Aktuelle Nachrichten – Umwelt
04.08.2011
Foto: AP Photo/Sunday Alamba, File
Lagos – Rohöl im Trinkwassersystem, zerstörte Pflanzen und Felder – und das seit Jahrzehnten: Das ist die Bilanz eines UN-Berichts, der im nigerianischen Nigerdelta als Folge von Ölunfällen weitreichende Umweltschäden in der Region festgestellt hat. Im Blickpunkt ist vor allem das Gebiet Ogoniland, dessen Fläche ungefähr so groß wie Portugal ist.
Obwohl die Ölförderung dort im Jahr 1993 eingestellt wurde, schlängeln sich die Pipelines und Pumpstationen des Konzerns Royal Dutch Shell und der staatlichen Ölgesellschaft Nigerias noch immer durch Dörfer und Felder – mit verheerenden Folgen.
Durch Öllecks, die von Betriebsmängeln und Vandalismus verursacht wurden, sei der Boden vollkommen zerstört, hieß es in dem am Donnerstag veröffentlichten Bericht. In einem Fall wurden demnach in einem Dorf Benzolverschmutzungen im Trinkwasser nachgewiesen, die den internationalen Grenzwert mehr als 900 Mal überstiegen. UN-Mitarbeiter stießen unter anderem auf eine Region, in der bereits 40 Jahre zurückliegende Öllecks nicht gesäubert worden waren.
"Das Volk der Ogoni lebt mit der Verschmutzung jede Minute, 365 Tage im Jahr", heißt es in dem Bericht. "Da die durchschnittliche Lebenserwartung in Nigeria weniger als 50 Jahre beträgt, ist anzunehmen, dass chronische Ölverschmutzung für die meisten ihrer Mitglieder seit ihrer Geburt zum Alltag gehört." Besonders die in Ogoniland lebenden Kinder seien betroffen, hieß es weiter.
Es werde bis zu 30 Jahre dauern, um die Felder zu säubern, hieß es in dem vom Shell-Konzern finanzierten UN-Bericht. Die Vereinten Nationen schlugen vor, dass die Ölindustrie und die Regierung einen Fonds in Höhe von zunächst einer Milliarde Dollar für Reinigungsarbeiten bereitstellen sollen.
Nach Angaben von Umweltschützern sind in den 50 Jahren der Ölförderung allein zwei Millionen Liter Rohöl ins Nigerdelta geflossen.
(dapd)
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