Aktuelle Nachrichten – Europa
01.02.2009
Davos/Zürich – Die UBS wird die Löhne so stark senken wie keine andere Bank auf der Welt. Mit dieser Aussage reagierte Präsident Peter Kurer auf die seit Tagen anhaltende Kritik an den Bonuszahlungen der staatlich gestützten Grossbank. Kaum erfüllt wird aber die Forderung von Bundesrätin Leuthard, vor dem 10. Februar Transparenz zu schaffen.
„Als Verwaltungsratspräsident kann ich den Leuten hier, den Politikern versprechen, dass wir weltweit in der gesamten Industrie die aggressivste Reduktion im Salärbereich sehen werden und durchsetzen werden“, sagte Kurer am Samstag in einem Interview des Schweizer Fernsehens am Rande des Davoser Weltwirtschaftsforums. Die UBS werde die gesamte Lohnsumme um einen Betrag reduzieren, der „Milliarden höher“ sei als jene sechs Milliarden Franken, mit denen der Bund die UBS unterstützt hat. 2007 hatte der gesamte Personalaufwand noch 24,8 Milliarden Franken betragen.
Kurer plädierte dafür, dass sich die Diskussion auf den Umfang der Reduktion der Löhne konzentrieren sollte und nicht auf den Betrag, der noch verleibe. Der UBS-Präsident unterstrich zugleich die Bedeutung von variablen Lohnbestandteilen. Das Blödeste, was passieren könnte, wäre, wenn man die variablen Lohnbestandteile total verteufeln würde, sagte er. Denn in diesem Fall würden die fixen Löhne steigen, und bei der nächsten Krise könnten die Lohnkosten nicht mehr so stark gesenkt werden.
Zum Betrag und zur Verteilung der variablen Lohnzahlungen, die laut früheren Aussagen der UBS gegenüber 2007 um mehr als 80 Prozent sinken werden und damit noch knapp zwei Milliarden Franken betragen dürften, wollte sich Kurer nach wie vor nicht äussern. Die internen Entscheidungsprozesse seien noch nicht abgeschlossen und vor Bekanntgabe des Resultats seien auch börsenrechtliche Vorschriften zu beachten. Es sei niemandem gedient, wenn die Sache überstürzt laufe und nachher wieder korrigiert werden müsse. Man habe die Position von Wirtschaftsministerin Doris Leuthard aber zur Kenntnis genommen und werde nochmals diskutieren, sagte Kurer.
Leuthard hatte rasche Transparenz über die Bonuszahlungen gefordert. Die Leute auf der Strasse müssten wissen, wie viel die UBS-Banker an Fixlöhnen und an variablen Entlöhnungen bezogen hätten, und zwar schnell, sagte sie in einem Interview der „Berner Zeitung“ und des „Tages-Anzeigers“. Bis zur Bilanzpressekonferenz der UBS am 10. Februar könne man kaum warten.
Bundespräsident Hans-Rudolf Merz und Nationalbankpräsident Jean-Pierre Roth stellten sich erneut hinter die Bank und die Finanzmarktaufsicht FINMA, die das variable Salärpaket genehmigen musste. „Wir müssen aufpassen, dass die Boni-Debatte nicht zur Hatz auf die UBS wird, die sie und damit die Volkswirtschaft unnötig schwächt“, sagte Merz in einem Interview der „SonntagsZeitung“. Er gab sich zugleich zuversichtlich, dass die UBS keine weitere Staatshilfe benötige und die Credit Suisse vom Staat auch in Zukunft gar nicht unterstützt werden müsse. Der Finanzminister verwies auf die Kernkapitalquoten der beiden Grossbanken. Sie lägen zurzeit bei der UBS über elf und bei der CS bei 13 Prozent. Roth sagte in einem „SonntagsBlick“-Interview, der Entscheid der FINMA über die Bonuszahlungen sei ausgewogen. Präsident Eugen Haltiner habe mit der UBS sehr hart verhandelt und das Minimum durchgesetzt. (AP)
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