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Dala Lama wird 70 Unbeirrbar für Gewaltlosigkeit

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05.07.2005

(AP Photo/Manish Swarup)
(AP Photo/Manish Swarup)

Wiesbaden - Sein Land musste er schon vor Jahrzehnten verlassen. Gemessen an den üblichen politischen Kriterien ist er ein ausgesprochen machtloser Mann. Dennoch ist der Einfluss des Dalai Lama in der Welt seit seiner Flucht aus Tibet 1959 mehr und mehr gewachsen. Am morgigen Mittwoch wird das geistliche Oberhaupt der Tibeter 70 Jahre alt.

«Wir alle wollen ein fröhliches, erfolgreiches Leben. Das wichtigste an unserem Leben ist Fröhlichkeit», rief der Dalai Lama aus, als er vor zwei Jahren den Ökumenischen Kirchentag in Berlin besuchte. Das stetige Lächeln ist sein Markenzeichen und Teil seiner Philosophie. Unbeirrbar von allen Rückschlägen angesichts der brutalen Besetzung Tibets durch China setzt «seine Heiligkeit» auf den Weg der Gewaltlosigkeit.

Tenzin Gyatso, wie der Dalai Lama als Mönch genannt wird, wurde am 6. Juli 1935 in Taktser, einem Dorf im Nordosten Tibets, als Sohn eines Bauern geboren. Als er zwei Jahre alt war, erklärten ihn Abgesandte aus der tibetischen Hauptstadt Lhasa zur Wiedergeburt des 1933 verstorbenen letzten Dalai Lama. 1940 wurde er als neuer Gottkönig des Himalaja-Staats inthronisiert.

Der Großteil seiner Regierungszeit war bislang von Flucht, Vertreibung und Exil geprägt. Nach der Machtübernahme der Kommunisten in China 1949 erhob das neue Regime Ansprüche auf Tibet und marschierte 1950 ein. Nach einem brutal niedergeschlagenen Aufstand der Tibeter 1959 musste ihr geistliches Oberhaupt fliehen. Im indischen Dharamsala bildete der Dalai Lama schließlich eine tibetische Exilregierung, die allerdings von keinem Staat anerkannt wurde.

Zwar brachte der Westen dem gewaltlosen Widerstand der Tibeter Sympathie entgegen, Unterstützung von Regierungsseite aber blieb jahrzehntelang fast vollständig aus. So dauerte es bis zum Dezember 1991, bis das geistliche Oberhaupt der Tibeter erstmals von einem führenden westlichen Regierungschef, dem britischen Premierminister John Major, empfangen wurde. Zu Treffen mit US-Präsident Bill Clinton und Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac kam es erst 1998.

Preisverleihung und Geburtstagsfeier in Wiesbaden

Da China auf jedes diplomatische Entgegenkommen gegenüber den Exiltibetern äußerst empfindlich reagierte, blieben die westlichen Regierungen dem Dalai Lama gegenüber stets vorsichtig. In den westlichen Gesellschaften dagegen konnte der Exponent des tibetischen Buddhismus auf eine stetig wachsende Anhängerschaft blicken. Zahlreiche Vortragsreisen führten den Dalai Lama nach Europa und in die USA. 1989 wurde ihm für sein Wirken der Friedensnobelpreis verliehen.

Dazu mag auch beigetragen haben, dass seit den 90er Jahren ein wahrer Buddha-Boom die westlichen Länder erfasste. Zahlreiche Schauspieler und Popstars wie Richard Gere oder Tina Turner bekannten sich plötzlich zum Buddhismus. Das Schicksal Tibets und des Dalai Lama wurde Thema zahlreicher Filme, darunter «Sieben Jahre in Tibet», die Verfilmung des gleichnamigen Buchs von Heinrich Harrer.

Harrers Buch sorgte schon seit den 50er Jahren im deutschen Sprachraum dafür, dass das Schicksal Tibets nicht vergessen wurde. Dennoch blieb speziell das Verhältnis der Bundesrepublik zu den Exiltibetern nicht einfach.

Als der Dalai Lama 1994 am Festakt zur 1.200-Jahr-Feier der Stadt Frankfurt am Main teilnehmen sollte, wurde er kurzfristig ausgeladen. Angeblich hatte zuvor das Auswärtige Amt vor «unliebsamen Schwierigkeiten» mit China gewarnt. Dass der greise Gottkönig in den vergangenen Jahren dennoch immer wieder nach Deutschland kam, hat nicht wenig mit dem Engagement des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) für die Sache der Tibeter zu tun.

Koch organisierte bereits 1995, dass der Dalai Lama vom hessischen Landtag empfangen wurde und vor dem Parlament reden durfte. Mehrfach besuchte er seither den CDU-Politiker in Wiesbaden. In diesem Jahr erhält das geistliche Oberhaupt der Tibeter den mit 25.000 Euro dotierten Hessischen Friedenspreis. Zur Preisverleihung kommt der Dalai Lama Ende Juli gleich für vier Tage nach Wiesbaden. Neben einer öffentlichen Ansprache ist während des Besuches auch eine Geburtstagsgala für den 70-Jährigen im Kurhaus der Landeshauptstadt geplant. (AP)

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