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Problemkuh Yvonne Vernarrt in eine Kuh

Anna Ringle-Brändli

12.08.2011

Scheu und smart: Yvonne die flüchtige Kuh vor einem Waldstück nahe Mühldorf. Foto: Josef Enzinger/dapd
Scheu und smart: Yvonne die flüchtige Kuh vor einem Waldstück nahe Mühldorf.

Foto: Josef Enzinger/dapd

Zangberg – Stundenlang starrt Hans Wintersteller auf eine Baumgruppe am Waldrand im oberbayerischen Zangberg. "Dort ist Yvonnes Lieblingsschlafplatz", sagt er. Hier hofft der Tierschützer, ihr zu begegnen. Der Verwalter des Salzburger "Guts Aiderbichl" sucht seit mehr als zwei Wochen nach der ausgerissenen Problemkuh - am Tag und in der Nacht. "Ich höre nicht auf, bis ich sie gefunden habe", sagt der 44-Jährige, der die Aktion leitet. Doch er und die anderen Tierretter sind zunehmend besorgt: Unbekannte haben zur Jagd auf die Waldkuh geblasen, sie wollen Yvonne tot sehen.

Mittlerweile kennt Hans Wintersteller Yvonnes 25 Hektar großes Revier, in dem sie wie ein scheues Reh lebt, wie seine Westentasche. Jede Biegung, jeden Pfad. Aber die Kuh kennt das Gebiet offenbar noch besser und hält sich versteckt – alles, was sie ihm hinterlässt, sind frische Spuren im Wald und Kuhfladen.

Wintersteller hat nach und nach Yvonnes Verhalten studiert. "Man muss sich in eine Kuh reindenken, um sie zu verstehen", sagt er. Jetzt kennt der Tierschützer ihre bevorzugten Schlafplätze, ihre Essgewohnheiten und ihre Ruhezeiten.

Kuh im Traum eingefangen

Der Gutsverwalter hat ein Lasso um den Oberkörper geschwungen. Damit will er Yvonne einfangen, wenn sie einen Betäubungsschuss abbekommt. Diesen Moment hat er schon oft im Kopf durchgespielt - sogar geträumt hat er schon von der Kuh: "Dass ich auf sie zulaufe und das Lasso um ihren Kopf schwinge."

Die Tierschützer von "Gut Aiderbichl" haben schon viel versucht, um die zum Abschuss freigegebene Yvonne zu fangen. Mit Futterfallen und einem Spürhund wollte man ihr auf die Schliche kommen. Nun setzen sie auf Lockochse Ernst, der vorübergehend aus einem Gnadenhof in Deggendorf in Waldgebiet umquartiert wurde. Er habe bereits Witterung aufgenommen und rufe nach der Kuh, heißt es.

Wintersteller und Yvonne kommunizieren

Gezeigt hat sich Yvonne dem Tierretter Wintersteller schon mehrere Male. "Wir haben uns einmal 15 Sekunden lang in die Augen geschaut", erzählt er. Erwischt hat er sie dennoch nicht, aber immerhin eine Botschaft konnte er empfangen: "Sie ist in sehr großer Gefahr, das vermittelt sie mir."

Mittlerweile ist sogar eine Tierkommunikatorin im Einsatz, die für die Kuh auf Winterstellers Fragen antwortet, erklärt der Besitzer von "Gut Aiderbichl", Michael Aufhauser. Wintersteller habe so "eine enge Bindung zur Phantomkuh aufgebaut".

Die sechs Jahre alte Milchkuh war am 24. Mai von einem Bauernhof in der oberbayerischen Gemeinde Aschau entwischt. Nach dem Ausladen aus dem Transporter verschwand sie. Mittlerweile hat Gut Aiderbichl die Kuh gekauft.

Transparent: "Tötet die Kuh"

Wintersteller ist sich sicher, dass Yvonne in ein paar Tagen gefangen wird. "Jetzt braucht sie erst einmal etwas Ruhe." Der Hype um Yvonne, die als "Kuh, die ein Reh sein will" bekannt wurde, habe sie verschreckt.

Vom Wahnsinn um die Waldkuh haben offenbar auch einige Menschen die Nase voll: Sie riefen zur Jagd auf Yvonne auf, am Donnerstag seien erstmals entsprechende Transparente im Wald gefunden worden, sagte Britta Freitag vom "Gut Aiderbichl". Es stehe zum Beispiel darauf: "Tötet die Kuh".

Für den Kuhliebhaber Wintersteller ist es ein Lauf gegen die Zeit. Doch er will nicht aufgeben. Er wird weiter suchen. "Die Energie dazu hole ich mir von Yvonne, sie gibt mir Kraft."

(dapd)

 

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