Aktuelle Nachrichten – Unternehmen
15.12.2009
Foto: AP Photo/Joerg Sarbach
Hannover (APD) Der Reisekonzern TUI hat sich 2009 nur mit dem Verkauf der Mehrheit an der Containerreederei Hapag-Lloyd in die Gewinnzone gerettet. Im neunmonatigen Rumpfgeschäftsjahr erzielte TUI einen Nettogewinn von 401 Millionen Euro, wie der Konzern am Dienstag in Hannover mitteilte. Darin enthalten ist der Netto-Erlös von 844 Millionen Euro aus dem Verkauf. Die Dividendenzahlung soll entfallen.
Im Kerngeschäft Touristik verbesserte sich das TUI-Ergebnis um 5 Prozent auf einen operativen Gewinn von fast 700 Millionen Euro. Die Reederei Hapag-Lloyd fuhr einen Verlust von 675 Millionen Euro ein, wovon 43 Prozent auf TUI entfallen. Die Containerreederei leidet schwer unter der Wirtschaftskrise, weil die Frachtmengen eingebrochen sind. Die TUI-Nettoverschuldung lag Ende September bei 2,3 Milliarden Euro, rund 500 Millionen Euro niedriger als vor einem Jahr.
TUI legte eine Bilanz für das Rumpfgeschäftsjahr von Januar bis Ende September vor. Der Konzern stellt sein Geschäftsjahr vom Kalenderjahr um auf das touristische Jahr, das mit dem Ende der Sommersaison Ende September endet.
In der Touristik litt TUI unter Umsatzverlusten, konnte aber die Margen stabil halten. Der Umsatz fiel um 14 Prozent auf 13,1 Milliarden Euro, der operative Touristik-Gewinn stieg dagegen um 5 Prozent auf fast 700 Millionen Euro. Der Umsatz umfasst nach dem Hapag-Verkauf nur noch das Touristik-Geschäft, nicht mehr die Schifffahrt.
TUI setzt in der Touristik in Zukunft nach Angaben von Konzernchef Michael Frenzel noch mehr auf „Klasse statt Masse“. So sollen Clubs der Edelmarke Club Robinson ausgebaut werden. Frenzel kündigte den Verkauf einzelner Hotels und anderer Immobilien an, um rund 500 Millionen Euro an Liquidität kommendes Jahr locker zu machen.
Bei Hapag-Lloyd erinnerte Frenzel an die dramatische Lage im Lauf des Jahres. Die wichtigste deutsche Containerreederei konnte im Sommer nur durch eine gemeinsame Aktion von TUI, den Haupteigentümern des Hamburger Konsortiums Albert Ballin und der Bundesregierung vor der Pleite gerettet werden. Der Umsatz war um fast 30 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro eingebrochen.
Frenzel machte klar, TUI plane weiterhin einen vollständigen Ausstieg bei Hapag-Lloyd. Als mögliches Zeitziel nannte er die Jahre 2012/2013, wenn sich die Schifffahrtsmärkte erholt haben sollten. Insgesamt hat TUI 2,5 Milliarden Euro an Verpflichtungen in Hapag-Lloyd stecken. Frenzel rechnet nach einer Erholung der Schifffahrtsmärkte mit hohen Gewinnen bei der Reederei. Weil die Investitionen laut Frenzel völlig gestoppt sind, würden bei einer Geschäftserholung die Gewinne kräftig steigen.
Im kommenden Jahr erwartet der Konzern eine stabile Entwicklung in der Touristik. Bei Hapag-Lloyd zeichnen sich nach seinen Angaben seit einigen Monaten steigende Frachtraten ab. Er sehe die Chance „dass Hapag-Lloyd früher als noch vor wenigen Wochen erwartet in ruhigeres Fahrwasser kommt“.
Der langjährige TUI-Finanzchef Rainer Feuerhake geht im kommenden Jahr in den Ruhestand, wie Frenzel sagte. Sein Nachfolger wird Controlling-Vorstand Horst Baier. Feuerhake war der praktische Organisator des Firmenumbaus weg von der früheren Preussag hin zur TUI, den Frenzel als Vorstandsvorsitzender durchgesetzte hatte. (AP)
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