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Überzeugen mit leisen Tönen

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11.10.2012

ProSieben und Sat.1 zeigen zweite Staffel von "The Voice of Germany" Foto: ddp images / dapd/dapd
ProSieben und Sat.1 zeigen zweite Staffel von "The Voice of Germany"

Foto: ddp images / dapd/dapd

Berlin – Julie Rumpf steht auf der Bühne des Fernsehstudios in Berlin und stimmt die ersten Takte ihres Songs an. Es dauert nur Sekunden, bis sich alle fünf Juroren, die zunächst mit dem Rücken zu ihr saßen, zu der 28-Jährigen umdrehen. "Du hast mich mit den ersten drei Zeilen erwischt", sagt Jury-Mitglied Rea Garvey zu der völlig perplexen jungen Frau. Damit steht fest: Julie kommt weiter und hat die Chance, "Voice of Germany" zu werden. Und sie hat die Wahl, von wem sie sich professionell auf die weiteren Runden der Show vorbereiten lassen möchte. Sie entscheidet sich für das Team von Jurorin Nena.

Rumpf ist eine von rund 150 Kandidaten, die sich bei der Aufzeichnung zur zweiten Staffel der Castingshow "The Voice of Germany" der Jury in den sogenannten Blind Auditions stellen. Zu sehen ist der Gesangwettbewerb ab 18. Oktober jeweils donnerstags und freitags um 20.15 Uhr abwechselnd auf ProSieben und Sat.1.

Der Begriff Blind Auditions bedeutet, dass die Jury mit dem Rücken zur Bühne sitzt und die Kandidaten zunächst nur hört. Äußerlichkeiten sollen Juroren, anders als es sonst bei Shows dieses Genres üblich ist, nicht beeinflussen. Es ist dieses Konzept, welches das hohe gesangliche Niveau und den Erfolg der ersten Staffel ausmachte.

Hochgelobte Castigshow

Gelten Castingshows wie "Deutschland sucht den Superstar" oder "Das Supertalent" unter Kritikern als Trash-TV, in dem es hauptsächlich auf peinliche Auftritte und die maximale Demütigung der Kandidaten ankomme, bekam die von dem niederländischen Fernsehproduzenten John de Mol entwickelte Sendung viel Lob. Im Februar wurde die Show mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet, Anfang Oktober folgte der Deutsche Fernsehpreis. Auch in der Publikumsgunst punktete "The Voice of Germany" und erreichte im Schnitt rund vier Millionen Zuschauer, während andere Formate inzwischen sinkende Quoten verzeichnen.

Was das Publikum diesmal zu sehen und vor allem zu hören bekommt, verspricht, an den Erfolg der ersten Staffel anzuknüpfen. Das liegt nicht nur an den Kandidaten, die allesamt singen können und vielfach bereits Bühnenerfahrung haben, sondern vor allem an der Jury. Die besteht wie in der ersten Staffel aus Rea Garvey, Nena, Xavier Naidoo sowie Alec Völkel und Sascha Vollmer von The BossHoss und damit ausschließlich aus Musikern, sprich: aus Profis.

Und die stellen durchaus Ansprüche. Für das Publikum, das leichter zu beeindrucken ist, sind die Entscheidungen nicht immer nachvollziehbar. Oftmals warten die Zuschauer vergeblich darauf, dass sich wenigstens ein Jury-Mitglied während eines Auftritts zur Bühne umdreht und damit dem Kandidaten das Signal gibt, ihn in seinem Team haben und während der gesamten Zeit der Show coachen und fördern zu wollen.

Respektvoller Umgang mit den Kandidaten

So sagt beispielsweise Xavier Naidoo zu einer Sängerin, die sich kurz zuvor mit einem rockigen Song verausgabt hat: "Du setzt zu stark auf den Effekt. Es ist einfach, mit dem lauten Refrain Eindruck zu machen, du musst aber vor allem mit den leisen Tönen überzeugen." In leichten Abwandlungen ist dieser Satz häufiger zu hören und vermittelt einen Eindruck von der Messlatte, die die Jury anlegt. Deutlich wird aber auch der respektvolle Umgang mit den Kandidaten. Die Kritik ist immer fair und konstruktiv, und auch für abgelehnte Kandidaten gibt es häufig noch ein Lob.

Für Julie Rumpf und die Anderen, die es über die erste Runde geschafft haben, geht es nach den Blind Auditions in die Battle-Shows. Dabei treten immer zwei Talente aus einem Team gegeneinander an. Vorbereitet werden sie von ihrem Coach und einem professionellen Coachingpartner mit intensiven Gesangsstunden. Nach dem Auftritt entscheidet der eigene Coach, wer weiter kommt. Erst später in den Live-Shows können sich die Zuschauer per Televoting beteiligen und für ihren Favoriten stimmen.

Das Finale der ersten Staffel gewann im Februar die 19-jährige Ivy Quainoo aus dem Team von The BossHoss. Für sie sei die Teilnahme an "The Voice of Germany" eine schöne Erfahrung gewesen, berichtet sie im dapd-Gespräch am Rande der Blind Auditions, die sie diesmal als Zuschauerin beobachtet. "Es ist natürlich auch schön, wenn man einfach nur zugucken darf und nicht mehr selbst da durch muss", sagt sie. Sie werde sich auf jeden Fall alle Shows der neuen Staffel ansehen.

dapd

 

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