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Unterschlagener Beckenbauer-Strafzettel kostet Polizist den Job

DAPD

03.08.2006

Der Kriminaloberkomissar Edwin L. geht am Donnerstag, 3. August 2006 in den Saal des Verwaltungsgerichtes in Muenchen. Dem Polizeibeamten wird in einem Disziplinarverfahren vorgeworfen, im Jahre 2005 eine Geschwindigkeitsuebertretung von FC-Bayern-Praesident Franz Beckenbauer vertuscht zu haben. (AP Photo/Diether Endlicher)
Der Kriminaloberkomissar Edwin L. geht am Donnerstag, 3. August 2006 in den Saal des Verwaltungsgerichtes in Muenchen. Dem Polizeibeamten wird in einem Disziplinarverfahren vorgeworfen, im Jahre 2005 eine Geschwindigkeitsuebertretung von FC-Bayern-Praesident Franz Beckenbauer vertuscht zu haben. (AP Photo/Diether Endlicher)

München - Die Unterschlagung eines Strafzettels von FC-Bayern-Präsident Franz Beckenbauer kostet einen Polizisten den Job. Das Münchner Verwaltungsgericht sah es als erwiesen an, dass der 42-jährige Kriminaloberkommissar und frühere ehrenamtliche Ordner des FC Bayern im Sommer 2005 eine Temposünde Beckenbauers vertuschte, indem er sie als Polizeieinsatz ausgab. Die Urkundenfälschung stelle ein schweres Vergehen dar, für das er aus dem Dienst entfernt werden müsse, sagte Richterin Cornelia Sauter-Schwarzmeier am Donnerstag.

Der Beamte war bereits im Dezember 2005 wegen Urkundenfälschung zu acht Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Damals kam das Gericht zu dem Schluss, dass der Polizist ein Bußgeld für Beckenbauer vereitelt hatte. Der FC-Bayern-Präsident war am 10. Juni 2005 in München am Steuer eines Autos aus dem Fuhrpark des Fußballclubs geblitzt worden. In einem Baustellenbereich fuhr er statt der erlaubten 30 mit 74 Stundenkilometern, was einen Führerscheinentzug nach sich gezogen hätte. Der 42-Jährige habe mit Hilfe eines Kollegen und eines Sachbearbeiters im Münchner Kreisverwaltungsreferat die Fahrt als Polizeieinsatz ausgegeben.

Weil neue Vorwürfe gegen den Angeklagten auftauchten, wurde das Verfahren wieder aufgenommen. Der Beamte, der nach eigener Aussage mit mehreren FC-Bayern-Spielern private Kontakte pflegte, soll auch versucht haben, Temposünden des früheren Bayern-Kickers Michael Ballack zu vertuschen. Der Sportler war in der Gemeinde Berg im Landkreis Starnberg geblitzt worden.

Vor Gericht sagten drei als Zeugen geladene Mitarbeiter der Gemeinde, darunter auch der Bürgermeister, es seien entsprechende Anrufe bei ihnen eingegangen. Der Angeklagte selbst wies die Vorwürfe zurück. Der ebenfalls als Zeuge geladene Ballack, der mittlerweile beim FC Chelsea spielt, erschien nicht vor Gericht. Nachdem sich Ballack bereits zum zweiten Mal entschuldigt hatte, verzichtete die Anklage schließlich auf diesen Zeugen.

Zu der vertuschten Temposünde Beckenbauers sagte der Angeklagte: «Es war unüberlegt, dumm und absolut naiv von mir. Mir würde es nicht mehr wieder passieren.» Das Verwaltungsgericht bestätigte die Bewährungsstrafe und verfügte, dass der 42-Jährige aus dem Polizeidienst entfernt wird. Für sechs Monate bekommt er laut Urteil noch 75 Prozent seines Gehalts.

(AP)

 

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