Aktuelle Nachrichten – Deutschland
15.03.2009
Köln – Beim Bau der U-Bahn in der Nähe des eingestürzten Kölner Stadtarchivs hat es Verstöße gegen die wasserrechtlichen Auflagen gegeben. Umweltdezernentin Marlies Bredehorst sagte am Sonntag, die beteiligten Firmen hätten mehr Brunnen gebaut und mehr Wasser umgeschlagen als genehmigt. Ob das mit dem Einsturz in Verbindung stehen könnte, ist offen. Zudem gibt es offenbar widersprüchliche Zeugenaussagen zum Hergang des Unglücks. Baufirmen könnten laut „Spiegel“ Aussagen abgesprochen haben, um von Fehlern abzulenken.
Medienberichten zufolge wussten die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) und die Baufirmen seit längerem von ernsten Problemen bei der Grundwasser-Ableitung an der Baustelle. Unmittelbar vor dem Einsturz des Stadtarchivs soll es an der U-Bahn-Baustelle dann einen massiven Wassereinbruch gegeben haben. Beim Einsturz des Archivs und anliegender Gebäude wurden vor knapp zwei Wochen der 17-jährige Bäckerlehrling Kevin K. und der 24-jährige Design-Studenten Khalil G. erschlagen.
Bredehorst sagte, die Baufirmen hätten an der Baustelle Waidmarkt seit vergangenem September 15 statt der genehmigten vier Brunnen gebaut. Zudem seien statt der genehmigten Höchstmenge von 450 Kubikmeter in der Stunde 700 Kubikmeter Wasser bewegt worden, erklärte die Umweltdezernentin.
Die Bau-Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Nord-Süd-Stadtbahn ist nach ihren Angaben nicht ihrer Verpflichtung nachgekommen, technische Änderungen der Unteren Wasserbehörde vorzulegen. Diese betonte, die Auflagen beträfen das Umweltrecht, aber nicht die Baustellensicherheit.
Die Ermittler prüfen, ob ein Herstellungsfehler oder eine falsche Berechnung der Wände in der nahe gelegenen unterirdischen Stadtbahn-Baustelle das Unglück ausgelöst haben könnte.
Mitarbeiter einer Brunnenbau-Firma, die zum Unglückszeitpunkt auf der Baustelle arbeiteten, haben laut „Spiegel“ übereinstimmend zu Protokoll gegeben, Teile der sogenannten Schlitzwand seien plötzlich eingebrochen. Dabei seien große Mengen Wasser und Kies in die unterirdische Baustelle gespült worden.
Diese Darstellung passe zu der Tatsache, dass Arbeiter sofort nach oben gerannt seien und Mitarbeiter des Stadtarchivs sowie Anwohner gewarnt hätten, heißt es laut „Spiegel“ bei der Staatsanwaltschaft. Dagegen sollen Mitarbeiter einer anderen am Unglücksort tätigen Firma ausgesagt haben, das Wasser sei am Boden in die Baustelle eingedrungen.
Der Inhaber dieser Firma sagte, Widersprüche in Zeugenaussagen seien durch „unterschiedliche Wahrnehmungen im Moment der Panik“ erklärbar. Absprachen habe es definitiv nicht gegeben. Auch bei der Brunnenbau-Firma hieß es, die Mitarbeiter hätten offen und ehrlich ausgesagt.
Die KVB werde eine weitere Million Euro Soforthilfe für die vom Unglück Betroffenen zur Verfügung stellen. Die bisherige Soforthilfe von einer Million Euro der Kölner Stadtwerke sei nahezu aufgebraucht.
Nach der Bergung des zweiten Vermissten am Donnerstagabend will sich die Feuerwehr nun auf die Rettung der Archivalien im Wert von mehreren Millionen Euro konzentrieren. Das dazu errichtete Notdach sei nahezu abgeschlossen, sagte Feuerwehrchef Stephan Neuhoff. Die Arbeiten seien über das Wochenende weiter gelaufen. Am Samstagnachmittag hätten die Einsatzkräfte mit sogenannten Schreinsbüchern „sehr wertvolle Funde aus dem Mittelalter gemacht“ gemacht. Das Stadtarchiv war nach eigenen Angaben das größte kommunale Archiv nördlich der Alpen. (AP)
Hier können Sie sich im Newsletter eintragen.
Schlagworte