Aktuelle Nachrichten – China - Gesellschaft
12.05.2008
Chongqing – Aus den Trümmern der Juyuan-Mittelschule ragt ein Arm. Er gehört einem Schüler, der bei dem katastrophalen Erdbeben am Montag in Zentralchina verschüttet wurde. Andere Fotos im Internet zeigen, wie Helfer versuchen, Trümmer des Schulgebäudes wegzuräumen, um zu den insgesamt 900 Vermissten vorzudringen.
Sie setzen einfache Seilwinden oder ihre bloßen Hände ein, um Mauerblöcke wegzuschieben. Reporter der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua berichten aus der Stadt Dujiangyan, wie Jugendliche sich selbst aus den Trümmern befreien, während andere verzweifelt nach Hilfe rufen.
Es ist etwa 14.30 Uhr, als in der Provinz Sichuan die Erde in Bewegung gerät. Drei Minuten lang dauert der Erdstoß der Stärke 7,8. In den zahlreichen kleinen Städten der Hügelregion nordwestlich der Millionenstadt Chengdu bricht die Katastrophe während der Arbeitszeit über die Menschen herein.
Die Naturkräfte sind so gewaltig, dass allein im Bezirk Beichuan vier Fünftel der Häuser einstürzen. Schnell steigen die von den Behörden gemeldeten Zahlen der Todesopfer. Am Abend werden mehr als 8.500 Tote gezählt – aber zu diesem Zeitpunkt gibt es noch kaum Informationen aus zwei Bezirken, die ebenfalls im Erdbebengebiet liegen.
Die zehn Millionen Einwohner zählende Stadt Chengdu verbringt den Abend im Dunkeln, die Stromversorgung ist zusammengebrochen. Der israelische Student Ronen Medzini schickt eine kurze Nachricht aus Chengdu: „Staus, kein fließendes Wasser, Stromausfälle, jeder sitzt auf der Straße, Patienten wurden aus den Krankenhäusern evakuiert, sitzen draußen und warten.“ Telefonisch nach Chengdu durchzukommen, ist zunächst kaum möglich. Die zeitgleichen Anrufe von mehreren hunderttausend Bewohnern überlasten das Netz.
Eine Radioreporterin aus den USA, Melissa Block, erlebt das Beben in einem Bürogebäude in Chengdu. „Das Gebäude begann zu schwanken, es gab ein gewaltiges Rumpeln, und alle rannten ins Freie“, berichtet die Journalistin im National Public Radio. „Es sind immer noch viele, viele Leute draußen auf den Straßen. Sie wollen nicht in die Häuser, weil sie Angst vor Nachbeben haben.“
In der Stadt Shifang, südwestlich des Epizentrums im Bezirk Wenchuan, stürzt eine Chemiefabrik ein. Auch dort werden mehrere hundert Menschen verschüttet. Mehr als 80 Tonnen flüssiges Ammoniak geraten in die Umwelt.
Die Erdbebenkatastrophe stellt China drei Monate vor den Olympischen Spielen in Peking vor eine weitere große Herausforderung – zusätzlich zur wachsenden Unzufriedenheit wegen der hohen Inflation und zu den Tibet-Unruhen mit der massiven Kritik aus dem Ausland. Die Führung in Peking ist denn auch bemüht, sofort Entschlossenheit zu zeigen. Mehr als 5.000 Soldaten und Polizisten werden ins Katastrophengebiet entsandt. Auch Ministerpräsident Wen Jiabao reist nach Chengdu, um sich vor Ort einen Überblick über die Lage zu verschaffen. (AP)
Mehr als 8.500 Tote bei Erdbeben in China
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