Aktuelle Nachrichten – International
30.04.2012
Foto: Courtesy of Hu Jia/AP Photo
Peking – China und die USA wollen offenbar innerhalb der kommenden zwei Tage über das Schicksal des vermutlich in die amerikanische Botschaft in Peking geflüchteten Bürgerrechtlers Chen Guangcheng entscheiden. Eine Einigung über ein mögliches Asyl solle noch vor den bilateralen Gesprächen der beiden Länder am Donnerstag erzielt werden, sagte Bob Fu von der im US-Staat Texas ansässigen Gruppe ChinaAid am Montag. Berichten zufolge war der blinde Dissident Chen in der vergangenen Woche in Peking aus dem Hausarrest entkommen und hatte dann in der diplomatischen Vertretung der USA Schutz gesucht.
Beide Seiten seien "sehr um eine Lösung des Problems bemüht", sagte Fu unter Berufung auf Regierungskreise in China und den USA. Die entscheidende Frage sei, ob Peking Bereitschaft zeige, den Dissidenten Chen ausreisen zu lassen. Die Vertretung der EU in China forderte die Regierung des Landes am Montag in einer Stellungnahme auf, behutsam mit dem Fall umzugehen und von weiterer Schikanierung des Aktivisten und seiner Familie abzusehen. Die US-Botschaft in Peking wollte sich zunächst nicht zum Thema äußern.
Der Dissident Chen konnte offenbar schon am Sonntag vor gut einer Woche nach eineinhalb Jahren aus seinem Hausarrest entkommen. Der Bürgerrechtler Hu Jia traf ihn nach eigenen Angaben und sprach mit seinen Bekannten. Diese hätten ihm gesagt, dass Chen an einem sicheren Ort sei. Damit könne nur die Botschaft der USA gemeint gewesen sein, sagte er.
Chen gilt als eine der Schlüsselfiguren der chinesischen Bürgerrechtsbewegung. Der Dissident Chen ist seit einer Erkrankung in seiner Kindheit blind und setzte sich gegen Zwangsabtreibungen und -sterilisationen ein. Bis September 2010 verbüßte er dafür eine vierjährige Haftstrafe, seitdem stand er ohne rechtliche Grundlage unter Hausarrest.
Zuletzt hatte sich Chen in einem Video direkt an Ministerpräsident Wen Jiabao gewandt. In der Aufnahme kritisierte der Dissident Chen den Umgang mit ihm und seiner Familie und erhob Vorwürfe gegen Funktionäre der Kommunistischen Partei.
(dapd)
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