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26.12.2008
Weltweit erklingt alljährlich die frohe Botschaft der Weihnachtsgeschichte. Damit ist Weihnachten das populärste Fest überhaupt. Überall bringt es unterschiedliche Traditionen hervor.
Auch auf der Atlantikinsel Madeira haben sich spezielle Weihnachtsbräuche herausgebildet. Sie sind geprägt von der katholischen Herkunft der portugiesischen Entdecker, die vor mehr als fünfhundert Jahren durch puren Zufall auf diese Inselgruppe stießen. Von Anfang an hielten sie Madeira für etwas Besonderes.
Das Klima ist außergewöhnlich, denn mitten im Atlantik auf der Höhe der westafrikanischen Stadt Casablanca sorgen hier im Sommer die berühmten Trade Winds für eine angenehme Kühle. Im Winter dagegen wird Madeira aufgeheizt durch warme Strömungen, die vom Atlantik her die Insel umspülen und damit der kalten Jahreszeit ein Schnippchen schlagen.
Durch diese natürliche Fernheizung gedeiht auf Madeira eine Vegetation, wie sie zu dieser Jahreszeit in Europa ihresgleichen sucht. Als „Blumeninsel“ macht sie daher auch im Dezember ihrem Namen alle Ehre. Nicht zuletzt deshalb, weil hier die Blume des Monats, der Weihnachtsstern, in unglaublicher Fülle hervorsprießt und weite Teile der Insel in rote Blütenpracht hüllt.
Und schließlich ist es die zerklüftete Landschaft, durch die die Insel von Anfang an auffiel. Madeira ist zwar nur 35 Kilometer lang und 13 Kilometer breit. Aber durch das vulkanische Gebirgs-Rückgrat, den erloschenen Krater, durch die tiefen Täler und die spitzen Bergkämme wirkt sie wesentlich größer und interessanter als andere Inseln dieser Größenordnung. Dies gilt für die Autofahrer auf den Serpentinenstraßen ebenso wie für die Wanderer entlang der 2.000 Kilometer langen Wasserkanäle, die für die andauernde Fruchtbarkeit der Insel sorgen.
Ganz unten an der südlichen Uferkante Madeiras liegt die Inselhauptstadt Funchal. Für Joao, einen jungen Inselbewohner, ist sie die „Stadt des Lichts“. Der ganze Dezember dient hier der Vorbereitung auf das Christfest. Dabei wird mit Beleuchtung nicht gegeizt. Schon lange vor dem 25. Dezember funkeln die Straßen Funchals im Schein der Lichtgirlanden.
Und keine der zahlreichen Kirchen in der Stadt wäre groß genug, um die riesige Krippenszene aufzunehmen, die direkt an der Hauptstraße Funchals alle Jahre wieder errichtet wird. Fast so, als wäre Bethlehem mit Hirten und Königen, mit Engeln und Heiliger Familie live in die Gegenwart dieser Insel hineinversetzt worden.
Joao kennt diese Darstellung der Heiligen Nacht ganz genau, denn er ist schon ab Ende November an ihrem Aufbau beteiligt. Da genießt er zwischendurch die Pausen auf dem Weihnachtsmarkt, der die heimischen Leckereien von duftenden Backwaren bis zu deftiger Inselkost für jeden Bedarf bereithält.
Je näher das Weihnachtsfest heranrückt, umso mehr entfaltet sich auch die Weihnachtsstimmung in der Stadt. Genau richtig für die zahlreichen Besucher, die nun eintreffen und nicht genug bekommen können von den prächtigen Kirchen, die sich in ihrem Inneren nun von ihrer schönsten Seite zeigen: die Jesuitenkirche, die Kirche von Santa Clara oder ganz weit oben die Kirche Nossa Senhora Do Monte.
Wer zu Fuß oder per Taxi diese Anhöhe über der Stadt erreicht hat, wird durch einen atemberaubenden Blick über ganz Funchal mit seiner natürlichen Hafenanlage belohnt. Hier hat sich in einem Gemälde sogar die Besatzung der „Gorch Fock“ an der Ufermauer verewigt. Zwischen zwei Kreuzfahrtschiffen leuchtet es schwarz-rot-gold herauf.
Beim Abstieg stellt sich für jeden die Qual der Wahl: entweder die Seilbahn, die seit wenigen Jahren über die malerischen Dächer der Stadt hinweg schwebt oder die rasante Abfahrt in einem der legendären Korbschlitten, der – von zwei Männern gezogen – auf Kufen die steilen Gassen hinabsaust!
Kaum haben ein paar abenteuerlustige Gäste der Insel in dem Korb Platz genommen, geht es auch schon mit hohem Tempo steil hinab. Wie viele Stoßgebete hier wohl aus zusammengekniffenen Lippen herausgepresst wurden? Besonders dann, wenn eine unübersichtliche Querstraße naht. Aber irgendwie scheint es immer zu klappen, und benommen bekommt unten jeder wieder festen Boden unter die Füße.
Der Höhepunkt zum Jahreswechsel steht aber noch bevor: das Silvesterfeuerwerk! Seit Tagen sind Feuerwerker an der Uferpromenade von Funchal und auf den Anhöhen der Stadt damit beschäftigt, die Raketen für das größte Feuerwerk Europas herbeizuschaffen. Große Kisten stehen überall bereit, deren Inhalt darauf wartet, an das computergesteuerte elektrische Kabelsystem angeschlossen zu werden.
Punkt Mitternacht wird das Neue Jahr mit einem gewaltigen Spektakel begrüßt. Explosionen erschüttern die Luft und ein bunter Farbenregen ergießt sich über die ganze Stadt in immer neuen Variationen. Eine leuchtende Formation nach der anderen! „Funchal, die Stadt des Lichts“. Wer wollte daran in dieser Neujahrsnacht noch zweifeln?