Die Schreiadler-Küken sind geschlüpft & Bildergalerie

  Das erste der beiden Schreiadler-Küken vor der Kamera ist am 11. Juni geschlüpft. Wie ein weißer Flauschball mit großen Augen und Schnabel sieht es aus. Meist legt sich die …

 

Das erste der beiden Schreiadler-Küken vor der Kamera ist am 11. Juni geschlüpft. Wie ein weißer Flauschball mit großen Augen und Schnabel sieht es aus. Meist legt sich die Schreiadler-Mutter schützend mit ihrer Brust auf das Junge und auf das Geschwister-Ei. Doch immer wieder regt sich das Küken, lugt frech mit seinem Köpfchen hervor, sieht sich um und schaut seine Mutter hungrig an. Gestern Mittag gab es noch Mausgulasch satt, am Abend waren nur ein paar kleine Bissen da. Hat Papa-Schreiadler heute schon Frühstück gebracht – einen Frosch, eine Maus, einen Maulwurf? – Jetzt ist er da und bringt eine Maus mit. Die Schreiadler-Mutter begrüßt ihn laut, nimmt ihm schnell die Beute ab. Papa Schreiadler fliegt schon wieder weg. Die Eltern rufen sich noch gegenseitig etwas zu. Dann reißt Schreiadler-Mama dem Schreiadler-Küken ein paar Stückenchen Maus ab. Vor dem Küken liegt das Geschwister-Ei. Wann wohl das zweite Küken schlüpft? Um 14 Uhr sieht man bereits zwei flauschige Bällchen im Horst: das zweite Schreiadler-Küken ist da, geschlüpft am 13. Juni, irgendwann mittags.

Live dabei im Schreiadler-Kinderzimmer
Unter www. DeutscheWildtierStiftung.de kann jeder der Schreiadler-Familie in ihrem Horst zusehen. Eine fest installierte Kamera filmt den Schreiadler-Horst. Installiert hat sie Dr. Bergmanis mit finanzieller Unterstützung durch die Deutsche Wildtierstiftung. „Durch die Schreiadler-Kamera gewinnen wir neue, wichtige Erkenntnisse über das Fütterungsverhalten der stark gefährdeten Adler-Art“, sagt Dr. Andreas Kinser von der Deutschen Wildtierstiftung. „Diese Informationen helfen uns, geeignete Schutzmaßnahmen zu entwickeln.“
Schutzmaßnahmen für den kleinsten der heimischen Adler
Der Schreiadler ist der kleinste der heimischen Adler (61 bis 66 Zentimeter mit einer Flügelspannweite von 146 bis 168 Zentimetern) und klein ist auch sein Bestand: rund hundert Schreiadler-Paare leben in Deutschland. In den 1990er-Jahren waren es noch 130 Schreiadler-Paare. Der kleine, vom Aussterben bedrohte Adler hat große Ansprüche an seinen Lebensraum: Ausgedehnte Laub- und Mischwälder, angrenzend ein Stück bewirtschaftetes Feuchtgrünland und einen hohen Grundwasserspiegel. Durch die intensive Bewirtschaftung von Land und Wäldern ist das in Deutschland nicht mehr leicht zu finden. Darüber sind sich verschiedene Umweltverbände einig.
Die Deutsche Wildtier Stiftung erprobt derzeit in einem Modellprojekt, wie man den Schreiadlern in ihren Lebensräumen ein besseres Beutetier-Angebot bescheren kann. Wie das gehen könnte, erzählt Andreas Kinser der Epoch Times: „Indem man aus Ackerland wieder Gründland macht und dieses nicht intensiv sonder extensiv bewirtschaftet. Das erhöht die Anzahl der Mäuse.“ Außerdem seien in den Feuchtlebensräumen die Amphibien und Reptilien für den Schreiadler nicht erreichbar, weil das Ackerland bis ans Wasser geht. „Der Schreiadler jagt ja zu Fuß, da darf die Vegetation nicht zu hoch zu sein“, erklärt Kinser weiter. Eine Vernetzung der Grünflächen bis zum Wasser soll dem Schreiadler die Möglichkeit geben, den Speiseplan um ein paar Amphibien zu erweitern. Das Projekt für den Schreiadler wird vom Bundesamt für Naturschutz gefördert. „Die Schutzmaßnahmen werden jedoch erst dann großflächig greifen, wenn eine dem Schreiadler freundliche Landbewirtschaftung nicht zu wirtschaftlichen Nachteilen führt“, sagt Kinser.