Aktuelle Nachrichten – International
03.02.2007
Washington/Bagdad – Zu wenig Sicherheitskräfte, eine geringe Hemmschwelle für Gewalt und eine zunehmende Polarisierung im Irak gehören nach Ansicht der US-Geheimdienste zu den großen Herausforderungen an die Regierung in Bagdad. Die Sicherheitslage drohe sich noch weiter zu verschlechtern, heißt es in einem am Freitag vorgestellten gemeinsamen Bericht der 16 Geheimdienste.
Die Analysten kommen laut einer veröffentlichten Zusammenfassung zu dem Schluss, dass der Begriff „Bürgerkrieg“ die komplexe Lage im Irak nicht erfasse, aber Schlüsselprobleme durchaus treffend reflektiere. Dazu gehörten die Verhärtung der Fronten zwischen einzelnen Volksgruppen oder eine grundlegende Veränderung des Charakters der Gewalt.
Der Bericht warnt vor einem schnellen Abzug der US-Truppen aus dem Irak. Das Weiße Haus sieht sich dadurch in seiner neuen Strategie bestätigt, die den Einsatz weiterer 21.500 Soldaten in Bagdad und der Provinz Anbar vorsieht. Die von den Irakern zugesagten zusätzlichen Truppen in Bagdad treffen unterdessen gemäß Zeitplan ein, teilte US-Verteidigungsminister Robert Gates am Freitag mit. Die Zahl der Soldaten reiche aber noch nicht aus.
US-Präsident George W. Bush will für die Einsätze im Irak und in Afghanistan in diesem Jahr weitere 100 Milliarden Dollar (76,8 Milliarden Euro) beantragen. Das teilte ein hoher Regierungsbeamter am Freitag in Washington mit. Damit würden sich die für 2007 veranschlagten Gelder für die beiden Konfliktherde auf insgesamt etwa 170 Milliarden Dollar erhöhen. Für das Haushaltsjahr 2008 will die Regierung dem Gewährsmann zufolge 145 Milliarden Dollar für die militärischen und diplomatischen Aktionen im Irak und in Afghanistan beantragen.
US-Soldaten töteten bei Gefechten in Ramadi nach eigenen Angaben mindestens 18 irakische Aufständische. Die Truppen wurden nach Angaben eines Militärsprechers am Donnerstagabend und am Freitag von mehreren Positionen aus angegriffen und reagierten unter anderem mit dem Abschuss zweier Raketen.
Nördlich von Bagdad wurde am Freitag ein Hubschrauber der US-Streitkräfte abgeschossen, wie Augenzeugen und die Polizei berichteten. Der Zwischenfall habe sich in der Nähe von Tadschi ereignet, rund 20 Kilometer von der irakischen Hauptstadt entfernt, hieß es. Bewaffnete beschossen demnach am Morgen zwei US-Hubschrauber, einer der Helikopter ging zu Boden. Die US-Truppen bestätigten lediglich, dass ein Hubschrauber abgestürzt sei. In den vergangenen beiden Wochen verloren die Streitkräfte bereits drei Hubschrauber im Irak.
Nach dem Selbstmordanschlag in der Stadt Hilla stieg die Zahl der Todesopfer auf mindestens 73, wie die Polizei am Freitag erklärte. Mehr als 160 Menschen wurden verletzt. Auf einem belebten Markt in der schiitischen Ortschaft südlich von Bagdad hatten sich am Donnerstag zwei Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Anschlägen und Angriffen am Freitag fielen mindestens sechs Menschen zum Opfer, darunter der sunnitische Vorsitzende des Stadtrats von Falludscha. Abbas Ali Hussein galt als scharfer Kritiker der Terrorgruppe Al Kaida.
(AP)
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