Zukunft des Ökostrom: Biomasse?

Mit der Ablehnung von Atomkraftwerken und der Stromerzeugung durch fossile Brennstoffe gewinnt der Ökostrom an Bedeutung. Ökostrom besteht aus einem Mix verschiedenster alternativer Energiequellen. Die aktuelle und zukünftige Rolle der …

Mit der Ablehnung von Atomkraftwerken und der Stromerzeugung durch fossile Brennstoffe gewinnt der Ökostrom an Bedeutung. Ökostrom besteht aus einem Mix verschiedenster alternativer Energiequellen. Die aktuelle und zukünftige Rolle der Biomasse als Energiequelle für Ökostrom wird hier beschrieben.

Was ist eigentlich Biomasse?
Der Begriff Biomasse bezeichnet organische Stoffe, die durch Tiere, Menschen und Pflanzen erzeugt werden. Beim Einsatz von Biomasse als Energiequelle ist zwischen nachwachsenden Rohstoffen, den sogenannten Energiepflanzen, und organischem Abfall zu unterscheiden. Heute wird Biomasse in Deutschland als Energie am häufigsten nutzbar gemacht durch Vergärung, Vergasung und Verbrennung.
Politische Pläne und Förderung
Seitdem das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) im Jahr 2000 in Kraft getreten ist, wurde die Stromerzeugung aus Biomasse verzehnfacht. Um dieses Niveau weiter zu heben, hat die Bundesregierung im Nationalen Biomasseaktionsplan des Jahres 2009 festgelegt, dass 2020 mindestens acht Prozent des produzierten Stroms aus Biomasse entstehen soll. Aufgrund der begrenzten Anbauflächen in Deutschland und gleichzeitig fast unbegrenzten Verwendungsmöglichkeiten von Biomasse müssen dafür mehrerer Strategien kombiniert werden.
Die Ziele für Biokraftstoffe, Biowärme und des Biostroms müssen definiert werden, da sie miteinander konkurrieren. Subventionen sollen die Forschung, den Bau der Biomasse-Anlagen und den Biomasse-Anbau vorantreiben. Um einen nachhaltigen Anbau zu fördern, wurden Mindeststandards für diese Subventionen eingeführt, die mit fortschreitender Entwicklung gekürzt oder verlagert werden müssen. Notwendig wird das, weil die Flächen für Energiepflanzen in Konkurrenz zu Ackerflächen für Nahrungsmittel und Wäldern stehen. Weil auch Importe von Biomasse stattfinden müssen, gelten diese Subventionsregeln genauso für ausländische Anbaugebiete.
Alternative Stromerzeugung im Überblick
Nicht nur die Biomasse hat als alternative Energiequelle eine starke Förderung erhalten. Photovoltaik, Windkraft und Wasserkraft werden ebenso unterstützt. Dadurch konnte im Jahr 2011 bereits ein Fünftel der gesamten Stromerzeugung von alternativen Energieträgern ausgehen. Die Notwendigkeit dieser Mischform bei Ökostrom verdeutlicht die Gegenüberstellung der Daten, Vor- und Nachteile der alternativen Stromerzeuger:
Solarkraft
– Anteil an der gesamten Stromerzeugung 2011: 18,5 TWh (3,1 %)
– CO2-Ausstoß: keiner
– durchschnittlicher Wirkungsgrad: 5 – 24 %
– lässt sich auf fast allen Flächen nutzen
– benötigt nur einen geringen Wartungsaufwand
– eignet sich durch Subventionen und Einspeisevergütung als Wertanlage
– hat anfänglich hohe Anschaffungspreise
– erzeugter Strom wird nicht gespeichert
– verursacht Fluktuationen bei der Versorgung
– mit langer Einsatzdauer schwindet die Leistung
– Herstellung ist häufig umweltschädlich
Wasserkraft
– Anteil an der gesamten Stromerzeugung 2011: 19,0 TWh (3,2 %)
– CO2-Ausstoß: keiner
– durchschnittlicher Wirkungsgrad: 85 – 90 %
– lange Lebensdauer der Kraftwerke
– kaum Verluste durch Wärme
– kann die Grundlast decken
– ist günstig
– keine Schadstoffbelastung
– benötigt ein fließendes Gewässer
– Flussrouten werden zerstört
– Gelände wird mit Stauwasser überflutet
– anderen Flächen wird das Wasser entzogen
– es besteht die Gefahr einer Katastrophe wegen eines Staudammbruchs
Biomasse
– Anteil an der gesamten Stromerzeugung 2011: 43,4 TWh (6 %)
– CO2-Ausstoß: neutral, da freigesetztes CO2 vorher gebunden wurde
– durchschnittlicher Wirkungsgrad: 40 – 90 %
– Energie wird gespeichert
– deckt die Grundlast
– kann fast überall variabel eingesetzt werden
– schafft neue Märkte für die regionale Wirtschaft
– lässt sich gefahrloser transportieren als übliche Brennstoffe
– kann oftmals die Infrastruktur konventioneller Kraftwerke nutzen
– hohe Verluste durch Wärmeabgabe
– mitunter lange Transportwege
– Felder für Nahrungsmittel und Wälder werden verdrängt

