Aktuelle Nachrichten – Gesundheit
07.06.2012
Foto: Stefan Simonsen/dapd
Berlin – Um fast 1.400 Prozent hat die Zahl der Fehltage nach einer Burnout-Diagnose einer Studie zufolge seit dem Jahr 2004 zugenommen. Symptome wie Antriebsschwäche, gedrückte Stimmung, Reizbarkeit, Erschöpfung seien durchaus ernst zu nehmen, sagte der Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), Rainer Richter, bei der Vorstellung der Untersuchung "Arbeitsunfähigkeit und psychische Erkrankungen 2012". 2004 fehlten demnach 100 Versicherte 0,6 Tage aufgrund von Burnout, 2011 waren es neun Tage.
Der drastische Anstieg der Burnout-Fälle spiegelt laut Richter jedoch nur einen geringen Teil des seelischen Leidens der Deutschen wider. "Aufgrund psychischer Erkrankungen fehlten 2011 100 Versicherte rund 200 Tage. Im Vergleich zu psychischen Erkrankungen machen die Ausfälle aufgrund von Burnout also nur 4,5 Prozent der Arbeitsunfähigkeitstage aus", erläuterte der BPtK-Präsident. Zum Vergleich: Allein wegen Depressionen hätten 100 Versicherte 2011 insgesamt 73 Tage bei der Arbeit gefehlt, also 800 Prozent mehr als bei Burnout.
In 85 Prozent der Fälle werden Richter zufolge neben Burnout auch eine psychische oder körperliche Erkrankung wie etwa Depressionen, Angststörungen oder Rückenschmerzen diagnostiziert. Die Diagnose Burnout an sich sei keine Krankheit. "Bei der weit überwiegenden Mehrzahl der Burnout-Krankschreibungen liegt gleichzeitig eine Krankheit vor, bei der auch festgehalten wird, dass sie nach dem Erleben des Patienten mit beruflicher Überforderung zu tun hat", fügte Richter hinzu.
Die Gründe für die Diagnose Burnout sind vielfältig. Der Mensch des 21. Jahrhunderts sei im beruflichen wie im privaten Leben erschöpft vom unaufhörlichen Druck, sich als Individuum in der Gesellschaft zu definieren, zu präsentieren und zu bewahren, sagte Richter. Auch die Tatsache, dass die Mehrheit der Arbeitnehmer sich heutzutage weniger körperlichen als emotionalen und kommunikativen Anforderungen stellen müssten, erhöhe den Arbeitsdruck zunehmend.
Psychische Erkrankungen hätten ihre Ursachen aber nicht nur in der Arbeitswelt. "Arbeit kann sogar ein wichtiger Faktor für psychische Gesundheit sein. Berufstätige Frauen etwa erkranken deutlich seltener an einer Depression", sagte Richter weiter. Arbeitslose Menschen litten bei Weitem häufiger an psychischen Erkrankungen als Erwerbstätige.
In deutschen Unternehmen entstehen laut BPtK durch psychische Krankheiten Produktionsausfälle von rund 26 Milliarden Euro pro Jahr. (dapd)
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