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Bestandsaufnahme Urananreicherung im Iran erneut im Blickpunkt

George Jahn

26.02.2009

Der Generaldirektor der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO, englisch: International Atomic Energy Agency, IAEA) Mohamed ElBaradei. (AP Photo/Hans Punz)
Der Generaldirektor der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO, englisch: International Atomic Energy Agency, IAEA) Mohamed ElBaradei. (AP Photo/Hans Punz)

Wien – Hat der Iran schon genügend Uran zur Herstellung einer Atombombe? Eines ist klar – auch wenn dies heute noch nicht der Fall ist, so kann das Programm mit einfachen Mitteln beschleunigt werden.

Die Frage nach den nuklearen Fähigkeiten des Irans hat kürzlich einmal mehr die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) beschäftigt, in einem Bericht über das Programm zur Urananreicherung, das sowohl der Produktion von Kernbrennstoff für die Stromerzeugung als auch der Herstellung von spaltbarem Material für Atomsprengköpfe dienen kann. Und in der nächsten Woche kommt der Gouverneursrat der IAEA in Wien zusammen, um unter anderem über die Weigerung der Teheraner Regierung zu beraten, die Forderung des Weltsicherheitsrates nach einem Einfrieren des Urananreicherungsprogramms zu erfüllen.

In diesem Programm hat der Iran bislang 1.010 Kilogramm schwach angereichertes Uran erzeugt. Allgemein wird gesagt, dass 1.100 Kilogramm erforderlich sind, um 25 Kilogramm hoch angereichertes Uran zu erzeugen, womit ein Atomsprengkopf bestückt werden könnte.

Aber alle diese Zahlen sind umstritten. Einige Experten sagen, dass 1.010 Kilogramm ziemlich nahe an dieser Mindestmenge von 1.100 Kilogramm sind. Andere aber erklären, dass dies kaum ausreiche – selbst wenn der Iran den unwahrscheinlichen Schritt wagen sollte, sein Anreicherungsprogramm unter den Augen der vor Ort befindlichen IAEA-Inspekteure für die Produktion von waffenfähigem Uran zu konfigurieren. Wieder andere nehmen eine Zwischenposition ein und sagen, es gebe zu viele unbekannte Dinge, um eine klare Prognose abzugeben.

Was ist mit den Standby-Zentrifugen?

In diesem Streit gerät aber eine Tatsache aus dem Blick: Sollte der Iran tatsächlich an der Bombe interessiert sein, hätte er die Kapazität, um die Produktion von schwach angereichertem Uran hochzudrehen und jede benötigte Menge zu erzeugen. Nahezu 4.000 Maschinen sind bislang für die Urananreicherung im Einsatz. Wenig beachtet, enthält der jüngste IAEA-Bericht aber auch die Information, das 1.600 weitere Maschinen für die Anreicherung von Urangas bereitstehen, als Standby-Zentrifugen.

Am Mittwoch gab der Iran bekannt, dass nun 6.000 Zentrifugen in der Anreicherungsanlage bei Natans „in Betrieb“ seien – einschließlich der in Bereitschaft gehaltenen Maschinen. Der Chef des iranischen Atomprogramms, Gholam Resa Aghasadeh, hat sogar gesagt, dass der Iran hoffe, innerhalb der nächsten fünf Jahre mehr als 50.000 Zentrifugen zu installieren.

Die Techniker in den riesigen unterirdischen Anlagen bei Natans müssten nicht viel mehr tun, als die zusätzlichen 1.500 Maschinen anzuschließen. Dann würde die Tagesproduktion von derzeit 2,2 Kilogramm schwach angereichertem Uran auf 3 Kilogramm steigen. Mit 5.600 Zentrifugen könnte der Iran in einem Monat etwa 100 Kilogramm schwach angereichertes Uran erzeugen – und damit wäre die Mindestmenge von 1.100 Kilogramm erreicht.

IAEA bescheinigt Teheran gute Zusammenarbeit

Die Regierung in Teheran erklärt immer wieder, dass nur schwach angereichertes Uran für Kernbrennstäbe erzeugt werden soll. Aber warum werden nicht alle verfügbaren Zentrifugen dafür eingesetzt? Warum sind in dem Zeitraum vom vorletzten IAEA-Bericht im November 2008 bis zu dem jetzt vorgelegten Bericht nur etwa 200 Zentrifugen neu in Betrieb gegangen?

IAEA-Generaldirektor Mohamed ElBaradei hat kürzlich angedeutet, dass sich Teheran aus politischen Gründen zurückhalte, um bessere Beziehungen zu der neuen Regierung in den USA zu ermöglichen. Aber einige seiner Mitarbeiter sehen den Grund eher in technischen Problemen in Natans. Sie haben bemerkt, dass Zentrifugen häufig defekt werden und dass deswegen immer Ersatzgeräte bereitstehen.

Was auch immer die Gründe sind – die IAEA ist geschlossen, wenn es darum geht, jüngste Vermutungen zurückzuweisen, wonach der Iran bemüht sein soll, die tatsächliche Produktion von schwach angereichertem Uran zu verbergen, indem zwischen den einmal im Jahr stattfindenden IAEA-Inspektionen absichtlich geringere Schätzungen mitgeteilt werden. Diese Fehler seien innerhalb der üblichen Irrtumswahrscheinlichkeit, erklärte die internationale Organisation.

„Die Behörde hat überhaupt keinen Grund zu der Annahme, dass die Schätzungen zur produzierten Menge von schwach angereichertem Uran ein bewusster Irrtum des Irans waren“, erklärte IAEA-Sprecherin Melissa Fleming. „Der Iran hat in dieser Angelegenheit eine gute Zusammenarbeit gezeigt und wird daran arbeiten, seine künftigen Schätzungen zu verbessern.“ Selbst Diplomaten westlicher Staaten, die dem Iran Ambitionen zum Bau einer Atomwaffe vorwerfen, stimmen zumindest diesmal zu, dass Teheran sich keiner Täuschung schuldig gemacht hat.

http://www.iaea.org/

http://www.fas.org/ (AP)

 

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