Aktuelle Nachrichten – Kultur
16.10.2009
Es ist eine dramatische Verstrickung, in der Fulvia (Julia Kamenik) das „Blut gefriert". Durch politische Intrige und menschliche Boshaftigkeit fühlt sie sich schuldlos hineingestoßen in eine bedrückende Ausweglosigkeit und sieht sich zugleich konfrontiert mit der Qual der Wahl, durch Reden zur Vatermörderin zu werden oder durch Schweigen ihren Geliebten dem sicheren Tod auszuliefern. Eine tragische Entscheidungssituation irgendwo zwischen Skylla und Charybdis.
In deutlichen Worten und für seine Zeit bemerkenswert kühn benennt Händels Librettist, Pietro Metastasio, die verqueren Zustände am Hof des absolutistisch herrschenden römischen Kaisers Valentinian. Nicht unproblematisch auch für Händel selbst im politisch-gesellschaftlichen Umfeld des englischen Hofes. Denn bereits nach den ersten fünf Aufführungen wird sein „Ezio" im Jahr 1732 aus dem Spielplan gestrichen. Erwies sich das Werk in einer Zeit vor Mozarts „Figaro" denn doch als politisch zu aufmüpfig?
Fulvia in ihrer inneren Zerrissenheit ist einerseits die Geliebte des Titelhelden Ezio (Yosemeh Adjei), identisch mit dem legendären römischen Feldherrn Aetius. Blutverschmiert kehrt dieser nach seinem Sieg über den Hunnenkönig Attila zurück nach Rom, wo er vergeblich auf Anerkennung und Dankbarkeit hofft. Stattdessen muss er erleben, wie der Kaiser höchstpersönlich (Mariselle Martinez) Anspruch erhebt auf Fulvia, seine Geliebte.
Diese ist andererseits die Tochter der machthungrigen grauen Eminenz Massimo (Giorgos Kanaris), der den Mord am Kaiser in sein machtpolitisches Kalkül einbezieht und bei seinen finsteren Machenschaften die absolute Ergebenheit seiner Tochter einfordert. Durchgehend ein rücksichtsloses Jeder gegen Jeden, bei dem Fulvia und Ezio immer stärker in das zerstörerische Räderwerk der Intrige hineingeraten. Doch beide zeigen Rückgrat und nehmen selbstbewusst - allen Demütigungen und Risiken zum Trotz - die ihnen zustehenden Menschenrechte für sich in Anspruch.
Großartig dabei Julia Kamenik als Fulvia, die zwischen Zagen und Standhaftigkeit ihrer enormen stimmlichen Variationsbreite glaubhaft Ausdruck verleiht. Ebenso Yosemeh Adjei, der als Countertenor in der Rolle des Titelhelden stimmlich geradezu über sich hinauswächst bei seinem Einfordern höherer Gerechtigkeit.
Doch auch die „Bösewichte" der Handlung machen eine gute Figur. Allen voran Marielle Martinez als Kaiser Valentinian, der - entsprechend dem Countertenor Ezios - mit seiner Frauenstimme aus dem üblichen Rahmen fällt. Hervorragend auch Giorgos Kanaris als Massimo, dessen sich finster gebärdende Stimme die Abgründe von Boshaftigkeit und Verschlagenheit überzeugend zum Ausdruck bringt. Eine durchgehend beeindruckende sängerische Gesamtleistung, an der auch Susanne Blattert als Onoria und Martin Tzonev als Varo teilhaben.
Dabei werden die Sänger unterstützt und angefeuert von dem zupackend aufspielenden Beethoven Orchester Bonn unter der Leitung von Andrea Marchiol, dem es durchgehend gelingt, die menschlichen Ungeheuerlichkeiten im Handlungsverlauf musikalisch auszuloten. Insgesamt eine bemerkenswerte Aufführung, die vom Publikum mit enthusiastischem Beifall honoriert wird. Der Applaus gilt zugleich der gelungenen Kooperation der Oper Bonn mit den Schwetzinger Festspielen, in deren Rahmen sich die Bonner Inszenierung (Aldona Farrugia nach Günter Krämer) bereits bewährt hat.
Weitere Aufführungen: 18. Oktober, 7.,12.,18. November, 4.,11.,19. Dezember 2009
Telefonische Bestellung: 0228-778008 und 778022, Mo-Fr 10-15.30. Sa 9.30-12 Uhr
Shen Yun Performing Arts zum ersten Mal in Hongkong
(05.10.2009)
Die Stimme Lateinamerikas ist tot
(04.10.2009)
(18.09.2009)