Aktuelle Nachrichten – Technik
26.07.2009
Schwerin – Es dampft und zischt, als die 111 Jahre alte Dampflok „91 134“ nach zehnjährigem Stillstand wieder auf große Reise geht: Mit einer Sonderfahrt vom Schweriner Hauptbahnhof ins 30 Kilometer entfernte Rehna nahm das alte Schätzchen am Sonntag den Fahrbetrieb wieder auf. „Einfach toll“ – so lautet das Urteil des 38-jährigen Karl Kogel und seines 6-jährigen Sohns Sven, die mit leuchtenden Augen die Premierenfahrt in einem der fünf an die Lok gehängten historischen Reisezugwagen miterleben.
Glücklich ist auch Lokführer Dieter Heilmann, einer der rührigsten Mitglieder des Vereins Mecklenburgischen Eisenbahnfreunde. „Endlich darf sie wieder fahren“, freut er sich und schickt unter dem Jubel der Eisenbahnfreaks zur Abfahrt ein gellendes Dampfsignal in den leicht bewölkten Sommerhimmel. Am Tag zuvor hatte er mit seinen Helfern die betagte Lok für ihren sonntäglichen Ausflug auf Hochglanz poliert und vorgeheizt.
Nur mit Hilfe von privaten Spendern und einem Zuschuss des Landes Mecklenburg-Vorpommern haben die Schweriner Eisenbahnfreunde die erforderlichen 70.000 Euro für die aufwändigen Restaurierungs- und Reparaturarbeiten zur Wiederherstellung des sicheren Fahrbetriebs der Lok aufbringen können. „Wir sind glücklich und danken allen Beteiligten für die Unterstützung“, sagt der strahlende Vereinssprecher Klaus-Dieter Voß. Nach der erfolgreichen Hauptuntersuchung kann die Lok nun weitere acht Jahre eingesetzt werden.
Die 1898 von der „Elsässischen Maschinenbaugesellschaft Grafenstaden“ gebaute Schweriner Veteranin war lange Zeit die älteste betriebsfähige Dampflok Deutschlands, ehe sie 1999 ihre Betriebszulassung wegen der seinerzeit nicht finanzierbaren Reparaturarbeiten verlor. Während der daraus resultierenden Stilllegung möbelte man im Bayerischen Eisenbahnmuseum Nördlingen eine noch neun Jahre ältere Dampflok – die LAG7 „Füssen“ – wieder auf und machte sie betriebsfähig. Damit verlor das Schweriner Traditions-Gefährt zwar den Titel „älteste betriebsfähige Normalspur-Dampflok Deutschlands“, aber nicht Reiz und Anziehungskraft für Jung und Alt.
Bereits am Vortag ihrer Wiederinbetriebnahme hatten Interessierte das Anheizen und die Vorbereitungsarbeiten für die erste Fahrt nach der Neuzulassung im Mecklenburgischen Einsenbahn- und Technikmuseum Schwerin verfolgt. Für den erfahrenen Lokführer Heilmann bestehen keinerlei Zweifel an Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit seiner alten Lady. Bereits bei der sogenannten Lastprobefahrt am 12. Juli habe sie alle Prüfungen bestanden.
Zunächst soll das alte Dampfross, das bis 1966 noch als Rangierlok auf dem Schweriner Hauptbahnhof normalen Betriebsdienst leistete, die Außenstandorte der Schweriner Bundesgartenschau in Rehna, Parchim und Ludwigslust anlaufen. Das ist nicht immer ganz einfach, denn der Sonderzug muss in den normalen Verkehrsbetrieb der Deutschen Bahn eingegliedert werden. Bis zu 200 Passagiere können pro Fahrt befördert werden.
Als „besonderes Erlebnis und touristisches Highlight“ wertet Mecklenburg-Vorpommerns Minister für Verkehr, Bau und Landesentwicklung, Volker Schlotmann, die Fahrten mit dem Dampfzug und hat noch einen guten Wunsch: „Allzeit reibungslosen Betrieb!“
http://www.mef-schwerin.de (AP)
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