Universum - Aktuelle Nachrichten und Erkenntnisse – Viel Arbeit und Feinschmecker-Essen auf der ISS – Nicole Lange
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Aktuelle Nachrichten – Universum

Viel Arbeit und Feinschmecker-Essen auf der ISS

Nicole Lange

16.02.2008

Die Astronauten Steve Frick, 2.v.rechts, STS-122 Commander; Leland Melvin, links, Stanley Love, oben, und Rex Walheim. (AP Photo/NASA)
Die Astronauten Steve Frick, 2.v.rechts, STS-122 Commander; Leland Melvin, links, Stanley Love, oben, und Rex Walheim. (AP Photo/NASA)

Köln – „Die schwerste Aufgabe war es, wieder reinzukommen“, sagte der deutsche Astronaut Hans Schlegel über seinen Ausstieg ins All. „Weil es einfach so schön ist, draußen zu sein, Aufgaben zu erledigen und den Blick auf die Erde zu genießen.“ Vor seinem Außeneinsatz sei er freilich nervös gewesen, berichtete der 56-Jährige am Samstag bei einer Live-Schaltung an Bord der Internationalen Raumstation (ISS). Man wisse vorher nicht, wie man sich fühlen werde: „Der angespannteste Moment ist, wenn es rausgeht aus der Luke.“

Schlegel und seine Kollegen an Bord der ISS beantworteten bei der live ins Europäische Astronautenzentrum in Köln übertragenen Pressekonferenz sichtlich gut gelaunt die Fragen der Journalisten. So beispielsweise über den schönen Blick auf Ruhrgebiet und Rheintal und die Tatsache, dass er bei der Mission einiges über sich selbst gelernt habe: „Ich kann aber noch gar nicht Bilanz ziehen“, gestand Schlegel.

Seine anfänglichen gesundheitlichen Probleme merkte man dem Deutschen am Samstag nicht mehr an. „Ich fühle mich prima, wie die ganze Crew“, sagte er lächelnd auf die Frage nach seinem Gesundheitszustand. „Dass ich den ersten Einsatz nicht machen konnte, war eine große Enttäuschung für mich.“ Diese Entscheidung sei wegen medizinischer Probleme gefällt worden, die nun verschwunden seien. Schlegel verwies zudem darauf, dass die Mission bislang hervorragend gelaufen sei: „Wichtig ist, dass wir alle Aufgaben erfüllt haben.“

Mit seinem ersten Flug ins All sei diese Mission nicht zu vergleichen, sagte Schlegel weiter. Damals sei er Wissenschaftler an Bord eines Space-Labs gewesen. Diesmal sei es darum gegangen, das Labor erst einmal zu installieren und in Betrieb zu nehmen. Auch er selbst habe sich verändert: „Man merkt schon, dass man einerseits erfahrener ist, andererseits aber auch nicht mehr auf alles genauso schnell reagieren kann.“

Schlegel ist einer von zwei europäischen Astronauten, die das europäische Raumlabor „Columbus“ auf seiner Reise ins All begleitet haben, wo es an der Internationalen Raumstation (ISS) installiert wurde. Das für wissenschaftliche Experimente ausgestattete Labor ist laut ESA ein Meilenstein des europäischen Beitrags zur ISS. Am Mittwoch tauschte Schlegel bei einem Außeneinsatz zusammen mit dem US-Astronauten Rex Wahlheim unter anderem ein über 200 Kilogramm schweres Kühlaggregat aus.

Mit den zahlreichen Aufgaben der Mission ist der Zeitplan der Raumfahrer nach Darstellung Schlegels extrem voll, so dass kaum freie Zeit übrig bleibe. „Die Zeit ist viel mehr ausgefüllt, als man vielleicht denken könnte“, berichtete er. „Auch alltägliche Dinge wie Zähneputzen erfordern hier schließlich einen besonderen Aufwand.“ Auch andere Dinge des täglichen Lebens wie das Aufwärmen des Essens brauchten ihre Zeit.

ESA präsentiert „Space Food“-Projekt

Das Aufwärmen des Essens bedeutet für die Raumfahrer allerdings inzwischen nicht mehr nur Arbeit, sondern auch kulinarisches Vergnügen: So präsentierte die europäische Raumfahrtagentur ESA am Samstag das „Space Food“-Projekt. Die ESA hat Meisterkoch Harald Wohlfahrt beauftragt, für die Crew zu kochen. Damit erhalten die Astronauten auf der ISS erstmals deutsches Essen, das zudem nichts mit gängigen Vorstellungen von Astronauten-Mahlzeiten zu tun hat. Wohlfahrts Feinschmecker-Menü umfasst eine deftige Kartoffelsuppe mit Majoran und Blutwurst, dazu als Hauptgang geschmorte Kalbsbäckchen mit Gemüse in Balsamico-Essigsauce und weißem Bohnenpüree sowie als Dessert Zwetschgenkompott in Sternanis-Gewürzsud.

„Meine erste Assoziation beim Essen für Astronauten waren Tubenessen oder gefriergetrocknete Speisen“, sagte der mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnete Spitzenkoch Wohlfarth über den ungewöhnlichen Auftrag. „Warum soll es nicht zu schaffen sein, ein vollwertiges Essen fürs All zu entwickeln.“

Die für die speziellen Bedingungen an Bord der Raumfähre besonders stark gewürzten Köstlichkeiten werden nach der streng per Video überwachten Zubereitung in kleine Metalldosen zu 250 Gramm und 100 Gramm gefüllt, die die Astronauten in der Bordküche bei 122 Grad erhitzen. Auf den Wein, den der Meisterkoch normalerweise wohl zu seinen Gaumenfreuden reicht, müssen sie allerdings verzichten: Dieser ist an Bord streng verboten. (AP)

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