Inszenierung von eindrucksvoll üppigen Bühnenbildern, die Johannes Leiacker entworfen hat: Besonders bildstark gelang die Szene, in der der inzwischen zum Priester bekehrte Chevalier von seiner Manon bekniet wird, es noch einmal mit ihr zu versuchen. Die Kirche Saint-Sulpice wird nur durch einen Gitterkäfig und ein überdimensioniertes Madonnenbild versinnbildlicht.

Die Inszenierung von Paterson gab den beiden Opernstars die Möglichkeit, sowohl ihre sängerischen als auch schauspielerischen Qualitäten zu beweisen. Netrebko spielt in „Manon“ eine Kindfrau, die zunächst für das Kloster bestimmt ist, dann jedoch mit dem Chevalier durchbrennt. Doch ihr Hang zu Luxus und Vergnügen bringt sie dazu, ihren Liebhaber zu verlassen. Villazón als Chevalier treibt der Liebesschmerz unterdessen ins Priesterseminar von Saint-Sulpice. Als Manon wieder auftaucht und ihn um Verzeihung bittet, beginnen sie erneut ein Leben zu zweit. Beim Glücksspiel im Casino werden beide wegen Betrugs verhaftet – Des Grieux jedoch nur zum Schein. Beim Versuch, seine tödlich erkrankte Geliebte aus dem Gefängnis zu befreien, stirbt diese.

Regisseur Paterson für Filme und Videos bekannt

Villazón und Netrebko, beide 35 Jahre alt und temperamentvoll, gelten derzeit als das Traumpaar der Opern- und Klassikszene. Gemeinsam spielten sie bereits in Verdis „La Traviata“ bei den Salzburger Festspielen. Beide hätten, bescheinigt ihnen der „New Yorker“ das „gewisse Flair von Filmstars“. Auch in der Staatsoper Unter den Linden war der Glamourfaktor hoch. Das Spiel der beiden war nicht nur Ohren-, sondern auch Augenschmaus. Die Lust am Spiel gipfelt schon in der zweiten Szene in einer Kissenschlacht.

Paterson hatte zuvor bei Filmen, Videos und Werbespots Regie geführt und dabei mit Michael Jackson, Madonna oder Lars von Trier zusammengearbeitet. Die Inszenierung von „Manon“ habe er in erster Linie übernommen, weil er dabei mit seinen Freunden Netrebko und Villazón habe arbeiten können, sagt er. „Das sind zwei der interessantesten Sänger, mit denen ich in meinem gesamten Leben zusammenarbeitete.“

Netrebko hatte die Rolle der Manon bereits in Los Angeles und Wien gesungen. Die „Opéra Comique“ mit den momentan wohl gefragtesten Sängern der Opernwelt wird in Berlin insgesamt sieben Mal gespielt. Alle Vorstellungen sind bereits längst ausverkauft. Am 19. Mai soll die Oper live auf eine Großleinwand nach draußen übertragen werden.

http://www.staatsoper-berlin.de/ (AP)

 

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