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Kulturelle Anpassung Türkischer Minister ruft Landsleute zu besserer Bildung und Gesetzestreue auf

Doris Berve-Schucht

12.10.2010

Berlin – Mit einem Appell für bessere Bildung und kulturelle Anpassung hat sich der türkische Europaminister Egemen Bagis in die seit Wochen in Deutschland geführte Integrationsdebatte eingeschaltet: An seine hier lebenden Landsleute und Deutsche mit türkischen Wurzeln richtete er am Dienstag in der Online-Ausgabe der "Bild"-Zeitung die Aufforderung: "Lernt Deutsch! Passt euch den Sitten und Gebräuchen eures Gastlandes an! Schickt eure Kinder auf die besten Schulen, damit sie eine Zukunft haben! Und achtet die Gesetze!" Das Auswärtige Amt lobte die "wahrhaft europäische Einstellung" des Ministers.

Die Türken im Ausland müssten weder ihre Identität noch ihre Kultur aufgeben, sondern sich als Botschafter der Türkei verstehen, forderte Bagis. "Nur so könnt ihr Brücken bauen für eine bessere Freundschaft und Partnerschaft zwischen unseren Ländern."

Bagis setzt damit neue Akzente und geht nach Ansicht von Beobachtern damit weiter als Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Dieser hat in den vergangenen Jahren zwar auch wiederholt für Integration und ein friedliches Zusammenleben geworben. Mit seiner umstrittenen Abgrenzung zur Assimilation von Türken in Deutschand, also einer weitgehenden Anpassung an die deutsche Sprache und Gebräuche, hat Erdogan aber auch gleich die Grenzen des Heimischwerdens aufgezeigt.

Bagis deutete an, dass eine bessere Bildung und Integration der Migranten in Deutschland auch helfen kann, Vorurteile und Vorverurteilungen abzubauen. "Denn wenn 'Ali' oder 'Achmed' Schlimmes tun, werden die Menschen nicht nach Namen suchen. Sie werden sagen: ‚Der Türke war’s!" schrieb der Minister. Die türkische Regierung stehe deshalb voll und ganz hinter der Idee der Integration, so wie "wir für die Integration der Türkei in die EU sind".

Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Werner Hoyer (FDP), sagte, eine funktionierende, lebendige Gesellschaft setze voraus, dass sich jeder an die vorhandenen Rahmenbedingungen anpasse, natürlich unter Wahrung seiner kulturellen Identität. "Ich freue mich sehr, dass wir gemeinsam für dieses Ziel arbeiten – in der Türkei wie auch in Deutschland."

Erdogan warnte mehrfach vor Assimilation

Für Aufregung sorgte Erdogan vor allem mit seiner in türkischer Sprache gehaltenen Rede in Köln vor Tausenden Landsleuten im Februar 2008. Damals warb er auch für verstärkte Integrationsbemühungen und das Erlernen der deutschen Sprache. Mit seiner Warnung, Assimilation sei "ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit" löste er aber eine Welle der Kritik aus. Leicht variiert wiederholte er diese Äußerung am vergangenen Wochenende nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin.

Im Frühjahr dieses Jahres veröffentlichte Erdogan in der "Zeit" ein Plädoyer für türkische Gymnasium in Deutschland nach dem Beispiel deutscher Oberschulen in seiner Heimat. Er begründete seinen Vorstoß mit den anhaltenden Sprachproblemen vieler der drei Millionen Türken in Deutschland. Seine Kritiker wiesen den Vorstoß als wenig hilfreich für die Integration zurück und verwiesen zudem darauf, dass es bereits türkische Privatschulen gebe. In Städten mit großen türkischen Gemeinden wie etwa Berlin gibt es außerdem staatliche Schulen mit deutsch-türkischem Unterricht.

Bei Merkel war Erdogans Vorstoß zunächst auf Ablehnung gestoßen. "Grundsätzlich sollten türkischstämmige Kinder und Jugendliche bei uns in die deutsche Schulen gehen", sagte sie am 26. März in einem Zeitungsinterview. Drei Tage später, zu Besuch in Ankara, zeigte die Bundeskanzlerin sich dann offen für den Vorstoß ihres Gastgebers: Wenn Deutschland Auslandsschulen habe, könne natürlich auch die Türkei Schulen in Deutschland haben. Dies dürfe nur nicht als Ausrede für die türkische Bevölkerung in Deutschland dienen, die deutsche Sprache nicht zu lernen, mahnte sie. (dapd)

 

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