Aktuelle Nachrichten – Welt
25.10.2009
Teheran – Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) haben am Sonntag erstmals eine bis vor kurzem noch geheimen Anlage zur Urananreicherung im Iran in Augenschein genommen. Sie machten sich ein erstes Bild von der noch im Bau befindlichen Anlage, die streng bewacht wird und tief in einem Berg liegt. Die halbamtliche Nachrichtenagentur Mehr berichtete am frühen Nachmittag, die erste Inspektion des Geländes sei abgeschlossen.
In der Fabrik sollen 3.000 Zentrifugen zur Urananreicherung aufgestellt werden. Das Material will die Regierung in Teheran nach eigenen Angaben zur Herstellung von Brennstäben für zivile Reaktoren nutzen.
Die Bestätigung der Existenz der Anlage in der Nähe der heiligen Stadt Kom im vergangenen Monat hatte international wieder Fragen zum tatsächlichen Umfang und zu den Zielen des iranischen Atomprogramms aufgeworfen. Es ist die zweite große Anlage zur Urananreicherung, die der Iran besitzt. Sie soll in 18 Monaten betriebsbereit sein.
Teheran spielt im Streit über sein Atomprogramm weiter auf Zeit. Die iranische Führung schob am Freitag eine Antwort auf einen internationalen Vorschlag zur Beilegung des Streits hinaus und kündigte eine Entscheidung für Mitte nächster Woche an. Man benötige für die Prüfung des Vorschlags mehr Zeit, hieß es.
Unterhändler des Irans, Russlands, Frankreichs und der USA hatten am Mittwoch am Sitz der IAEA in Wien eine vorläufige Vereinbarung unterzeichnet. Sie sieht vor, dass bereits angereichertes iranisches Uran größtenteils nach Russland verschifft und dort zur Herstellung von Brennstäben für Kernkraftwerke aufbereitet werden soll. Damit soll sichergestellt werden, dass die Regierung in Teheran nicht selbst Uran in großem Stil anreichert und so auch keine Atomwaffen bauen kann, was sie nach eigener Darstellung gar nicht anstrebt.
(Washington) Wegen des Atomkonflikts mit dem Iran telefonierte US-Präsident Barack Obama mit seinen Kollegen aus Frankreich und Russland, Nicolas Sarkozy und Dmitri Medwedew. Dabei habe Obama den beiden für ihre Unterstützung gedankt und die Dringlichkeit einer Lösung betont, sagte ein Sprecher in Washington. (AP)