Wenn die Bienen verschwinden …

Kein geringerer als Albert Einstein soll, glaubt man den vielen Stimmen, vor allem auch denjenigen Medien, die den Spruch im Zusammenhang mit dem massenhaften Bienensterben vor einigen Jahren fast schon …

Kein geringerer als Albert Einstein soll, glaubt man den vielen Stimmen, vor allem auch denjenigen Medien, die den Spruch im Zusammenhang mit dem massenhaften Bienensterben vor einigen Jahren fast schon gebetsmühlenhaft zitierten, ja, dann soll Einstein einmal vorausgesagt haben: ,,Wenn die Biene von der Erde verschwindet, dann hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben; keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr.‘‘

Mancher Professor, etwa der Schweizer Immunologe Beda M. Stadler, hält eine solche Behauptung für „biologischen Unsinn“. Außerdem habe das israelische Einstein-Institut auf Anfrage geklärt, dieser habe das Sprüchlein nie gesagt. Denn zu der Zeit, als Albert Einstein in Amerika weilte, gab es dort noch gar keine Honigbiene. Sie wurde erst später von Einwanderern aus der alten Welt mitgebracht. Die Indianer waren demnach wohl gut ohne die „Fliege des weißen Mannes“ ausgekommen.
Trotzdem wird dem keiner widersprechen, dass die wirtschaftlichen Schäden durch fehlende Bestäubung, in Deutschland beispielsweise beim Obstbau, enorm wären, würde die Biene plötzlich aussterben. In Amerika bedienen die Bienen immerhin eine 16-Milliarden-Dollar-Industrie. Wie sich das Ökosystem ohne Biene verändern würde, ist ebenso nicht kalkulierbar, während ein größeres Bienensterben fast schon mit Sicherheit alle paar Jahre auf uns zu rollt. Wenn es auch an der genauen Ursachenfindung hierfür hapert, wird doch weithin der Mensch mit seiner unbändigen Gier, mit der er sich an Mutter Gayas Schätzen labt, als Übeltäter ausgemacht. Berufen sich die Einen auf die Gentechnik, weil Bt-Mais und Bt-Baumwolle in den USA großflächig angebaut werden, sind es für die anderen die Mobilfunkstrahlen, für die Dritten die chemische Keule in der Landwirtschaft, die den Bienen den Garaus macht. Peter Rosenkranz von der baden-württembergischen Landesanstalt für Bienenkunde sprach in einem Vortrag über Bienengesundheit über mehrere Parameter, die das Völkersterben ausmachten. Neben Bienenkrankheiten wie der Varose seien auch das Nahrungsangebot, Pflanzenschutzmittel und die Betriebsweise des Imkers zu berücksichtigen. (Übrigens misst Rosenkranz dem „Einstein-Zitat“, auch wenn es nicht von Einstein ist, doch eine gewisse Substanz bei. Es sei tatsächlich so, dass ohne Bestäuber die Nahrungsnetze der Erde gefährdet sind und damit auch der Fortbestand der Menschheit, wird er in einem Artikel in der Zeitschrift „Bienenpflege“ zitiert.)

(Matthias Kehrein/The Epoch Times)(Matthias Kehrein/The Epoch Times)

Wie schnell der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel viele Tausende Bienenleben kosten kann, zeigte im vorigen Jahr eindrücklich der Fall um das Clothianidin-haltige Beizmittel beim Mais, das zu Vergiftungsschäden an 12.000 Bienenvölkern im Oberrheingraben führte. Dass auch Spritzungen in die Blüten (z.B. beim Raps) immer mehr zunehmen, konnte in einem Bienen-Monitoring, das Deutschland-weit Daten von Imkern auswertet, nachgewiesen werden. Andere Parameter sind subtiler wahrnehmbar. Dass unsere Welt früher um einiges bunter war, mag vielleicht eher den älteren Menschen im Gedächtnis geblieben sein. War es nicht so, dass wir vor, sagen wir mal 20 Jahren, zum Muttertag noch üppige Blumensträuße pflücken konnten? Heute findet man auf den Wiesen nur noch wenige Arten, wenn nicht bereits Anfang Mai, also vor der Blüte, gemäht wird, und das in einem Zug mittels riesiger Mähmaschinen. Die Insekten finden dann von einem Tag auf den anderen keine Nahrung mehr. Während es früher noch üblich war, Futterplanzen wie Klee und Esparsette anzubauen, leistet sich diesen Aufwand heute höchstens noch ein Bio-Bauer.

Seit 2007 bietet das Land Baden-Württemberg im Förderprogramm „Marktentlastungs- und Kulturlandschaftsausgleich (MEKA) eine „einjährige Brachebegrünung mit Blühmischungen“ an. Der Bauer würde etwa 130 Euro pro Hektar Fläche bekommen, auf der er eine Blühmischung ansät, die speziell als Bienenweide konzipiert wurde und tatsächlich von Juni bis September blüht. Leider bringt der Anbau von Energiepflanzen dem Bauern wesentlich mehr Erlös ein, als eine Blumenwiese. Fazit: die neue MEKA-Maßnahme „Brachebegrünung“ wurde schlichtweg von der Bauernschaft nicht angenommen. Wohl aber von einer Bekannten. Sie hatte von einem Hobby-Imker, die in Deutschland immer noch die Mehrzahl der Bienenhalter stellen, eine Hand voll Phacelia-Samen bekommen. Die Pflanze hat leuchtende lila Blüten und wird von den Bienen sehr gerne angeflogen. Eigentlich hätte die Bekannte Phacelia als Gründüngung verwenden wollen, das heißt, sie hätte das noch junge Kraut vor der Blüte untergegraben und so den Boden mit Nährstoffen angereichert. Wie erstaunt war ich, als mir Anfang Juni in ihrem Garten ein ständiges Summen ans Ohr drang, dem ich irgendwann nachging und schließlich vor einer Reihe blühender Phacelia stand, auf der sich die Insektenwelt des ganzen Dorfes versammelt haben musste. Würde jede Familie, die einen Garten besitzt, nur einen Streifen Bienenweide einsäen, vermutlich wäre dann ein großes Problem gelöst.
Unterdessen sind die Bienen vielerorts auf Futtersuche. Wie die Bild-Zeitung jüngst schrieb werden neuerdings mehr und mehr Bienenschwärme in den Städten gesichtet, wohl weil die Natur auf dem Land weniger blüht als städtische Balkone und Baumalleen. Brauchen wir also gar einen Faust, der den Erdgeist anruft, weil uns die Wissenschaft nicht erklären kann, „was die Welt im Innersten zusammenhält“? Oder wäre ein guter Beginn, einfach wieder öfter in der Natur zu verweilen, die Gedanken loszulassen und nur zu lauschen. „Sieh, so ist Natur ein Buch lebendig, unverstanden, doch nicht unverständlich“, sagt uns der große Goethe. Wer weiß, vielleicht wird uns ja dann die eine oder andere Sylphe oder Nixe ihre Geheimnisse zuflüstern.
Erschienen in The Epoch Times Deutschland Nr. 23/09
 

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