Aktuelle Nachrichten – International
20.06.2011
Foto: UNHR,Tanner/AP Photo
Genf – Das UN-Flüchtlingshilfswerk hat am Montag an alle Staaten appelliert, ihre Grenzen für Flüchtlinge offen zu halten und ihnen Schutz vor Gewalt zu bieten. Der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Antonio Guterres, erklärte, in Europa sei der falsche Eindruck entstanden, alle Flüchtlinge wollten in die EU einreisen. "Es ist einfach nicht wahr, dass Flüchtlinge massiv in den Norden drängen", sagte er.
Als Beispiel nannte Guterres Libyen. Von dort seien seit Beginn des Aufstands eine Million Menschen in die Nachbarländer Tunesien und Ägypten geflohen, erklärte er. Weniger als zwei Prozent von ihnen hätten Europa erreicht. Guterres forderte, dass die Industriestaaten die Entwicklungsländer stärker unterstützen, weil diese am meisten durch Flüchtlingsströme belastet seien.
Nach einem Bericht der UN leben vier Fünftel der weltweit 15,4 Millionen Flüchtlinge in Entwicklungsländern, wo ihre Aussichten auf eine Staatsbürgerschaft und ihre wirtschaftlichen Perspektiven gering sind. Über ein Viertel der Flüchtlinge hält sich allein in Pakistan, Syrien und dem Iran auf, hieß es in dem am Montag anlässlich des Weltflüchtlingstages veröffentlichten Bericht. Noch nicht berücksichtigt sind darin jene Menschen, die vor den Unruhen im arabischen Raum geflohen sind und vor allem in Nachbarländern Zuflucht gefunden haben.
"Ende 2010 hatten wir die meisten Flüchtlinge und Binnenvertriebenen seit 15 Jahren", sagte Guterres.
Neben den 15,4 Millionen, die in andere Länder geflohen sind, zählte das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) im vergangenen Jahr 27,5 Millionen Binnenvertriebene und 850.000 Asylbewerber. Weltweit seien 43,7 Millionen Menschen gezwungen gewesen, ihre Heimat zu verlassen, hieß es in dem UNHCR-Bericht.
Die größte Flüchtlingsgruppe stellen demnach mit fünf Millionen Menschen die Palästinenser, die teilweise schon seit Generationen in den Nachbarländern Israels leben. Auch aus Afghanistan, Irak, Somalia und dem Kongo stammen große Flüchtlingsgruppen.
Hätten die Integrationsbemühungen in den neuen Heimatländern keinen Erfolg, drohe den Flüchtlingen ein Leben unter dauerhaft unsicheren Bedingungen, warnte das UNHCR. Häufig scheitere die Eingliederung jedoch an den begrenzten finanziellen Möglichkeiten der Aufnahmeländern. So kämen in Pakistan 710 Flüchtlinge auf jeden Dollar des Bruttoinlandsprodukts, während es in Deutschland 17 Flüchtlinge pro Dollar seien, hieß es in dem Bericht.
(dapd)
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