FIFA und Umwelt: So nachhaltig sollte die WM 2014 in Brasilien werden – Eine Zwischenbilanz

Brasiliens Fußball-WM wollte als „grüne WM“ in die Geschichte eingehen – nun wird sie vor allem als WM der sozialen Ungerechtigkeit in Erinnerung bleiben. Und obwohl die Nachhaltigkeits-Ziele in verschiedenen …

Brasiliens Fußball-WM wollte als „grüne WM“ in die Geschichte eingehen – nun wird sie vor allem als WM der sozialen Ungerechtigkeit in Erinnerung bleiben.

Und obwohl die Nachhaltigkeits-Ziele in verschiedenen Aspekten verfehlt wurden, könnte sich das Mega-Sportevent doch noch als nachhaltig erweisen: Wenn die Welt aus den Fehlern der WM lernt und Mega-Events in Zukunft wirklich „grüner“ werden. Ein Artikel auf dem amerikanischen Portal DailyClimate.org lieferte dazu spannende Hintergründe, die von EPOCH TIMES zusammengefasst auf Deutsch wiedergegeben werden.
Sport könnte Vorreiter für Industrien werden
Gerade vom Sport könnte eine Signalwirkung in Sachen Nachhaltigkeit ausgehen, findet Allen Hershkowitz, vom Natural Resources Defense Council, einer Umweltschutzorganisation mit Sitz in New York City. Er hat schon mit einigen Sportveranstaltungen zusammengearbeitet und ist ein Mitbegründer der Green Sports Alliance.
Ganze Produktionsketten könnten grüner werden
In die Sportindustrie sind „Plastik, Energie, Transportwesen und die chemische Industrie involviert. Wenn der Profisport eine Führungsrolle im Umweltschutz übernehmen würde, hätte das globale Auswirkungen auf die Produktionskette”, so der Experte.
Und nicht nur in Sachen CO2-Ausstoß, Müllvermeidung oder Wasserverbrauch. Denn der Sport könnte mit seinem Millionenpublikum das schaffen, was Wissenschaft und Politik nicht hinbekommen – die Öffentlichkeit wirklich zu umweltbewussterem Handeln motivieren.
Alle wollen doch grünere Events!
Seit den Olympischen Spielen von Sydney 2000 haben sportliche Großereignisse versucht, sich als nachhaltig zu vermarkten. De facto blieb dieser Traum meist erfolglos, weil die Langzeit-Effekte entscheiden. So auch in Brasilien: Der Umweltgedanke war wegen all der wirtschaftlichen und politischen Probleme rund um die WM wieder das Tabellen-Schlusslicht.
Die FIFA hatte zwar auf der RIO+20-Konferenz der UN vor zwei Jahren einen Plan vorgestellt, für ökologisch gebaute Stadien, CO2-Kompensation, Recycling und Co. Die Proteste rund um die WM kamen dort jedoch nicht mal thematisch an – sie beklagten in erster Linie die fehlende soziale Nachhaltigkeit.
Das Problem: Die Maßnahmen der FIFA beschränkten sich auf die Stadien und ihr Umfeld. Zuwenig, um wirklich umwelttechnisch und sozial nachhaltig zu sein. Denn schon an notwendigen Investitionen in Infrastruktur und Transportwesen der WM-Städte mangelte es, was zum Teil den öffentlichen Aufschrei nach sich zog. Also tuckern WM-Besucher weiterhin in CO2-schleudernden Taxis zu den Stadien, weil das öffentliche Verkehrsnetz nicht richtig funktioniert.

Dies heißt jedoch nicht, dass die FIFA sich keine Gedanken zum Thema Nachhaltigkeit gemacht hatte! Oberflächlich konnten Erfolge präsentiert werden – die aber faktisch von anderen Negativ-Auswirkungen nivelliert wurden. Einige Beispiele:
Stadien-Bauten trotz Wohnungsnot
Die FIFA feiert Solaranlagen, Wasserverwertung und Müllreduzierung, die am neuen 420 Millionen Dollar teuren Stadion von São Paulo und bei der 500 Millionen Dollar schweren Renovierung des Maracanã-Stadions in Rio angebracht wurden. Gleichzeitig verloren Favela-Bewohner in Rio ihre Behausungen und ein 5,000 Quadratmeter großes Protest-Camp weist in São Paulo auf die Wohnungsnot in der Millionenmetropole hin.
Nachhaltiger Transport blieb auf der Strecke
Wegen Komplikationen beim Bau wurde die Magnet-Bahn vom Flughafen São Paulo ins Stadtzentrum nicht rechtzeitig fertig. Sie sollte die WM-Besucher schnell und klimafreundlich transportieren. Weitere Linien befinden sich zwar in Planung, aber ohne klares Fertigstellungsziel.
Riesenstadion mitten im Urwald
Das ökologisch gebaute Stadion in Manaus verfügt zwar über die neueste Heiz- und Kühltechnik. Wegen Verzögerungen beim Bau wurde jedoch der Plan gecancelt, das Gebäude komplett mit Solar-Energie zu betreiben. Was die Brasilianer am meisten stört sind jedoch die Baukosten von 300 Millionen Dollar und der Umstand, dass in dem Riesenstadion in der abgelegenen Stadt mitten im Amazonas vermutlich nie wieder ein vergleichbares Großevent stattfinden wird.
Was uns die WM 2014 im Positiven zeigt: Die öffentliche Erwartung an die Nachhaltigkeit von Großevents ist gewachsen – und darin liegt Hoffnung für die Zukunft.
Denn der Nachhaltigkeits-Gedanke wird nun mehr und mehr ethisch und gesellschaftlich wahrgenommen. Auch dank der vielen Brasilianer, die auf die Straßen gingen, um zu Protestieren. Schließlich war es nicht irgendein Volk, sondern die fußballverrückteste Nation der Welt, die da gegen die Schattenseiten ihrer WM auf die Straßen ging und sagte: „Nicht mit uns!“ (rf)
Link zum englischen Original-Artikel:
http://www.dailyclimate.org/tdc-newsroom/2014/06/green-world-cup-brazil