Erneuerbare Energie – Tschechische Regierung setzt voll auf Atomenergie – von Karel Janicek
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Keine Bedenken Tschechische Regierung setzt voll auf Atomenergie

von Karel Janicek

09.10.2011

Dukovany/Tschechien – Kornfelder, Fahrradwege und ein Naturreservat umgeben die acht riesigen Kühltürme des tschechischen Atomkraftwerks Dukovany. Seit fast drei Jahrzehnten bestimmen die Betonkolosse das Landschaftsbild der Gegend nahe der Grenze zu Österreich, rund 120 Kilometer nördlich von Wien. Und nach dem Willen der tschechischen Regierung wird auch noch etliche Jahre lang Wasserdampf aus den Türmen aufsteigen.

Deutschland beschleunigte nach dem Unglück von Fukushima im Eilverfahren den Atomausstieg, auch die Schweiz entschied sich für den Verzicht auf die Atomstromproduktion und Österreich gab die Atomenergie bereits nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl 1986 auf. Die tschechische Regierung will dagegen neue Reaktoren bauen, was das Land zu einem der am stärksten vom Atomstrom abhängigen Länder Europas machen würde.

Überhaupt werden die deutschen Bedenken gegen Atomenergie im Osten Europas nicht so recht geteilt. In der Slowakei sind Atomreaktoren im Bau und auch Polen plant den Bau seines ersten Atomkraftwerks, das bis 2030 ans Netz gehen soll.

Zwei Atomkraftwerke produzieren ein Drittel des Stroms

Derzeit wird in Tschechien in sechs Atomreaktoren Strom erzeugt: in vier 440-Megawatt-Reaktoren in Dukovany und zwei 1.000-Megawatt-Reaktoren in Temelin, rund 60 Kilometer von der deutschen und 60 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Zusammen produzieren sie ein Drittel des tschechischen Stroms. "Wir erwägen, die Produktion elektrischen Stroms aus Atomkraftwerken bis 2050 von über 30 auf rund 60 Prozent zu steigern", sagte der stellvertretende Wirtschafts- und Handelsminister Tomas Huner der Nachrichtenagentur AP. "Wir haben Uran abgebaut und es gibt keine Zweifel daran, dass Atomenergie für uns auf lange Sicht unersetzbar ist."

Atomkonzerne aus den USA, Japan, Frankreich und Russland buhlen bereits um die Aufträge für den Bau zweier weiterer Reaktoren in Temelin. Mitte des kommenden Jahrzehnts sollen sie ans Netz gehen. Dabei verlangen österreichische Umweltschützer schon lange die Abschaltung der zwei bereits existierenden Reaktoren aus Sicherheitsgründen. Doch die tschechischen Behörden bestehen darauf, dass beide Kraftwerke sicher seien. Sie würden den europäischen Stresstest ohne Probleme bestehen, hieß es.

Während in Deutschland Reaktoren, die 30 Jahre lang in Betrieb waren, abgeschaltet wurden, bereitete man sich in dem ein Jahr vor dem Tschernobylunfall in Betrieb genommenen Kraftwerk Dukovany auf eine längere Betriebszeit vor. Im vergangenen Jahr wurde das Kraftwerk für rund eine Milliarde Euro modernisiert. Man bereite die Unterlagen vor, um eine Verlängerung der Betriebsgenehmigung um zehn Jahre zu beantragen, sagte Kraftwerkssprecher Petr Spilka.

In Dukovany solle mindestens ein neuer 550-Megawatt-Reaktor entstehen und Standorte für weitere Kraftwerke seien bereits ausgemacht, sagte Huner. So solle im Nordosten des Landes bis 2060 ein neues 2.000-Megawatt-Kraftwerk entstehen.

Kritik an Plänen vor allem aus dem Ausland

Im Gegensatz zu Deutschland oder Österreich unterstützt die Bevölkerung in Tschechien allerdings den Atomkurs ihrer Regierung im Wesentlichen. Doch Umweltschützer nennen die Pläne der Regierung bizarr. Dadurch würde ihrer Ansicht nach ein nicht vorhersagbarer Energiesektor entstehen. "So eine starke Abhängigkeit von einer Energiequelle könnte problematisch sein", sagte Martin Sedlak, Energieexperte der Freunde der Erde der Tschechischen Republik. "Die Investitionen in die Atomenergie sind ökonomisch zu anspruchsvoll und nicht vorhersehbar."

Unterstützung erhalten sie aus Österreich. Außenminister Michael Spindelegger hat versichert, alle legalen und politischen Mittel einzusetzen, um die Tschechen zu stoppen. Nach Fukushima halte sein Land den tschechischen Plan für falsch, erklärte Umweltminister Nikolaus Berlakovich. Österreich sei an gutnachbarschaftlichen Beziehungen zur Tschechischen Republik interessiert, aber im Interesse der Sicherheit der Österreicher würden alle politischen und rechtlichen Schritte in Betracht gezogen.

Allerdings bleiben die Tschechen unbeirrt. "Unserer Ansicht nach hat das, was in Fukushima passiert ist, die Argumente für die Atomenergie in keiner Weise infrage gestellt", verkündete der tschechische Staatspräsident Vaclav Klaus vergangenen Monat vor den UN. "Die Argumente sind stark, ökonomisch sinnvoll und überzeugend. Atomenergie ist heutzutage eine sichere, zulässige und in einigen Ländern unersetzliche Energiequelle."

 

(dapd)

 

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