Sehr viel niedrigere CO2-Werte für Pkw sind technisch machbar – aber teuer

Ein sehr viel niedrigerer Kohlendioxidausstoß aller Autos in Europa ist laut Forschungsinstitut ICCT technisch durchaus machbar - aber teuer. Günstiger wäre es, schnell auf Elektroautos umzusteigen um die Umwelt zu entlasten, teilte das ICCT mit.

Ein sehr viel niedrigerer Kohlendioxidausstoß aller Autos in Europa ist laut Forschungsinstitut ICCT technisch durchaus machbar – aber teuer. Günstiger wäre es, schnell auf Elektroautos umzusteigen, um die Umwelt zu entlasten, teilte das ICCT am Dienstag mit. Die Umweltorganisation BUND folgerte: „Schärfere Grenzwerte sind zumutbar.“ Klimapolitisch seien sie „längst überfällig“.

Das ICCT rechnete in seiner neuen Untersuchung vor, dass es 1000 bis 2150 Euro pro Auto mit Verbrennungsmotor kosten würde, bis zum Jahr 2025 einen CO2-Zielwert von 70 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer zu erreichen – berechnet für die Flotte aller Neuwagen. Dabei müsste die Zahl von Elektrofahrzeugen, die gar kein CO2 ausstoßen, nicht oder nur gering zunehmen.

Auch der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Volkswagen, Bernd Osterloh, sagte bei einer Veranstaltung der IG Metall in Berlin, eine Optimierung des Verbrennungsmotors würde 1000 bis 2000 Euro pro Fahrzeug kosten. Für kleine Autos lohne sich dieser Aufwand nicht, gab er zu bedenken.

Schneller Umstieg auf Elektroautos wird empfohlen

Das ICCT plädierte für einen schnellen Umstieg auf Elektroautos – dann könnten die Hersteller den CO2-Zielwert von 70 Gramm pro Kilometer für Kosten von 200 bis 500 Euro weniger pro Fahrzeug erreichen. Das Institut geht dabei von einem Anteil von E-Autos von 15 Prozent im Jahr 2025 aus.

Der Grund für die niedrigeren Kosten sei die „deutliche Absenkung“ von Batteriekosten in den kommenden Jahren. Für das Jahr 2030 seien sogar Zielwerte von nur 40 Gramm CO2 pro Kilometer und weniger erreichbar, erklärte der ICCT-Geschäftsführer für Europa, Peter Mock.

Die IG Metall hält einen Wert von 70 Gramm CO2 im Durchschnitt der Neuwagenflotte im Jahr 2030 für machbar, wie ihr Vorsitzender Jörg Hofmann sagte. Nötig dafür seien seitens der Politik vor allem Planungssicherheit bei den CO2-Grenzwerten sowie Investitionen in Ladesäulen und das Stromnetz. Die Hersteller müssten sich verpflichten, schon ab 2018 nicht nur Benzin und Diesel, sondern auch E-Antriebe oder CO2-reduzierte Antriebe anzubieten, fordert die Gewerkschaft.

Die CO2-Emissionen neuer Pkw müssen laut EU-Gesetzgebung bis 2021 von heute durchschnittlich 120 Gramm pro Kilometer auf 95 Gramm sinken. Eine weitere Reduktion wird derzeit in Brüssel diskutiert.

Der BUND verlangte, die EU-Kommission müsse nun „schnellstens“ deutlich reduzierte Flottenwerte für die Jahre 2025 bis 2030 auf den Weg bringen. Dabei müsse die Entwicklung von mehr Elektrofahrzeugen aber berücksichtigt werden: Der BUND fordert einen Zielwert von 65 Gramm pro Kilometer schon ab 2025.

Zudem müssten die Grenzwerte unter Realbedingungen auf der Straße eingehalten werden. „Die Messungen müssen runter von den Prüfständen und raus aus den Labors.“

Neue Fahrzeuge verbrauchen laut ICCT deutlich mehr Sprit als angegeben und stoßen damit auch mehr Kohlendioxid aus. Die Diskrepanz zwischen Test- und Realwerten stieg 2015 auf knapp 42 Prozent und war damit „so groß wie noch nie“, hatte das Institut in der vergangenen Woche bemängelt. Für Autofahrer sind damit Mehrausgaben für Sprit von rund 450 Euro pro Jahr verbunden. Der International Council on Clean Transportation (ICCT) hatte den Abgas-Skandal bei Volkswagen mit aufgedeckt. (afp)