Köln/Frankfurt – Der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu hat sich für einen Boykott der Olympischen Spiele in Peking ausgesprochen, falls China in Fragen der Menschenrechte und des Tibet-Konflikts „unnachgiebig bleibt“. Er äußerte sich im ARD-Magazin „Monitor“, wie der WDR vor der Ausstrahlung am Donnerstag mitteilte.
„Wir in Südafrika sind das Beispiel, wie wirksam so ein Sportboykott sein kann“, sagte Tutu, der als Erzbischof gegen die Apartheid in Südafrika gekämpft hatte. „Dass wir keine Apartheid mehr in Südafrika haben, hat auch damit zu tun, dass sich die Welt einst mit uns zusammenschloss und die damalige südafrikanische Regierung ächtete.“
Der Präsident des Europäischen Parlaments, Hans-Gert Pöttering, appellierte in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Freitagausgabe) an das Internationale Olympische Komitee, sich erkennbar für die Verwirklichung der Menschenrechte in China einzusetzen. Er kritisierte die Verurteilung des 34-jährigen chinesischen Menschenrechtlers Hu Jia, der am Donnerstag zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt wurde. Dies sei eine „absolute Provokation“. Er sei „in höchstem Maße bestürzt“, dass Peking die Olympischen Spiele nicht zum Anlass nehme für eine Öffnung in der Menschenrechtsfrage, sagte der CDU-Politiker. Das Europäische Parlament habe bereits im Januar gegen die Verhaftung des Bürgerrechtlers protestiert.
Der Präsident des Europaparlaments sieht sich in seiner Haltung bestärkt, der Olympia-Eröffnungsfeier demonstrativ fernzubleiben. Es sei „alarmierend“, dass die chinesische Führung trotz gegenteiliger Zusagen das Land weiter in die Repression führe.
Das deutsche Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) Walther Tröger droht Sportlern mit Ausschluss von den Wettkämpfen, falls sie in Peking offen gegen die chinesische Politik protestieren. „Wer in gekennzeichneten Bereichen gegen das Verbot unzulässiger Werbung oder Propaganda verstößt, kann unverzüglich und nach Prüfung des Einzelfalls ausgeschlossen werden“, sagte Tröger der „Frankfurter Neuen Presse“ (Freitagausgabe). (AP)