Windkraft
– Anteil an der gesamten Stromerzeugung 2011: 48,1 TWh (7,7 %)
– CO2-Ausstoß: keiner
– durchschnittlicher Wirkungsgrad: ca. 30 %
– niedrige Kosten
– ist an vielen Orten einsetzbar
– wird auch vor der Küste gebaut
– verursacht kaum Gefahren für den Menschen
– starker Wind oder Flaute verursachen ständige Schwankungen
– keine Speicherung des Stroms
– Lärmbelastung für Mensch und Tier
– Vögel und Meeresbewohner werden geschädigt
– verändert das Aussehen von Landschaften negativ
Die Unterschiede in Vor- und Nachteilen sind zwar stark, können sich aber auch gegenseitig ergänzen. Lieferengpässe bei Wind- und Solarkraftanlagen werden durch Wasserkraftwerke und Biomasseanlagen ausgeglichen. Geografische und klimatische Bedingungen entscheiden zwar über den Einsatz einer bestimmten Technologie, doch Biomasse kann überall hin transportiert werden. Ohne Kraft-Wärme-Kopplung geht dennoch die meiste Energie der biologischen Masse verloren, was wiederum kluge Konzepte bei der Nutzung nötig macht.

Biostrom für Wirtschaft und Verbraucher

Speicherfähigkeit und variable Form biologischer Energiequellen sind entscheidende Faktoren für die Wirtschaft, wenn es um stabile Stromversorgung durch Ökostrom geht. Ganz gleich, ob es sich um Holz für Blockheizkraftwerke, Biokraftstoff für Generatoren oder Biogas für Gaskraftwerke handelt, überall steht Biomasse zur Verfügung. Um lange Transportwege der Masse zu vermeiden und eine möglichst lokale Nutzung des Stroms zu ermöglichen, wird von der Wirtschaft besonders auf kleine und mittlere Biomasse-Anlagen gesetzt. Landwirte können ihre biologischen Abfälle oder Energiepflanzen für die eigene Energieversorgung einsetzen und auch weitere regionale Unternehmen beliefern. Zeitgleich wird die Effizienz der Anlagen verbessert und an ertragreichen Energiepflanzen, der Algennutzung und der Verwertung von Wildpflanzen geforscht. Günstige politische Rahmenbedingungen und die fortschreitende Entwicklung der Biotechnologie werden auch weiterhin bis zu 10 Prozent Branchenwachstum ermöglichen und die Zahl der Beschäftigten über die heutigen 120.000 steigen lassen. Der Umsatz von fast 6 Milliarden Euro sollte in Zukunft noch höher ausfallen und damit nicht nur Arbeitsplätze sicher, sondern auch die nachhaltige Erzeugung von grünem Strom.
Weitere Informationen: www.tarifhelfer.de