Aktuelle Nachrichten – Gesundheit
24.02.2010
Wien (apn) Nicht Haschisch, Kokain und Heroin stehen im Mittelpunkt des UN-Drogenberichts, sondern die sogenannten K.O.-Tropfen. Gegen den Missbrauch der im Englischen eindeutiger „date-rape drugs“ – Vergewaltigungsdrogen – genannten pharmazeutischen Wirkstoffe müsse die internationale Gemeinschaft entschlossener und effektiver vorgehen, mahnte der Internationale Suchtstoffkontrollrat, INCB, der Vereinten Nationen in seinem am Mittwoch in Wien vorgestellten Bericht.
Die sogenannten K.O.-Tropfen stellten zurzeit eines der größten Probleme der Drogenszene dar. Regierungen in aller Welt müssten deshalb dringend für eine bessere Kontrolle solcher Substanzen sorgen, den Zugang dazu beschränken und bei der Strafverfolgung Maßnahmen wie die Analyse von Urinproben einführen.
K.O.-Tropfen werden von Kriminellen häufig auf Partys ins Getränk eines potenziellen Opfers gemischt, das sich dann gegen sexuelle Übergriffe nicht mehr wehren und sich später auch kaum noch daran erinnern kann. Dieses Phänomen sei relativ neu und nehme rapide zu, stellt der INCB fest, der die Einhaltung der einschlägigen UN-Konventionen überwacht. Substanzen, mit denen andere gegen ihren Willen gefügig gemacht werden könnten, seien viel zu leicht erhältlich, so dass sie schnell in die Hände von Verbrechern fallen könnten.
So verweist der INCB darauf, dass es zwar gelungen sei, den Missbrauch des Wirkstoffs Flunitrazepam – bekannt unter dem Markennamen Rohypnol – durch international koordinierte Einschränkungen aufzuheben. Die Kriminellen seien dann aber auf nicht restriktiv gehandelte Wirkstoffe wie Gammahydroxybuttersäure (GHB) und Ketamin beziehungsweise Gamma-Butyrolacton (GBL) umgestiegen.
„Drogenschmuggler bekommen diese Substanzen über Internet-Apotheken und das Postsystem sowie illegale Herstellung“, heißt es in dem Bericht. Im Kampf gegen das Problem sollten Regierungen mit der pharmazeutischen und chemischen Industrie zusammenarbeiten, empfahl der Suchtstoffkontrollrat.
Der jüngste Weltdrogenbericht kommt ferner zu dem Ergebnis, dass immer mehr Missbrauch mit verschreibungspflichtigen Medikamenten betrieben wird. In Deutschland seien 1,4 Millionen bis 1,9 Millionen Menschen medikamentenabhängig. In den USA seien es 2008 sogar 6,2 Millionen Menschen gewesen. Es handele sich um ein internationales Problem, für das es einen beträchtlichen Mangel an Bewusstsein und Daten gebe. Der Missbrauch sei in manchen Ländern mehr als doppelt so hoch wie der von Kokain, Heroin, Designer-Drogen und Inhalationsmitteln.
Dem Bericht zufolge ist es vor allem wichtig, Drogenkurieren die Verbindungswege abzuschneiden. Ein großes Problem sei nach wie vor der Schmuggel von Kokain aus Lateinamerika über Westafrika nach Europa. Der größte Produzent von illegalen Drogen bleibe jedoch weiterhin Afghanistan. (AP)
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