München – Sepp Daxenberger kennt das Gefühl, die CSU zu besiegen. 1996 wurde er im oberbayerischen Waging am See erster Bürgermeister der Grünen in Bayern. Im Kernland der CSU bezwang er deren Kandidaten und wurde sechs Jahre später mit 75,6 Prozent wiedergewählt. Ein Ergebnis, wie es in Bayern in der Regel nur die CSU erreicht. Als Spitzenkandidat zur Landtagswahl am kommenden Sonntag ist Daxenberger nun der Sympathie- und Hoffnungsträger der bayerischen Grünen.
Seit 2002 ist er Landeschef seiner Partei. Daxenberger zählt zu den beliebtesten Politikern in Bayern. Seinen Bürgermeisterposten gab er nach zwölf Jahren ab, um sich auf die Landespolitik zu konzentrieren. In breitem bayerischem Dialekt hält der bärtige Landwirt seine Wahlkampfreden in Bierzelten und Gaststätten. Im Wahlkampfspot betont er vor Bergkulisse seine Heimatverbundenheit. Dabei ist Daxenberger der Gegenentwurf zur CSU. Er tritt für den Atomausstieg ein und will Bayern als überzeugter Biolandwirt zur gentechnikfreien Zone machen. Statt Trachtenanzügen trägt der 46-jährige selbst bei Empfängen Holzfällerhemd und Jeans zum Jackett. Sein Wahlkampfziel ist es, die absolute Mehrheit der CSU zu brechen. „Wir müssen die Machtfrage stellen“, fordert er von seiner Partei.
Volksnähe will der gelernte Landwirt und Schmied dabei verkörpern. „Da hilft kein Programm, wenn Du ein Ekel bist“, erklärte der Pragmatiker einmal. Seine grünen Ideen will der dreifache Familienvater nicht ideologisch durchdrücken. Er wolle den Menschen zeigen, dass Umweltschutz und wirtschaftlicher Erfolg zusammengehören, hebt Daxenberger hervor.
Bei den Wählern kommt dieser Kurs an. Laut aktuellen Umfragen kann die Partei bei der Landtagswahl mit einem zweistelligen Ergebnis rechnen. Dennoch musste Daxenberger im Wahlkampf auch Steine aus dem Weg räumen. Im Juni fassten die bayerischen Grünen auf ihrem Landesparteitag einen Beschluss, wonach alle religiösen Symbole aus öffentlichen Einrichtungen verschwinden sollen – also auch das Kreuz. Die CSU nutzte die Steilvorlage sofort. Daxenberger als bekennender Christ ist damit nicht glücklich.
Neben der CSU kämpft Daxenberger gegen eine heimtückische Krankheit. 2003 stellten Ärzte bei ihm Knochenmarkkrebs fest. Vom Krankenbett aus ließ Daxenberger sich 2006 trotz eines Rückfalls wieder zum Landeschef wählen. Mit Chemotherapien kämpft er gegen die Krankheit, die derzeit gestoppt ist. Den Wahlkampf empfindet der Grünen-Politiker dennoch nicht als Strapaze. Reden und Termine, das sei doch „wie Urlaub“, meint der Landwirt. (AP)