Menschen & Meinungen – Überleben in einer Welt ohne Erdöl – Samantha Gross
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Peak-Oil-Theorie Überleben in einer Welt ohne Erdöl

Samantha Gross

26.05.2008

Peter Laskowski züchtet sein eigenes Gemüse. (AP Photo/Toby Talbot)
Peter Laskowski züchtet sein eigenes Gemüse. (AP Photo/Toby Talbot)

Buskirk/USA – Vor ein paar Jahren lebte Kathleen Breault noch wie viele Amerikanerinnen mittleren Alters. Ziemlich übergewichtig, liebte sie es, in Fast-Food-Restaurants zu essen, und schon für die kleinste Entfernung benutzte sie ihr Auto. Doch dann hörte sie einen Vortrag darüber, wie die Welt nach dem Versiegen der Erdölquellen aussehen würde, und war zutiefst schockiert. Daraufhin änderte sie ihren Lebensstil drastisch.

Die inzwischen 50-Jährige wohnt heute auf einem kleinen Stück Land am Rande von New York. Sie isst fast nur noch Gemüse aus dem eigenen Garten oder aus landwirtschaftlichem Anbau in der Nachbarschaft und hat etwa 30 Kilogramm abgenommen. Zum Kochen wird in einem Spezialofen nur noch Holz verbrannt. Sie fährt auch nicht mehr Auto und hat geschworen, nie mehr ein Flugzeug zu benutzen. Ihren Fernseher hat sie ebenfalls abgeschafft.

Breault ist nicht die einzige Person in Amerika, die sich auf ein asketisches Leben auf einer kleinen Scholle eingestellt hat – in der tiefen Überzeugung, dass man nur so die Katastrophe überleben kann, der die Welt angesichts versiegender Energieressourcen nicht mehr entgehen kann. Diese Menschen gehören nicht zur Bewegung der Grünen, weil der Planet ihrer Meinung nach ohnehin nicht mehr zu retten ist. Also konzentrieren sie sich ganz auf sich selbst und ihre Familien. Und um sich einst gegen die hungrigen Massen schützen zu können, die auf die Katastrophe nicht vorbereitet waren, haben sie sich mit Waffen eingedeckt.

Drastischer Rückgang des Erdöls erwartet

Lynn-Marie gehört zu diesen Zukunftspessimisten, die sich selbst angesichts ihrer gezielten Vorkehrungen als Überlebenskünstler betrachten. Die Frau aus dem Staat Idaho will weder ihren Nachnamen noch die genaue Lage ihrer Scholle verraten – aus Angst vor marodierenden Banden, die ihr schon bald ins Haus stehen könnten. Sie befürchtet, dass bereits im Jahr 2012 die Versorgungslage in den Städten so kritisch werden könnte, dass blanke Gewalt kaum noch zu verhindern sei.

Überzeugt sind diese aufs Überleben Fixierten von der sogenannten Peak-Oil-Theorie, die von einer Reihe Wissenschaftler vertreten wird. Demnach wird die globale Erdölproduktion in Kürze den Zenit überschreiten und dann deutlich zurückgehen. Angesichts des enorm gestiegenen Ölpreises wäre dies in der Tat ein Horrorszenario. Doch andere Wissenschaftler meinen, dass sich die Menschheit rechtzeitig alternative Energiequellen erschließen wird. Die Gefahr hoher Kosten wird allerdings von niemandem bestritten.

Lynn-Marie und ihr Mann haben auf ihrem drei Hektar großen Landsitz schon 40 Obstbäume angepflanzt und ein Treibhaus gebaut. Jetzt wollen sie Sonnenkollektoren aufstellen, um ihr Wohnhaus künftig mit eigenem Solarstrom zu versorgen. Ferner haben sie sich Hühner und Schweine als Schlachttiere zugelegt. Sie sind sicher, dass ihre Kinder und Enkelkinder eines Tages dankbar auf die elterliche Scholle zurückkehren werden – wenn anderswo das Chaos ausgebrochen ist.

Fahrrad wappnet gegen Benzinverknappung

Peter Laskowski frönt am Stadtrand von Montpelier im Staat Vermont einem ähnlichen Lebenswandel. Der 57-Jährige hat sich auch darauf eingestellt, künftig die medizinische Versorgung seiner Familie selbst in die Hand nehmen zu müssen. Er kann sich noch gut an die Ölkrise von 1973 erinnern: „Damals gab es lange Schlangen vor den Tankstellen, weil das Benzin knapp war. Heute würde sich so ein Zustand ganz schnell zur Katastrophe entwickeln.“

Für Laskowski ist das kein Problem mehr, weil er nur noch mit dem Fahrrad fährt. Er spart Energie, wo er kann, und ist ebenfalls Selbstversorger, was seine Lebensmittel betrifft. Die selbst ernannten Überlebenskünstler teilen bei all ihren düsteren Zukunftsvisionen zumindest eine Hoffnung: Dass es ihnen künftig besser gehen wird als dem Rest der Menschheit, weil sie sich gut vorbereitet haben. (AP)

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