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US-Offiziere offenbar früh über mutmaßliches Massaker informiert

Kim Gamel

03.06.2006

Iman Walid Abdul-Hameed, ein junges Mädchen, das aussagte, sie wäre im Haus gewesen, als die Schüsse in Haditha fielen. Ihr Bruder und mehrere Verwandte wären getötet worden und sie verlange Vergeltung. (AP Photo/APTV)
Iman Walid Abdul-Hameed, ein junges Mädchen, das aussagte, sie wäre im Haus gewesen, als die Schüsse in Haditha fielen. Ihr Bruder und mehrere Verwandte wären getötet worden und sie verlange Vergeltung. (AP Photo/APTV)

Washington/Bagdad - Ranghohe Offiziere der amerikanischen Marineinfanterie sind nach einem Zeitungsbericht schon zwei Tage nach dem mutmaßlichen Massaker in der irakischen Stadt Haditha über den Vorfall informiert worden. Die «New York Times» berichtete in ihrer Samstagsausgabe, die Offiziere hätten frühzeitig gewusst, dass die Zivilpersonen in Haditha nicht bei einem Bombenanschlag ums Leben gekommen, sondern erschossen worden seien.

Nichts habe jedoch darauf hingedeutet, dass die Iraker absichtlich erschossen worden seien, berichtete die Zeitung weiter. Daher sei auch keine Untersuchung eingeleitet worden. Die US-Truppen stehen unter Verdacht, im November in Haditha 24 Zivilpersonen - darunter Frauen und Kinder - massakriert zu haben.

Neue Filmaufnahme der Nachrichtenagentur APTN aus Haditha zeigten am Samstag zerschossene Wände eines Hauses. Die neunjährige Iman Walid Abdul Hamid sagte, sie habe sich zum Zeitpunkt der Schüsse im Haus aufgehalten. Ihr Bruder und mehrere andere Verwandte seien getötet worden. «Wir wollen, dass die Amerikaner genauso verletzt werden wie wir», sagte sie.

Ein Anwalt von überlebenden Familienmitgliedern sagte am Freitag, drei oder vier Marineinfanteristen hätten die Schüsse abgegeben, während etwa 20 weitere vor der Tür gewartet hätten. Die Angehörigen der Opfer hätten eine Bitte der US-Ermittler, die Leichen exhumieren zu dürfen, jedoch aus religiösen Gründen abgelehnt, erklärte Chaled Salem Rsajef.

Separate Ermittlungen nach einem ähnlichen Zwischenfall in dem irakischen Dorf Ischaki ergaben nach US-Angaben kein Fehlverhalten der Verantwortlichen. «Der Kommandeur der Bodentruppen hat sich an die Einsatzregeln gehalten», sagte Generalmajor William Caldwell am Freitag. Es gebe keinen Anlass zu Disziplinarmaßnahmen gegen die Truppen. Die Soldaten hätten geglaubt, in dem angegriffenen Gebäude halte sich ein Al-Kaida-Terrorist auf, und hätten Luftunterstützung angefordert. Daraufhin sei ein Kampfflugzeug vom Typ AC-130 eingesetzt worden.

Insgesamt starben in dem Dorf Ischaki nördlich von Bagdad bei dem Angriff nach US-Angaben vier Menschen. Caldwell räumte jedoch ein, möglicherweise habe es bis zu neun weitere Opfer gegeben. Augenzeugen in Ischaki sprachen von insgesamt elf Toten. Auf Videoaufnahmen der Fernsehnachrichtenagentur APTN waren die Leichen von vier Kindern und einem Mann zu sehen. Das Haus der Familie wurde völlig zerstört.

Rijadh Madschid, ein Verwandter der Opfer, erklärte, US-Soldaten seien mit einem Hubschrauber gelandet und hätten das Haus gestürmt. Ein weiterer Angehöriger, Ahmed Chalaf, sagte, es seien neun Mitglieder der Familie und zwei Besucher getötet worden. Ein anderer, Issa Hrat Chalaf, forderte eine unabhängige Untersuchung der Vorwürfe und die Verhängung der Todesstrafe gegen die Verantwortlichen.

Nach US-Darstellung waren die Truppen während einer nächtlichen Razzia aus dem Gebäude beschossen worden. Ein mutmaßliches Al-Kaida-Mitglied sei aus dem Haus geflüchtet und später gefasst worden.

General fordert moralisches Verhalten von Soldaten

Angesichts der Vorwürfe rief der oberste US-General im Irak seine Soldaten zu moralischem Verhalten auf. In einem Brief von General George Casey heißt es, die kämpfenden Truppen hätten oft schwierige Entscheidungen in gefährlichen Situationen zu treffen. «Aber die Einhaltung der Rechtsprinzipien für bewaffnete Konflikte ist für jede militärische Organisation fundamental.» Der Brief datiert vom Donnerstag und wurde vom Sender ABC News verbreitet.

(AP)

 

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