Genf - Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR hat eine Delegation nach Marokko geschickt, um mit der dortigen Regierung über eine Lösung des Flüchtlingsdramas an den spanischen Enklaven zu beraten.
Der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Portugals früherer Ministerpräsident Antonio Guterres, äußerte die Sorge, dass unter den Hunderten Emigranten aus Afrika auch Menschen mit einem Anspruch auf Asyl sind. Das Mandat des UNHCR gilt für Menschen, die vor Kriegen und politischer Verfolgung fliehen, nicht aber für jene, die aus wirtschaftlicher Not ihre Heimat verlassen, um in reiche Länder zu gelangen.
Am Donnerstagabend begann Spanien damit, die nach Ceuta und Melilla eingedrungenen Afrikaner wieder abzuschieben. Die ersten 70 wurden am Abend nach Marokko gebracht. Über ihr Schicksal ist derzeit nichts bekannt. Marokkanische Polizisten setzen die Emigranten oft hinter der Grenze zu Algerien mitten in der Wüste aus und überlassen sie dort ihrem Schicksal. Die meisten von ihnen waren über Algerien ins Land gekommen und stammen aus Ländern südlich der Sahara. Bei dem Versuch, in die schwer bewachten spanischen Gebiete zu kommen, sind in den vergangenen Tagen mindestens elf Menschen getötet worden. Hunderte haben die Grenzbefestigungen überwunden.
Menschenrechtsgruppen warnen, dass die Emigranten in der Wüste vom Tode bedroht sind. Jose Palazon, Präsident der Menschenrechtsgruppe Prodein, sagte, derzeit seien etwa 1000 Menschen in der Wüste ohne Wasser unterwegs. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen berichtete, sie habe in der Sahara 500 Emigranten gefunden. Marokkanische Polizisten hätten sie in Bussen dorthin gefahren und stehen gelassen.
Der marokkanische Informationsminister Nabil Benabdallah widersprach den Vorwürfen: Marokko halte sich an internationale Standards und respektiere die Menschenrechte. Seine Regierung verlangte von Europa, mehr Druck auf Algerien auszuüben, um den Transit der Emigranten über sein Territorium zu unterbinden.(Reuters)