Aktuelle Nachrichten – International
04.09.2012
Foto: © 2012 AP. Photographer: Lynne Sladky/AP
Charlotte – Bislang war das Fernsehen das dominierende Medium bei US-Parteitagen. Doch das könnte sich angesichts der wachsenden Bedeutung der sozialen Netzwerke im Internet schon bald ändern. So fielen die Zuschauerzahlen beim Nominierungsparteitag der Republikaner in der vergangenen Woche deutlich im Vergleich zu jenem 2008. Zunächst könnte man daraus schließen, dass das Interesse am Präsidentschaftswahlkampf in diesem Jahr einfach geringer ausfällt als in der Vergangenheit. Doch tatsächlich war der Parteitag bei Online-Netzwerken ein Renner. Ein Zeichen also, dass die politische Debatte zunehmend von den traditionellen Medien ins Internet wandert.
Das Marktforschungsinstitut Nielsen schätzt, dass rund 30,3 Millionen Zuschauer über elf Fernsehsender verteilt am Donnerstagabend die Rede des republikanischen Herausforderers Mitt Romney verfolgt haben. Das ist ein Einbruch von 23 Prozent im Vergleich zu jener Nacht vor vier Jahren, als fast 39 Millionen Menschen John McCain zusahen. Noch krasser ist die Erosion der Zuschauerzahlen seit 2008, blickt man auf Romneys Vize Paul Ryan. Dessen Rede am Mittwoch wollten noch 22 Millionen Menschen sehen. Das sind 41 Prozent weniger als beim Debüt von Sarah Palin vor vier Jahren. Damals schalteten rund 37 Millionen Menschen ein.
Tatsächlich spielt bei der Nutzung des Fernsehgeräts offenbar auch das Alter eine Rolle. So fand Nielsen heraus, dass bei der Rede von Romneys Frau Ann fast 22 Millionen zusahen, davon waren fast 15 Millionen 55 Jahre oder älter. Nur 1,5 Millionen Zuschauer waren zwischen 18 und 34 Jahren.
Doch auch wenn Parteitage zunehmend Fernsehzuschauer verlieren, so stoßen sie doch im Internet - wo sich viele junge Wähler informieren - auf große Resonanz. "Es ist nicht immer einfach, vor einem Fernseher zu sitzen und einen Parteitag zu verfolgen, wenn man ihn auch online, auf Abruf oder wann immer man sonst es möchte, anschauen könnte", sagt der Professor für politische Wissenschaft, Costas Panagopoulos, von der Fordham-Universität. "Der Wandel der Medienlandschaft hat den Leuten die Möglichkeit gegeben, Informationen über die Parteitage über Online-Netzwerke und andere nicht traditionelle Quellen zu bekommen", sagt Panagopoulos, der sich dem Thema politische Versammlungen wissenschaftlich widmet.
Doch noch ist das Fernsehen die dominierende Kraft in Sachen politischer Kommunikation. Beide Wahlkampfteams haben Millionen dafür ausgegeben, um sich mittels perfekt gestalteter Fernsehbilder auf ihren Parteitagen zu präsentieren. Ganz zu schweigen von jenen 240 Millionen Dollar, die beide Parteien und ihnen nahestehende Unterstützergruppen bislang für Fernsehwerbung ausgegeben haben. Doch dank der Technik finden solche Bilder ihren Weg auch auf Bildschirme, die nicht zwangsläufig die eines Fernsehers sein müssen.
Beide Parteien boten die Möglichkeit, online die Versammlungen per Live-Streaming zu verfolgen. Auch zahlreiche Fernsehsender und Printtitel lieferten auf ihren Web- und Facebook-Seiten gestreamte Videos und andere Möglichkeiten, sich online zu informieren.
Zu einem mittlerweile einflussreichen Medium hat sich auch der Kurznachrichtendienst Twitter gemausert. Kamen die Parteitage beider US-Parteien vor vier Jahren auf zusammen gerade mal 365.000 Tweets, so erreichten die Republikaner dieses Mal alleine bereits fünf Millionen Nachrichten mit einer Länge von bis zu 140 Zeichen. Twitter und andere Dienste erlaubten es den Menschen, die Nachrichten dort zu konsumieren, wo sie sich gerade aufhielten, sagt der für Regierungsbeziehungen und Nachrichten zuständige Direktor bei Twitter, Adam Sharp. "Du bist nicht länger an diesen Bildschirm in deinem Wohnzimmer oder anderswo gebunden. Du kannst aktiv an diesen Veranstaltungen teilnehmen, während du gerade im Supermarkt an der Kasse stehst oder auf den Bus wartest", sagt Sharp.
dapd
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