Aktuelle Nachrichten – Umwelt
27.09.2006
Hamburg - Verbraucher sollten sich vor dem Verzehr von Meerestieren genau über die Fangmethoden informieren. Das ist das Fazit einer am Mittwoch von der Umweltschutzorganisation WWF in Hamburg veröffentlichten Studie. Die Autoren warnen darin vor oft katastrophalen ökologischen und sozialen Folgen gängiger Fischfangmethoden und fordern die EU auf, die Ausbeutung der Meere zu stoppen. Der WWF sprach von «Müll-Scholle», «Todes-Schwertfisch» und «Bulldozer-Scampi» auf deutschen Tellern.
Zur Begründung erklärte WWF-Expertin Heike Vesper, das weiße, schmackhafte Fleisch von Scholle und Seezunge entstamme großteils der schädlichsten europäischen Fischerei. Dabei würden mehr als 80 Prozent der Fänge wie Müll einfach wieder ins Meer geworfen, weil sie zu klein oder wertlos seien. Schwertfisch-Steaks könnten aus illegaler Treibnetzfischerei stammen. Dabei sterben laut WWF vor der Küste Marokkos Jahr für Jahr 100.000 Haie - zwei Haie für jeden Schwertfisch. Scampi werden demnach mit berüchtigten Grundschleppnetzen gefangen, die den Meeresboden umpflügen und den Lebensraum samt seiner Bewohner zerstören.
Der World Wide Fund for Nature warnte auch vor einem Zusammenbruch der Kabeljaufischerei. Die Fangmengen des unter anderem als Grundlage für «Fish & Chips» beliebten Speisefisches seien im Nordostatlantik seit 1970 um mehr als 80 Prozent gefallen. Die Umweltschützer fordern einen sofortigen Fangstopp und einen Wiederaufbauplan: «Geht es so weiter, wird die Kabeljau-Fischerei in weniger als 15 Jahren zusammenbrechen», erklärte der WWF.
Tunfisch-Sushi stamme oft aus illegalen Quellen, ein Drittel des roten Tunfisches komme aus der Piratenfischerei. Dabei spielt laut WWF die EU-Flotte «die unrühmliche Hauptrolle bei dieser Fischerei, die sich über Gesetze, Quoten und Kontrollen hinwegsetzt». Garnelen, Tintenfische und viele weitere Fischarten, die aus Westafrika nach Europa importiert würden, stammten hingegen aus ganz legalem Raubbau. «Aber mit jedem dieser Fische vergrößert Europa die Not der verarmenden afrikanischen Fischer», urteilen die Umweltschützer.
Die EU müsse die Subventionen für ihre überdimensionierte Fangflotte streichen, realistische Fangquoten festlegen und die Fischbestände nachhaltig bewirtschaften. Der WWF wies darauf hin, dass das blaue Ökosiegel des MSC (»Marine Stewardship Council») dem Verbraucher eine schonende Fischerei garantiere.
Unterdessen warnte Greenpeace vor dem Verzehr von Aalen aus deutschen Flüssen. Eine aktuelle Studie habe belegt, dass Tiere aus Elbe, Main, Rhein und Weser stark mit Industriechemikalien belastet seien. Dabei wurden teilweise europäische Höchstwerte bei der Belastung mit perfluorierte Tensiden (PFTs) gemessen. «Der Verzehr von Aalen aus deutschen Flüssen ist nicht zu empfehlen», sagte Greenpeace-Expertin Corinna Hölzel.
PFTs, die durch landwirtschaftliche Abwässer in die Flüsse gelangen gelten wegen ihrer Giftigkeit und Langlebigkeit als besondere Umweltschadstoffe.
(AP)