Aktuelle Nachrichten – International
20.10.2010
Berlin – Angesichts jährlich knapp 80 Millionen ungewollter Schwangerschaften in Entwicklungsländern haben die Vereinten Nationen mehr Verhütungsmittel und Beratung gefordert. Auf diese Weise könnte die Müttersterblichkeit um rund 30 Prozent sinken, heißt es in dem am Mittwoch in Berlin vorgestellten UN-Weltbevölkerungsbericht 2010. In den ärmsten Ländern sterben täglich rund 1.000 Frauen an Komplikationen während der Schwangerschaft oder bei der Geburt.
Die meisten dieser Todesfälle könnten durch medizinische Betreuung verhindert werden, sagte die Geschäftsführerin der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung , Renate Bähr. Doch nur etwa zwei Drittel aller Geburten würden von geschultem Personal betreut. Rund 215 Millionen Frauen auf der Welt wollten verhüten, könnten es aber nicht, weil sie keinen Zugang zu Kondomen oder zur Pille hätten, fügte Bähr hinzu.
Derweil kündigte die Bundesregierung eine Initiative zur Verbesserung der Familienplanung in Entwicklungsländern an. Die Finanzmittel in diesem Bereich sollen ab 2011 auf jährlich 80 Millionen Euro verdoppelt werden, wie die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesentwicklungsministerium, Gudrun Kopp , sagte.
Laut dem Bericht haben Frauen, die selbst entscheiden können, wann und ob sie schwanger werden, eher eine komplikationslose Schwangerschaft und nehmen auch eher Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch. Ihre Kinder wiederum haben bessere Chancen, die Säuglingszeit und frühe Kindheit zu überleben. Mädchen, deren Mütter überleben, gehen im Durchschnitt länger zur Schule und schieben die erste Geburt eher bis zu ihrem 20. Lebensjahr hinaus. Dadurch verringern sie ihr Risiko, an schwangerschafts- oder geburtsbedingten Komplikationen zu sterben.
Die Geburtenrate bei den 15- bis 19-Jährigen liegt den Angaben zufolge in den am wenigsten entwickelten Ländern bei durchschnittlich 103 Geburten pro 1.000 Frauen – und damit um etwa das Fünffache über dem Durchschnittswert der am höchst entwickelten Länder. Hier beträgt die Geburtenrate 21 Geburten pro 1.000 Frauen derselben Altersgruppe. In Deutschland liegt der Wert bei acht Geburten pro 1.000 weiblichen Teenagern, in der Demokratischen Republik Kongo bei 201.
UNPFA-Vertreterin Bettina Maas forderte, vor allem Frauen und Mädchen besser vor sexueller Gewalt zu schützen. In bewaffneten Konflikten würden Vergewaltigungen immer häufiger als Instrument der Kriegsführung eingesetzt. Die durch Vergewaltigungen erlittenen Traumata wirkten weit über das Kriegsende hinaus nach und könnten ganze Gesellschaften destabilisieren. Sie wies auf den zehnten Jahrestag der UN-Resolution 1325 hin, mit der im Jahr 2000 erstmals alle Parteien bewaffneter Konflikte aufgefordert worden seien, Mädchen und Frauen besser zu schützen.
Wenn Frauen und Mädchen als gleichberechtigt wahrgenommen würden, würden sie auch seltener Opfer von Vergewaltigungen und könnten besser zu Friedensprozessen beitragen, sagte Maas. Sie betonte, die mit Konflikten und Naturkatastrophen einhergehende Gewalt und sexuellen Übergriffe beschränkten sich nicht auf Frauen und Mädchen. Auch Männer hätten angefangen, über Missbrauch und Erniedrigung zu sprechen.
Der diesjährige Bericht des UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA) trägt den Titel "Krise, Frieden, Wiederaufbau: Gesellschaften im Wandel". Für die deutsche Fassung ist die Deutsche Stiftung für Weltbevölkerung (DSW) zuständig.
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